Star Wars Zero Company
Irgendwo in einer weit, weit entfernten Galaxis…
…schiebt sich ein Sternenzerstörer bedrohlich durch die Dunkelheit des Raums. In der Ferne flackert das Feuer einer Raumschlacht, Blastergeschosse durchpflügen das All und auf einem namenlosen Planeten bereitet sich eine kleine Gruppe von Kämpfern auf eine Mission vor, von der vermutlich niemals jemand erfahren wird. Die Gruppe aus Söldnern, Klonen, Außenseitern und Spezialisten steht am Rande ihrer eigenen Existenz und bangt um jeden einzelnen Kredit. Es wartet demnach keine große Armee auf ihren Einsatzbefehl und auch kein legendärer Jedi-Meister steht an der Spitze dieses Trupps. Stattdessen hängt das Schicksal unzähliger Leben von dieser handverlesenen und ärmlichen Gemeinschaft ab.
Und damit herzlich Willkommen bei Star Wars Zero Company.
Mit dem am 27.08.2026 erschienen Taktikspiel wagt sich das Star Wars-Universum in ein Genre, das bislang eher von Spielen, wie XCOM geprägt wurde. Entwickelt wurde Zero Company von Bit Reactor in Zusammenarbeit mit Lucasfilm Games. Die Veröffentlichung übernimmt dabei Electronic Arts. Spielen kann jeder der einen PC, eine Playstation 5 oder eine XBox besitzt.
Ein Kampf im Schatten der Klonkriege
Nun ist das Star Wars-Universum mittlerweile riesig groß, weshalb sich vorweg die Frage stellt, in welcher Zeitschiene dieser Titel spielt. So wird berichtet, dass sich es bei Zero Company um die späte Phase der Klonkriege handelt. Die Republik und die Separatisten führen gewaltige Armeen gegeneinander ins Feld, währenddessen im Hintergrund ein deutlich unscheinbarer Konflikt entbrennt.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCIm Mittelpunkt des Ganzen steht unser Charakter namens Hawks, den wir im Übrigen nach unseren Vorlieben generieren können – aber dazu später mehr. Hawks ist ein ehemaliger und gescheiterter Offizier der Galaktischen Republik und der Chef der kleinen Einsatztruppe namens Zero Company oder im deutschen Kompanie Null.
Im Laufe des Spiels deckt man die Machenschaften einer mit den Separatisten verbundenen Organisation unter der Führung von Kundri Fathom auf. Sie rekrutiert Mitglieder vor allem nach Stärke über nicht ganz regelkonforme Rituale. Um nicht zu viel zu verraten, kann man sich vorstellen, dass Fathom die Republik nicht gerade als den besten Freund aus der Nachbarschaft ansieht. Die Aufgabe für Kompanie Null ist also eindeutig: Legt Fathom das Handwerk und rettet die Republik und die Galaxis.
Nun, was macht man nicht alles für die nötigen Kredits?
Die Story ist ganz klar keine Innovation, reiht sich jedoch aber angenehm in das Setting ein. Man fühlt sich sehr schnell im Star Wars-Genre heimisch, was nicht nur an den Gegnertypen liegt. Einige eingebaute Eckpunkte des Spiels lassen einen immer wieder aufhorchen und man ertappt sich, wie man sich denkt: „Ahja kenn ich irgendwoher.“
Zusätzlich versucht die Story nicht auf Biegen und Brechen bekannte Figuren und Geschehnisse einzubauen. Man merkt, dass Zero Company seinen eigenen Weg gehen möchte und den Fokus sehr auf Hawks und seine Truppe legt. Und gerade dadurch fühlt sich das Spiel überraschend persönlich an.
Hawks ist unser Hawks
Ich hatte es ja bereits angedeutet, dass man den Hauptcharakter nach seinen Vorlieben darstellen kann. Hierzu ein paar genauere Informationen. Zu Beginn darf man für Hawks ein Geschlecht, Spezies, Aussehen, Kleidung und weitere Merkmale auswählen. Die Charaktererstellung ist dabei sehr ordentlich gelungen und bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten. So kann man sich einen typischen Klonkrieger oder einen dubiosen Untergrundkämpfer bauen. Wer sich im Spielverlauf an seiner Figur satt gesehen hat, kann sie im Nachgang auch wieder anpassen.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCViele Szenen und Zwischensequenzen verlaufen in Echtzeit, wodurch unsere Figur auch tatsächlich so dargestellt wird, wie wir sie kreiert haben. Das mag zunächst wie eine Kleinigkeit wirken, trägt aber enorm zur Identifikation mit der Hauptfigur bei.
Noch wichtiger sind allerdings die übrigen Mitglieder unserer Einheit. Die Zero Company besteht nicht nur aus austauschbaren Soldaten mit unterschiedlichen Waffenwerten. Vorgegebene Figuren besitzen eigene Persönlichkeiten, Hintergründe und Fähigkeiten. Dazu gehören beispielsweise der Klonkrieger Trick.
Durch eine zu Beginn wählbare Option können Teammitglieder dauerhaft sterben. Diese Lücken können über weitere Agentenrekrutierungen gefüllt werden.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCBesonders gelungen ist das Beziehungssystem. Kämpfen bestimmte Figuren regelmäßig miteinander, entwickeln sie eine engere Bindung. Dadurch entstehen nicht nur erzählerische Momente, sondern auch spielerische Vorteile. So wird aus einer zufälligen Zusammenstellung von Kämpfern plötzlich unser Team. Man opfert dann nicht mehr einfach so einen Soldaten, weil man ihn ja ersetzen kann. Es ist vielmehr so, dass man alle wieder gesund nach Hause bringen möchte.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCIch hätte mir nur gewünscht, dass negative Aspekte auf die Beziehung eine größere Rolle spielen. Sie lassen sich recht zügig wieder ausgleichen.
XCOM lässt grüßen
Wer XCOM gespielt hat, wird sich auf dem Schlachtfeld sofort heimisch fühlen. Die Einheiten bewegen sich nacheinander über das Einsatzgebiet, suchen Schutz hinter Deckungen (halb & voll) und setzen ihre jeweiligen Aktionen ein. Man flankiert Gegner, sichert Bereiche durch Überwachungsfeuer oder kombiniert Spezialfähigkeiten verschiedener Figuren. Normalerweise zieht man mit einen Trupp aus bis zu vier Soldaten los. Das schreit förmlich nach XCOM.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCMan muss aber eindeutig sagen, dass dieses System einwandfrei funktioniert. Es erfreut sich einer Vielzahl an Fans und hat sich über die Jahre hinweg etabliert. Und so funktioniert Star Wars Zero Company ebenfalls sehr gut, einfach weil es sämtliche Stärken übernimmt und für sich nutzt. Gleichzeitig muss man aber sagen, dass die Entwickler kaum eigene Ideen eingebaut haben. Böse stimmen würden behaupten, dass es sich wie eine Mod für XCOM anfühlt. Wobei man das direkt relativieren kann. Es stellt sich nämlich auch die Frage, ob ein Rad immer wieder neu erfunden werden muss, besonders dann, wenn sich das System bereits etabliert hat. Jedoch hätten ein paar frische Ideen nicht geschadet.
Spielspaß durch Kombination von Fähigkeiten
Aufgrund des Star Wars-Settings bieten sich im Spiel deutlich mehr Möglichkeiten zur Kombination diverser Fähigkeiten. So kann man beispielsweise die Macht nutzen, um einen Gegner in den Überwachungskegel eines Mitstreiters zu schleudern, damit dieser den entscheidenden Abschuss macht.
Diese taktischen Spielchen nehmen meiner Ansicht nach im Spiel zu. Am Anfang sind die Missionen noch ziemlich einfach. Im Spielverlauf stieg die Schwierigkeit an und forderte immer mehr Problemlösestrategien. Auf normalem Schwierigkeitsgrad steigt die Lernkurve sachte an, was besonders Genreneulingen entgegen kommt. Hat man sich durch eine Mission gekämpft, befriedigt einen das außerdem. Dieses Gefühl hatte ich wirklich lange nicht mehr.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCNeben den Einsätzen auf den verschiedensten Planeten wird die Spielzeit mit Missionen gefüllt, die man nicht direkt spielen kann. Jeder dieser Einsätze besitzt ein eigenes „Punktekonto“ und läuft nach einer Anzahl von Zyklen ab. Gibt man die Punkte aus, startet die Mission. Sie wird allerdings nur mit einem oder mehreren Textfenstern dargestellt. Ab und an muss man auch Entscheidungen für den Verlauf dieser indirekten Missionen treffen. Beispielsweise werden gegnerische Einheiten auf dem Spielfeld stärker. In welcher Art und Weise diese Verbesserung deutlich wird, hängt davon ab, welche Entscheidung man zuvor getroffen hat. So kann es sein, dass die Droiden mehr Lebenspunkte oder mehr Schaden erhalten.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCDiese simple Art der Entscheidungen beeinflussen den Spielverlauf merklich. Wenn jede Gegnereinheit plötzlich mit „Gegenfeuer“ reagiert, kann das die Mission schon zu Beginn sehr beeinflussen.
Ehrlicherweise hab ich zum Start des Spiels gedacht: „Na klasse, so wird die Spielzeit künstlich erhöht. Eigentlich möchte ich jede Mission selbst spielen.“ Im Nachgang musste ich aber feststellen, dass diese Spielmechanik gar nicht so schlecht ist. Jede dieser Aufträge gibt nicht nur wertvolle Kredits, sondern auch Informanten oder Waffenmods. Des Weiteren stellen diese Aufträge auch ein sinnvolles Bindeglied zwischen Haupt- und Nebenmissionen dar.
Grafisch schön anzusehen
Star Wars Zero Company präsentiert sich auf dem PC wirklich sehr gut. Die taktischen Karten sind detailliert, die Charaktermodelle überzeugen und Angriffe werden immer wieder mit dynamischen Kameraperspektiven hervorgehoben. Dadurch wirken die Gefechte deutlich filmischer als in vielen anderen Genrevertretern.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCZusätzlich beschießen sich die Spielfiguren auf den Karten immer mal wieder ohne allerdings wirklich Schaden anzurichten. So werden Planungsphasen atmosphärisch gut überwunden. Die tatsächlich ausgewählten Blasterschüsse zerschlagen Deckungen oder zerstören Droiden mühelos. Der Kampf mit Lichtschwertern sorgt schlussendlich für den unverkennbaren Star Wars-Moment.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCEin echtes Alleinstellungsmerkmal waren für mich die Third-Person-Abschnitte einiger Storymissionen. Hier darf man Hawks direkt durch Teile der Umgebung steuern, bevor das Spiel wieder in seine gewohnte rundenbasierte Perspektive wechselt. Allerdings darf man da nicht zu viel erwarten. Diese Abschnitte gewähren nicht viel Spielraum nach links oder rechts. Vielmehr sind sie sehr schlauchartig angelegt. Dafür schaffen sie eine stärkere Verbindung zwischen dem Spieler und dem Charakter und sorgen auch wieder für eine Verknüpfung von Story und Kampf.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCTechnik
In meinem gesamten Spielverlauf bin ich mit Star Wars Zero Company sehr gut zurechtgekommen. Leider muss man aber auch sagen, dass das Spiel in diesem Zeitraum auch nicht vollends sauber ablief. So kam es vor, dass die Schatten in Zwischensequenzen oftmals geflimmert haben oder Bewegungsanimationen auf der taktischen Karte völlig starr abliefen. Einmal hat sich mein Spiel während des Kampfes aufgehangen und ich musste die Mission neu starten – also lieber öfters mal abspeichern! Mit dem Patch 1.1 wurden aber eine Menge dieser Probleme behoben.
© Lucasfilm Ltd. / Electronic Arts Inc. / Bit Reactor, LLCFazit
Auch hier muss ich mit ehrlichen Worten beginnen. Als ich vom Release des Titels hörte, dachte ich mir, dass das Spiel ein Flop mit großem Namen werden könnte. Nach einer Vielzahl an Spielstunden muss ich aber echt das Gegenteil darstellen. Star Wars Zero Company ist vielleicht nicht das Strategiespiel, das das Genre neu definiert. Aber es ist eines, das die vorhanden Elemente sehr sinnig einsetzt und eine tolle Atmosphäre schafft. Ich wurde zügig in das Spiel hineingezogen und kam schwer wieder hinaus. Es musste immer wieder eine Mission weitergehen.
Die Verbindung zu meinem eigenen Charakter und den zusätzlichen Mitstreitern empfand ich super. Und so muss ich abschließend sagen, dass es nicht immer die riesige Raumschlacht oder halbstündige Lichtschwertkämpfe benötigt. Auch ein Team von Außenseitern in Kombination mit einem gut laufenden System, kann eine Menge Spaß machen. Ihr könnt also wirklich einen Blick wagen und eventuell fesselt euch Star Wars Zero Company genauso wie mich.
Positiv
- Star Wars-Feeling
- abwechslungsreicher Spielverlauf
- Identifizierung mit dem Hauptcharakter
- schicke Grafik
Negativ
- wenig Mut zu Neuem
- textbasierte Nebenmissionen
- technische Schwierigkeiten in der Testphase

Flo ist ein Spieler durch und durch. Egal, ob Karten-, Brettspiele oder Spiele in der digitalen Welt – alle sind ihm heimisch. Seine Anfänge machte er mit dem damaligen Spiel „Hugo“ oder der blauen Edition auf dem Gameboy Color. Im Jugendalter widmete er sich neben seinem sportlichen Ausgleich dem Strategiegenre, weshalb „Age of Empires 2“ oder die „Total War“-Reihe immer noch zu seinen Lieblingsspielen zählen.
Neben diversen Strategiespielen ist er auch ein großer Freund von sämtlichen kooperativen Games. Aus diesem Grund zählen wohl „7 Days to Die“ und „Dead by Daylight“ zu den am meisten gespielten Spielen überhaupt. In diesem beiden Titeln kann und konnte er auf beste Unterstützung von Maik und Gunter zählen.
Wichtig ist allerdings, dass die Spiele eine Crossplay-Funktion besitzen, da er vorwiegend auf der Playstation unterwegs ist. Der PC und die Nintendo Switch befinden sich aber auch in seinem Repertoire.
