DRAGON QUEST I & II HD-2D Remake

Ich habe mich lange nicht als jemand gesehen, der tief in klassischen JRPGs zuhause ist. Erst dieses Jahr hat Digimon Story: Time Stranger mir gezeigt, wie spannend dieses Genre sein kann – mit seinen rundenbasierten Kämpfen, seiner Charakterentwicklung und dem Gefühl, gemeinsam mit einem Team durch eine große Geschichte zu reisen. Rückblickend war dieses Spiel mein erster echter Kontakt mit den Wurzeln des JRPG-Gefühls, ohne dass ich damals verstanden hätte, wie tief diese Tradition eigentlich reicht.

Mit dieser neu entdeckten Begeisterung stand ich nun vor DRAGON QUEST I & II HD-2D Remake. Und plötzlich wurde klar, wo all die Mechaniken, Stimmungen und Erzählweisen ihren Ursprung haben, die mich an Time Stranger so fasziniert hatten. Obwohl ich die Originale nie gespielt habe, fühlte sich dieses Remake an wie eine Reise zurück zum Fundament eines Genres, das ich gerade erst lieben gelernt habe – nur diesmal in einer Form, die modern genug ist, um mich mitzunehmen.

Wir ziehen durch die Welt von Alefgard und darüber hinaus!

In DRAGON QUEST I & II HD-2D Remake beginnt die Geschichte nicht in einer futuristischen Metropole, sondern im Herzen einer märchenhaften Fantasywelt. Alles wirkt zunächst ruhig, vertraut und idyllisch — doch hinter dieser Fassade liegt eine Bedrohung, die größer ist, als die Bewohner ahnen.

© Square Enix / ARTDINK
Die Zwischensequenzen erzeugen Gänsehaut.

In DRAGON QUEST I tritt ein einzelner junger Held vor den König, um ein Versprechen einzulösen: Als Nachfahre des legendären Erdrick soll er die entführte Prinzessin retten und das Land von einer finsteren Macht befreien. Es ist der Beginn einer Reise, die klein anfängt, sich jedoch schnell zu einer gefährlichen Mission entwickelt, die das Schicksal der gesamten Welt entscheidet.

DRAGON QUEST II führt diese Geschichte viele Jahre später weiter. Drei Erben der königlichen Linie müssen zusammenkommen, nachdem Monsterhorden plötzlich über das Land herfallen und die Zivilisation ins Chaos stürzen. Die ruhigen Königreiche brechen auseinander, alte Pfade öffnen sich erneut, und die jungen Helden stehen vor der Aufgabe, das Erbe Erdricks fortzuführen und ein neues Zeitalter der Finsternis zu verhindern.

Die Geschichte von DRAGON QUEST I & II HD-2D Remake eröffnet sich direkt und ohne Umwege: Ein junger Held wird in eine Welt hineingeworfen, in der eine finstere Macht das Königreich bedroht und eine vermisste Prinzessin zum Symbol dieser Krise geworden ist. Der Einstieg wirkt bewusst kompakt, aber erstaunlich atmosphärisch – die Inszenierung nutzt filmische Übergänge, stilvolle Perspektiven und emotionale Zwischensequenzen, um sofort Nähe zur Welt und ihren Figuren aufzubauen. Besonders gelungen ist, wie Dialoge, die dargestellten Szenen und Schauplätze dem Abenteuer spürbar Tiefe verleihen, ohne die klare, leicht zugängliche Struktur der Handlung zu überladen.

Das Kampfsystem wirkt ebenfalls modernisiert: Man kämpft in DQ I gegen mehrere Gegner gleichzeitig und verfügt über eine Vielzahl an Fähigkeiten und Zauber. Dadurch entsteht ein angenehmes Gleichgewicht zwischen klassischer Einfachheit und strategischer Tiefe. Jede Entscheidung zählt, weil man allein unterwegs ist – ein Gefühl, das das Spiel bewusst stärkt.

Ich bin bereit – seid ihr es auch!

DRAGON QUEST II wirkt dagegen wie ein vollständiges Rollenspiel-Epos. Die Welt ist größer, die Geschichte umfangreicher, und das Spiel inszeniert dramatische Sequenzen nun sogar vollständig vertont in Englisch oder Japanisch. Der Einstieg ist erzählerisch packender, weil man eine stärkere Verbindung zwischen Charakteren und Welt spürt.

Mechaniken, die klassisch bleiben – aber deutlich moderner wirken

Ohne Vorkenntnisse ist es beeindruckend, wie durchdacht die Systeme ineinandergreifen. Das Spiel bewahrt traditionelle JRPG-Strukturen, vermeidet aber deren Frustfaktoren durch sinnvolle Modernisierungen.

Die Menüs sind übersichtlich und logisch strukturiert, mit klaren Symbolen, einer schnellen Reaktionszeit und gut sortierten Inventar- und Ausrüstungslisten. Besonders angenehm ist, dass viele Items sowohl ausgerüstet als auch im Kampf aktiv eingesetzt werden können. Siigille, die in beiden Spielen eine zentrale Rolle spielen, setzen ebenfalls neue Akzente: Sie verstärken Angriffe oder Zauber passiv und sorgen dafür, dass Kämpfe nicht nur von Leveln, sondern auch von individueller Vorbereitung profitieren. Dazu kommen Mini-Medaillen, die zum Erkunden motivieren, weil man immer wieder wertvolle Belohnungen erhält – ein System, das besonders Neueinsteigern ein angenehmes Fortschrittsgefühl gibt.

Obwohl ich die alten Versionen nie angerührt habe, merkt man schnell: Hier wurde versucht, klassische JRPG-Strukturen beizubehalten, aber so zu modernisieren, dass sie heutigen Erwartungen entsprechen. Zu den gelungensten Neuerungen zählen die Quality-of-Life-Upgrades wie automatische Speicherung nach jedem Kampf, optional einblendbare Zielmarkierungen, anpassbare Text- und Kampfschnelligkeit, Auto-Run, Einstellbarkeit der Schwierigkeit, übersichtliche Menüs und Tutorials, die tatsächlich helfen, ohne zu bevormunden. All das sorgt für ein angenehmes Spielgefühl, gerade wenn man nicht in den Strukturen der 80er-Jahre verwurzelt ist.

© Amor Project / Bird Studio / Spike Chunsoft / Square Enix
Archievments gibt es für die Platinsammler auch.

Ein Abenteuer mit Herausforderungen mit Ecken und Kanten – aber selten unfair

Was ich nicht erwartet hatte: Die Kämpfe können durchaus anspruchsvoll werden. Vor allem in DQ I, wo man als Einzelheld unterwegs ist, haben Entscheidungen im Kampf ein spürbares Gewicht. Das Balancing bleibt aber insgesamt fair, vor allem weil jederzeit zwischen drei Schwierigkeitsgraden gewechselt werden kann:
„Dragon Quest“ (klassisch), „Dracky Quest“ (entspannt) und „Draconian Quest“ (sehr schwer). So konnte ich meinen Weg anpassen, ohne mich irgendwo festzufahren – ein großes Plus, besonders wenn man Neuling in der Serie ist. Dabei erinnere ich mich ein wenig an Digimon, was das Balancing betrifft, aber man kann sich auch anpassen.

So beeindruckend DRAGON QUEST I & II HD-2D Remake in vielen Momenten ist, stößt es an manchen Stellen sichtbar an Grenzen. Die HD-2D-Optik ist wunderschön, doch sie bringt gelegentliche Performance-Schwankungen mit sich: kleine Ruckler, wenn mehrere Lichteffekte gleichzeitig auftreten, oder minimal verzögerte Animationen in stark belebten Szenen. Es sind keine Gamebreaker, aber sie stechen heraus, weil der Rest des Spiels so poliert wirkt. Dazu kommt, dass die Zielmarkierungen und Navigationshilfen manchmal zu direkt ausfallen. Was einerseits angenehm für Neulinge ist, nimmt andererseits etwas von der Entdeckerfreude, die ein klassisches JRPG eigentlich ausmacht.

Wenn sich der Feind offenbart.

Im Kampfsystem findet sich ebenfalls eine kleine Reibungsfläche: DRAGON QUEST I verlässt sich darauf, dass ein einziger Held alle Entscheidungen trägt. Das macht Kämpfe taktischer, kann aber zu frustigen Situationen führen, wenn man Pech mit kritischen Treffern hat oder die knappen Ressourcen nicht optimal nutzt. Gleichzeitig können manche Bosskämpfe auf höheren Schwierigkeitsstufen recht sprunghaft wirken, insbesondere wenn Mechaniken wie Sigille oder Kampfitems noch nicht vollständig verstanden sind. Hinzu kommen ein paar Menüelemente, die zwar übersichtlich sind, aber im Detail etwas starr wirken – etwa bei der Verwaltung von Items oder dem schnellen Vergleich von Ausrüstung.

Und schließlich gibt es kleinere Designentscheidungen, die nicht jedem gefallen werden: Manche Nebenfiguren bleiben eher blass, einige Nebenwege wirken funktional statt atmosphärisch, und die Welt in DRAGON QUEST I ist bewusst überschaubar, was modernen Open-World-Spielern vielleicht zu wenig bieten könnte. Doch all diese Kritikpunkte setzen eher feine Kratzer auf ein insgesamt sehr gelungenes Remake – sie trüben das Erlebnis, nehmen ihm aber nie seine Faszination.

Fazit: 09/10

DRAGON QUEST I & II HD-2D Remake hat mich als JRPG-Neuling überrascht und begeistert. Nachdem mich Digimon Story: Time Stranger erstmals für das Genre geöffnet hat, fühlte sich dieses Paket wie eine Reise zu den eigentlichen Wurzeln des JRPG-Gefühls an – nur in einer modernen Form, die mich sofort abgeholt hat. Die beiden Abenteuer überzeugen mit wunderschöner HD-2D-Inszenierung, klar erzählten Geschichten, einem angenehm taktischen Kampfsystem und vielen sinnvollen Komfortfunktionen, die den Einstieg leicht machen.

Kleine Schwächen wie gelegentliche Performance-Einbrüche, teils zu direkte Navigationshilfen und ein paar unausgewogene Momente im Schwierigkeitsgrad fallen auf, mindern den starken Gesamteindruck aber kaum. Unterm Strich bleiben zwei zeitlose Rollen­spiel­reisen, die heute genauso funktionieren wie damals – nur schöner, runder und zugänglicher denn je.

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