Skate Story

Kurz nachdem das neue Skate. viele enttäuschte Gesichter zurückgelassen hat, kommt ein neues Skateboardspiel auf den Markt. Ganz im Gegensatz zu Skate., ist Skate Story allerdings ein Indie Titel, welcher hauptsächlich von einer einzelnen Person entwickelt wurde – und das merkt man an jeder Ecke und tut dem Spiel richtig gut.

MMO Sandbox vs. experimentelles Singleplayer Adventure

Eigentlich ist es für beide Spiele unfair, sie miteinander zu vergleichen. Bis auf dass ihr in beiden Spielen einen Skater verkörpert, haben die Spiele nur wenig Gemeinsamkeiten. In Skate. erhaltet ihr eine recht große Stadt, in der ihr euch mit Spielern aus aller Welt ohne größeres Storyziel austoben könnt. Skate Story hingegen ist eine experimentelle Singleplayererfahrung, die mich fast schon an Spiele wie Journey erinnert. In Skate Story versetzt euch die Atmosphäre und die Musik regelrecht in eine Art Trance, in der es nur noch euch euer Skateboard und die Geschwindigkeit gibt. Deshalb will ich mich weniger auf einen Vergleich der beiden Spiele konzentrieren als darauf, was Skate Story in meinen Augen so gut macht und für wen sich die Erfahrung lohnt.

Falls ihr wissen möchtet, warum ich und so viele andere mit Skate. nicht zufrieden waren, könnt ihr hier unsere Review zu Skate. lesen: Skate. für PlayStation 5 im Test

© Sam Eng / Devolver Digital
Skate Story mag vielleicht für manche zu experimentell sein, doch wer nach etwas einzigartigem sucht wird hier definitiv fündig.

Scheiß auf Konventionen

Wie bereits angesprochen ist Skate Story mehr eine experimentelle Singleplayererfahrung als ein „klassisches“ Skateboardspiel alla Skate oder Tony Hawks Pro Skater. Deshalb fahrt ihr auch nicht einfach durch irgendeine Stadt, sondern als gläserner Dämon einmal komplett durch die Hölle. Euer Ziel: Alle Monde der Unterwelt zu verspeisen. Dafür geht ihr sogar einen Pakt mit dem Teufel höchstpersönlich ein. Er schenkt euch als Hilfe ein Skateboard und verspricht euch die Freiheit, wenn ihr es tatsächlich schaffen solltet, alle Monde zu verspeisen.

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Die Geschichte in Skate Story habt ihr so bestimmt nicht in einem Skateboardspiel erwartet.

Trotz der einzigartigen Prämisse und recht poetischen Erzählweise handelt die Geschichte im Kern doch von relativ klassischen Themen für die Skatekultur: Rebellion gegen das System und das provokante Missachten geltender Regeln.

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Auch in der Hölle haben Skater mit Pedanten zu kämpfen.

Ab durch die Hölle

So schwingt ihr euch also auf euer Brett und folgt einem weißen Hasen, der euch durch die Hölle führt. In schnellen, actiongeladenen Sequenzen donnert ihr nun schmale Korridore entlang, während ihr über Hindernisse springt und euch von dem absolut fantastischen Soundtrack in einen unvergleichlichen Flow ziehen lasst, den ich so selten erlebt habe.

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Diese Sequenzen sind wirklich das absolute Highlight des Spiels und lassen sich am ehesten mit den Downhillchallenges aus der Skate-Reihe vergleichen.

Zwischen diesen Sequenzen landen wir immer wieder in etwas größeren offenen Arealen, wie zum Beispiel einer kleinen Stadt in der Unterwelt, die wir frei erkunden können. Hier gibt es massig Street-Spots und auch kleinere Areale, die fast schon an Skateparks erinnern, an denen wir uns austoben können. Zudem gibt es hier auch ein paar Nebenquests und kleinere Challenges zu erledigen.

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Statt der krassesten Grafik hat Skate Story einfach Style.

Der Teufel steckt im Detail

Doch das Spiel ist nicht ganz ohne ein paar kleine Macken. Denn gerade diese etwas freieren Areale empfand ich meist als Tempokiller und die Aufgaben darin wenig spannend. Das lag aber vor allem daran, dass die Downhillartigen Level einfach so viel Spaß machten, dass ich am liebsten immer sofort ins nächste gesprungen wäre. Und zum Glück weiß das auch das Spiel und lässt euch relativ schnell wieder diese „Zwischenwelten“ verlassen und übergibt euch dann dem nächsten Adrenalinrausch.

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Ich kann einfach nicht genug von diesen Actionsequenzen haben.

Ein weiteres kleines Manko ist die Steuerung: Anstatt eine einfache „drücke Knopf X, um diesen Trick auszuführen“- Steuerung alla Tony Hawks Pro Skater oder eine Variante der Flick-It-Steuerung aus Skate zu nutzen, nutzt Skate Story auch hier sein eigenes System. Ihr ladet mit einer der Schultertasten den gewünschten Trick auf und müsst dann im richtigen Moment die Springen Taste drücken. Klingt erst mal nicht so kompliziert, allerdings zu wissen, wann der richtige Moment zum Springen gekommen ist, ist gar nicht so einfach. Denn solange ihr einen Trick aufladet, solange bewegt sich in der unteren Bildschirmmitte ein kleines Symbol, das euch anzeigt, wann der richtige Zeitpunkt zum Springen gekommen ist.

© Sam Eng / Devolver Digital
Seht ihr diese kleine Spirale mit dem weißen Strich neben dem Skater? Dies zeigt euch an, wann der perfekte Moment gekommen ist, um den Trick auszuführen.

Allerdings ist es bei der Geschwindigkeit im Spiel meist kaum möglich, sich auf dieses kleine Symbol zu fokussieren, wenn man gleichzeitig darauf achten muss, gegen kein Hindernis zu fahren. Zudem reist es sehr aus der Immersion heraus, wenn man beim Skaten immer wieder auf dieses kleine Symbol starren muss.

Immerhin gibt euch ein perfektes Timing lediglich einen kleinen Punktebonus und einen etwas höheren Sprung. Außerdem erfordert auch kein Sprung in der Story (sofern ich es mitbekommen hatte), dass man dieses System perfekt beherrscht. So kann man dieses System getrost ignorieren. Dennoch stellt sich dann die Frage, warum überhaupt dieses System einführen? Vor allem da es sich direkt mit der Kernstärke des Spiels, diesem unvergleichlichen Flow beißt?

Ich möchte hier auch gar nicht so negativ werden, denn diese Probleme sind wirklich eher Kleinigkeiten. Wenn ich ehrlich bin, zeigen alle Schwächen, die ich aufgezählt habe auch hauptsächlich, wie gut der Hauptteil des Spiel funktioniert und ich mich am liebsten darin komplett verlieren möchte. Und wer weiß, vielleicht kommt ja noch irgendwann ein Update, in dem man einfach endlos mit der Musik durch die Tore der Unterwelt brettern kann.

Fazit: 9/10

Skate Story ist ein Spiel, welches Konventionen links liegen lässt, um sein eigenes Ding zu machen. Sicher wird manchen daher das Spiel zu kryptisch erzählt sein, oder der Artstyle und die Prämisse nicht gefallen. Doch dafür erhalten alle anderen ein Spiel, welches bei seiner Vision keine Kompromisse gemacht hat und so in dem was es ist einfach verdammt gut geworden ist. Und ist es nicht das, was Indie-Games so großartig macht?

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