Sudden Strike 5
Ein unbedachter Vormarsch, ein schlecht positioniertes Geschütz oder ein übersehener Hinterhalt – und schon verwandelt sich ein sorgfältig geplanter Angriff in ein militärisches Desaster. In Sudden Strike 5 entscheidet nicht die Geschwindigkeit am Controller, sondern die Fähigkeit, das Schlachtfeld zu lesen und im richtigen Moment die richtigen Befehle zu erteilen.
Am 23. April 2026 schickten Entwickler Kite Games und Publisher Kalypso Media die traditionsreiche Echtzeit-Taktikserie erneut an die Front. Erschienen ist der fünfte Teil für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC. Für diesen Test haben wir uns die PS5-Version vorgenommen und untersucht, ob sich die komplexen Gefechte auch mit dem DualSense-Controller überzeugend kommandieren lassen.
Kann Sudden Strike 5 die Faszination klassischer Echtzeitstrategie auf moderne Konsolen übertragen – oder wird der Kampf gegen die Steuerung am Ende schwieriger als der gegen die feindlichen Truppen?
Keine Basis, keine Massenproduktion
Sudden Strike 5 unterscheidet sich deutlich von seinem Genre-Konkurrent Company of Heroes. Anstatt sich eine Basis aufzubauen, Rohstoffe zu sammeln und in Produktionsgebäuden Einheiten zu rekrutieren, muss man größtenteils mit den Truppen auskommen, die einem zu Beginn der Mission zur Verfügung stehen. Anhand dessen zeigt sich schon die Richtung, in der die Reihe schon seit Jahren möchte. Es geht nicht darum, Einheiten an die Front zu schicken und dort zu verpulvern, sondern viel mehr um präzise Strategie und Taktik. Wobei es nicht ganz korrekt ist, wenn man von keinerlei Verstärkungsmöglichkeiten spricht. Auf den schön designten Karten befinden sich immer wieder Orte, an denen man für eine entsprechende Punktzahl Einheiten nachkaufen kann.
© Kalypso Media Group GmbH / Kite GamesJene Orte fügen sich dabei sensationell in das Geschehen ein und vermitteln einen realitätsgetreuen Eindruck. So nehmen wir während der Operation „Barbarossa“ einen Bahnhof ein, welcher dem Spieler über einen Zug Verstärkung aufs Schlachtfeld transportiert. Oder man nimmt auf Kreta einen Flugplatz ein, mit dem man entsprechend Luftunterstützung anfordern kann.
© Kalypso Media Group GmbH / Kite GamesNichtsdestotrotz vermittelt Sudden Strike 5 ein Empfinden, dass jede Einheit – vom einfachen Infanteristen bis hin zu schweren Panzern – einen echten Wert hat. Bestes Beispiel und kleiner Spoiler (!) zugleich: In der deutschen Kampagne entdeckte ich ein paar reparaturbedürftige Mathilda-Panzer. Sie kamen mir wie gerufen, weshalb diese sogleich bemannt und repariert wurden. Mit sieben Panzern wollte ich den gegnerischen Stellungen nun einheizen – also volle Fahrt voraus. Unglücklicherweise hatte sich der Feind mit einer Panzerabwehrkanone im Dorf gut verschanzt, sodass meine anrollenden Panzer einer nach dem anderen abgeschossen wurden.
Ein unüberlegtes „Brechstangen-Manöver“ führte in meinem Fall zu herben Verlusten. Diese Verluste kann man nur schwer ersetzen und können unter Umständen zum Neuladen der Mission führen. Der Spieler, der sich die Zeit nimmt und das Gelände, Gegnerstärke, Position etc. aufklärt, der kann auch mit zahlenmäßiger Unterlegenheit zum Erfolg kommen. So führte ein koordinierter Flankenangriff aus beschriebener Aktion zu deutlich weniger Verlusten und zur Einnahme des Dorfes.
Ein weiterer nicht zu unterschätzender Aspekt ist die Versorgung. Sämtliche Einheiten verlieren während eines Gefechts an Treibstoff und Munition. So ist es wohl selbstverständlich, dass eine Einheit einen wichtigen Knotenpunkt ohne Munition nicht halten bzw. einnehmen kann. Um das zu verhindern, gibt es auf der Karte Versorgungsstationen. Bringt man die Einheiten in den Umkreis einer solchen Station, wird Treibstoff und Munition automatisch aufgefüllt. Sollte ein Versorgungspunkt nicht zur Verfügung stehen, hat man oftmals Versorgungs-Lkw im Verband dabei. Sie haben zwar nur eine begrenzte Anzahl an Gütern geladen, sind aber dennoch eines der wichtigsten Einheiten im Spiel. Sie sollten stets geschützt und dem Gegner nicht preisgegeben werden.
© Kalypso Media Group GmbH / Kite GamesGleiches gilt für Reparatur-Lkw. Auch sie sind wichtiger Teil des Verbandes, da sie bspw. Ketten- oder Motorschäden auf dem Schlachtfeld reparieren können. Was ich persönlich nicht verstehe ist die Tatsache, dass ich mit den Lkw oder an Reparaturstationen meine beschädigten Fahrzeuge nicht vollständig reparieren kann. Dies funktioniert immer nur zu einem gewissen Teil – bspw. bis 50% der Lebensanzeige des Fahrzeugs. Mit einer Fähigkeit kann man diesen Wert zwar erhöhen, jedoch wird dieser nicht 100% erreichen. Bei den Lkw kann man das eventuell noch verstehen, da es heißen könnte, die entsprechenden Materialien sind eben nicht auf dem Lkw geladen. An Reparaturstationen finde ich, könnte das anders aussehen. Am Ende wird die Mission zusätzlich erschwert und die Einheiten erhalten einen noch größeren Wert, ich wüsste aber nicht, was gegen diese Reparatur stünde.
Drei Kampagnen und 25 Missionen
Das Herzstück des Spiels bilden drei Kampagnen, in denen wir die Kontrolle über die Westalliierten, die Rote Armee und die deutsche Wehrmacht übernehmen. Insgesamt warten 25 Missionen, die auf historischen Schlachtfeldern in Europa und Nordafrika angesiedelt sind. Dabei wechseln sich groß angelegte Panzerschlachten, Verteidigungsmissionen, Angriffe auf befestigte Stellungen und kleinere Spezialoperationen ab.
© Kalypso Media Group GmbH / Kite GamesDie Einsätze werden mit einem Briefing immer glaubwürdig eingeführt und dauern je nach Schwierigkeitsgrad und eigener Vorgehensweise mehrere Stunden. Ich bin eher der vorsichtige Spieler und lasse meine Artillerie ganze Stellungen dem Erdboden gleich machen, bevor meine wertvollen Panzer vorrücken. So dauerten bei mir die Missionen nie unter fünf bis sechs Stunden! Damit ist Sudden Strike 5 kein Spiel für Jemanden, der nur mal schnell ein paar Truppen bewegen und erfolgreich sein möchte.
© Kalypso Media Group GmbH / Kite GamesZusätzlich wird die Spielzeit pro Mission durch optionale Aufgaben und „versteckte Orte“ ausgedehnt. Ein Beispiel für einen solchen „versteckten Ort“ wäre der Fund einer Panzer im vorherigen Abschnitt. Diese werden nämlich im Briefing nicht benannt und auf der Karte nicht angezeigt. Es lohnt sich also die Karten zu erkunden. Gleichzeitig bieten die Missionen mehrere Lösungswege an. So kann man – wie in meinem Vorgehen – Stellung mit der Artillerie beschießen oder gegnerischen Stellungen in die Flanke fallen. Auf manchen Karten lassen sich sogar Brücken errichten.
Ein großer Nachteil an der Kampagne ist jedoch, dass sich die Missionen gleichen. So greifen wir mit Fallschirmjägern in der ersten Mission der Wehrmachtskampagne Kreta an und verteidigen Kreta in der Alliierten Kampagne. Es hätte sich gelohnt, wenn sich einzelne wichtige Schlachten doppeln würden und man um diese herum abweichende Missionen eingebaut hätte. So wie es ist, besteht das Risiko die Motivation nach einer Kampagne zu verlieren, da man das Schlachtfeld bereits gesehen hat. Hinzu kommt die beschriebene Dauer einer Mission selbst.
Großer Pluspunkt: die Einheitenanzahl
Sudden Strike 5 bietet mit ca. 300 spielbaren Einheiten eine beeindruckende Auswahl und sorgt damit für ein umfangreiches Spielerlebnis. Neben verschiedenen Infanterietypen stehen leichte und schwere Panzer, Artilleriegeschütze, diverse Flugzeuge und Transporter zur Verfügung.
Dabei unterscheiden sich die Einheiten nicht nur optisch. Ein schwerer Panzer hält deutlich mehr aus und besitzt eine enorme Feuerkraft, ist jedoch langsam und anfällig gegenüber schnellen Flankenangriffen. Die Infanterie wirkt im Vergleich als schwächstes Glied der Kette, jedoch ist sie von großer Bedeutung im Rahmen der Aufklärung, Besetzen von Gebäuden und Durchquerung unübersichtlichen Geländes.
© Kalypso Media Group GmbH / Kite GamesDie größte Stärke des Spiels bildet letztlich das Zusammenspiel der unterschiedlichen Truppentypen. Wie anfangs beschrieben und schmerzlich zu spüren bekommen, können Panzer allein nicht immer zum Erfolg führen. Und so schafft es Sudden Strike 5 nach einem erfolgreichen Manöver, ein wahrhaftiges Hochgefühl zu erwecken.
Kommandeure und Doktrinen
Vor jeder Mission entscheidet man sich für einen von drei Kommandeuren und militärische Doktrin, die einem innerhalb des Gefechts spezifische Boni geben. Sie sind in etwa an den eigenen persönlichen Spielstil angepasst. So verbessert man bspw. seine eigenen Panzer oder verbessert die eigene Verteidigung. Defensive Spieler – wie ich es bin – profitieren dann eher von verbesserten Stellungen und widerstandsfähigeren Einheiten.
© Kalypso Media Group GmbH / Kite GamesDie Unterschiede sind dabei nicht immer sofort spürbar, sondern entfalten sich erst im Verlauf der Kampagne. Ich persönlich empfand die verbesserte Reparaturfähigkeit an dieser Stelle – wie bereits angedeutet – eher schwierig. Andere Lösungen wären komfortabler gewesen.
Die Steuerung
Die Tatsache, dass sich viele Entwickler den Port auf die Konsolen zutrauen, finde ich persönlich immer noch eine geniale Sache. Und so muss ich auch bei diesem Spiel sagen, dass ich die Konsolenversion toll finde. Sudden Strike 5 versucht, die zahlreichen Befehle für den Controller umgänglich zu gestalten. Das klappt in der Regel auch genauso gut, wie in anderen Strategiespielen. Grundlegende Kommandos wie Bewegen, Angreifen oder das Auswählen einzelner Einheiten gehen nach kurzer Zeit ordentlich von der Hand. Auch die Kamerasteuerung ist intuitiv.
© Kalypso Media Group GmbH / Kite GamesSobald aber mehrere Verbände gleichzeitig koordiniert werden müssen, zeigt die Konsolensteuerung ihr Grenzen auf. Das präzise Markieren bestimmter Soldaten innerhalb einer größeren Gruppe ist manchmal umständlich. Besonders dann, wenn man versucht aus dem Verband einen Sanitäter auszuwählen. Außerdem ist die „Markierungshilfe“ oft sehr anstrengend, da es eine Art Magnet auf den Einheiten gibt, wenn man über sie mit dem Cursor fährt. In schnellen oder präzisen Aktionen ist das nicht von Vorteil. Das Spiel lässt sich zwar jederzeit pausieren, was die Schwächen des Controllers deutlich abfängt, an die PC-Version wird es aber nicht heranreiche
Grafik und Atmosphäre
Optisch setzt Sudden Strike 5 weniger auf spektakuläre Inszenierung als auf Übersichtlichkeit. Die Schlachtfelder sind abwechslungsreich gestaltet und bieten zerstörte Ortschaften, Wälder, Wüstengebiete, Flüsse und befestigte Verteidigungsanlagen.
Fahrzeuge und Truppen lassen sich auch in größeren Gefechten meist gut voneinander unterscheiden. Explosionen, Rauch und brennende Wracks vermitteln ein glaubwürdiges Gefühl für die Intensität der Kämpfe. Besonders eindrucksvoll wirken Artillerieschläge, die ganze Stellungen innerhalb weniger Sekunden verwüsten können.
© Kalypso Media Group GmbH / Kite GamesAus der Nähe betrachtet fallen die Modelle und Animationen weniger detailliert aus als bei grafischen Spitzenproduktionen. Da man das Geschehen überwiegend aus großer Entfernung verfolgt, fällt dies im regulären Spielbetrieb jedoch kaum ins Gewicht.
Gefechte und Multiplayer
Neben den umfangreichen Einzelspielerkampagnen bietet Sudden Strike 5 eigenständige Gefechte und einen Online-Mehrspielermodus. In diesem Modus entfaltet das taktische System eine besondere Dynamik. Menschliche Gegner sind weniger berechenbar als die künstliche Intelligenz und reagieren gezielter auf Schwächen in der eigenen Verteidigung. Dadurch entstehen spannende Gefechte, in denen Aufklärung und überraschende Angriffe noch wichtiger werden.
Neu hinzugefügt wurde auch eine Koop-Kampagne. Diese konnte ich bis zur Veröffentlichung des Berichts nicht ausgiebig testen. Die Idee ist allerdings enorm interessant – braucht man nur einen Mitstreiter.
Fazit
Sudden Strike 5 ist kein Spiel für ungeduldige Kommandanten. Wer schnelle Action, ständig neue Einheiten und unkomplizierte Massenschlachten sucht, der wird bei der Konkurrenz eher fündig. Wer sich allerdings in den Missionen, dem Einheitenmanagement und der eigenen Strategie verliert, der wird mit diesem Spiel eine Menge Spaß haben. Wer neben seiner Konsole noch einen PC zur Verfügung hat, dem würde ich Sudden Strike 5 aber lieber die PC Version empfehlen. Die schnelle Koordination und der Wert der Einheiten ist zu groß, um zu hohe Verluste in Kauf zu nehmen. Dennoch darf sich jeder Strategiefan auch gern auf die Konsolenversion stürzen, sollte dann aber häufiger die Speicherfunktion verwenden. Ich persönlich habe immer noch eine Menge Spaß mich durch die Missionen zu kämpfen und mit meiner Strategie zum Erfolg zu gelangen. Mein größtes Manko des Spiels sind definitiv die gleichen Missionen innerhalb der Kampagnen. Meine Motivation leidet etwas, wenn ich den gleichen Auftrag nur mit anderen Einheiten spielen soll.

Positiv
- Anspruchsvolle taktische Tiefe
- Abwechslungsreife Missionen
- Große Einheitenvielfalt und gelungene Atmosphäre
Negativ
- Wiederholende Kampagnenmissionen
- Schwächen in der Konsolensteuerung
- Unbefriedigendes Reparatursystem

Flo ist ein Spieler durch und durch. Egal, ob Karten-, Brettspiele oder Spiele in der digitalen Welt – alle sind ihm heimisch. Seine Anfänge machte er mit dem damaligen Spiel „Hugo“ oder der blauen Edition auf dem Gameboy Color. Im Jugendalter widmete er sich neben seinem sportlichen Ausgleich dem Strategiegenre, weshalb „Age of Empires 2“ oder die „Total War“-Reihe immer noch zu seinen Lieblingsspielen zählen.
Neben diversen Strategiespielen ist er auch ein großer Freund von sämtlichen kooperativen Games. Aus diesem Grund zählen wohl „7 Days to Die“ und „Dead by Daylight“ zu den am meisten gespielten Spielen überhaupt. In diesem beiden Titeln kann und konnte er auf beste Unterstützung von Maik und Gunter zählen.
Wichtig ist allerdings, dass die Spiele eine Crossplay-Funktion besitzen, da er vorwiegend auf der Playstation unterwegs ist. Der PC und die Nintendo Switch befinden sich aber auch in seinem Repertoire.
