Simon the Sorcerer Origins

Point-and-Click-Adventures waren für mich lange kein Genre, das ich selbst aktiv gespielt habe, sondern eines, das ich vor allem beobachtet habe. Besonders bei Gronkh habe ich viele dieser Spiele verfolgt – allen voran Edna bricht aus, das mich mit seinem schwarzen Humor, seinen absurden Dialogen und seiner eigenwilligen Erzählweise nachhaltig beeindruckt hat. Diese Mischung aus Rätseln, Wortwitz und einer Geschichte, die sich Zeit nimmt, ist mir bis heute positiv im Gedächtnis geblieben, auch wenn ich selbst kaum Berührungspunkte mit dem Genre hatte.

Mit Simon the Sorcerer Origins ergab sich nun die Gelegenheit, genau in diese Art von Abenteuer selbst einzutauchen. Nicht als nostalgischer Rückblick, sondern als bewusster Einstieg in ein Genre, das ich bislang eher aus zweiter Reihe kannte. Und schnell wurde klar: Dieses Spiel setzt genau dort an, wo meine Faszination damals begonnen hat – bei einer Geschichte, die über Dialoge lebt, bei Rätseln, die Geduld verlangen, und bei einer Welt, die nicht durch Action, sondern durch Charakter und Humor trägt. Schon nach kurzer Zeit wird klar: Dieses Spiel will nicht modern um jeden Preis sein. Es will erzählen, unterhalten, schmunzeln lassen – und dabei eine Welt etablieren, die sich Zeit nimmt. Genau darin liegt seine größte Stärke, aber auch seine größte Hürde.

Der Anfang einer (unfreiwilligen) Heldenreise

In Simon the Sorcerer Origins lernen wir Simon zu einem Zeitpunkt kennen, bevor er zum bekannten Zauberlehrling wird. Die Geschichte setzt bewusst früher an und erzählt, wie ein ganz normaler Junge in eine magische Welt stolpert, mit der er eigentlich nichts zu tun haben will.

Die Erzählweise ist klassisch: viel Dialog, viele schräge Figuren, ein Humor, der zwischen trocken, ironisch und stellenweise herrlich albern pendelt. Die Fantasywelt wirkt bewusst überzeichnet, fast karikaturenhaft, und lebt von ihren Bewohnern. Dabei geht es weniger um epische Bedrohungen als um persönliche Reibungspunkte, absurde Situationen und das Gefühl, ständig am falschen Ort zur falschen Zeit zu sein.

© Smallthing Studios S.r.l./LLC / ININ Games
Wieso muss ich dann eine Lösung finden?

Das Storytelling funktioniert vor allem über Sprache. Dialoge tragen die Handlung, Pointen entstehen durch Wortwitz und Timing, nicht durch Inszenierung. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt – wer schnelle Storybeats erwartet, könnte ungeduldig werden.

Klassisches Point-and-Click ohne Umwege

Spielmechanisch bleibt Simon the Sorcerer Origins seinen Wurzeln treu. Man bewegt Simon durch handgezeichnete Schauplätze, untersucht Objekte, spricht mit NPCs und kombiniert Items, um Rätsel zu lösen.Die Steuerung ist übersichtlich, das Interface aufgeräumt. Inventar, Interaktionsmöglichkeiten und Dialogoptionen sind logisch strukturiert und schnell zugänglich. Besonders angenehm ist, dass das Spiel unnötige Komplexität vermeidet: Es gibt keine überladenen Menüs, keine künstlichen Systeme, keine moderne Mechanik, die sich fremd anfühlt.

© Smallthing Studios S.r.l./LLC / ININ Games
Manche Ideen hat man sofort, gelegentlich sucht man eine Weile.

Die Rätsel sind überwiegend logisch aufgebaut, setzen aber Aufmerksamkeit und Geduld voraus. Nicht jedes Problem löst sich sofort, manche Lösungen verlangen Umdenken oder das genaue Zuhören in Gesprächen. Das gehört zum Genre – kann aber für ungeübte Spieler stellenweise fordernd sein.

Handgezeichnete Welt mit Charakter

Visuell setzt Simon the Sorcerer: Origins auf einen klaren, comicartigen Stil. Die Hintergründe sind detailreich, bunt und voller kleiner visueller Gags. Figurenanimationen sind bewusst überzeichnet und unterstützen den humorvollen Ton der Geschichte.

Auch der Sound fügt sich gut ein: Die Musik bleibt meist dezent im Hintergrund, unterstützt Atmosphäre und Stimmung, ohne sich aufzudrängen. Sprachausgabe und Texte tragen einen Großteil der Identität des Spiels – hier zeigt sich, wie wichtig gutes Writing für dieses Abenteuer ist.

Ecken und Kanten – wo das Abenteuer Geduld verlangt

So charmant Simon the Sorcerer: Origins ist, es hat klare Schwächen. Das Spieltempo ist gemächlich, teilweise sehr langsam. Wer moderne Adventure-Designs mit klaren Hinweisen und schneller Progression gewohnt ist, könnte sich an manchen Stellen verloren fühlen.

© Smallthing Studios S.r.l./LLC / ININ Games
Simon spricht mir manchmal aus der Seele.

Auch die Rätselstruktur kann gelegentlich sperrig wirken. Nicht jede Lösung ist sofort intuitiv, und manchmal fehlt ein klarer Hinweis, was der nächste logische Schritt sein könnte. Dazu kommt, dass der Humor nicht jeden trifft – er ist sehr textlastig, sehr britisch geprägt und funktioniert nur, wenn man sich darauf einlässt.

Technisch bleibt das Spiel solide, aber unspektakulär. Es gibt keine großen Ausreißer, aber auch keine besonderen Wow-Momente. Alles steht im Dienst der Geschichte – und das merkt man.

Fazit: 06/10

Simon the Sorcerer Origins ist kein Spiel für Eile. Es ist ein Abenteuer für Spielerinnen und Spieler, die Freude an Dialogen, Wortwitz und klassischem Rätseldesign haben. Wer bereit ist, sich Zeit zu nehmen, aufmerksam zuzuhören und die Welt auf sich wirken zu lassen, bekommt ein charmantes, eigenständiges Erlebnis. Es richtet sich weniger an Spieler, die Action oder Tempo suchen, sondern an jene, die Geschichten erleben wollen – mit Humor, Charakter und einer Prise magischer Absurdität. Außerdem findet sich an manchen Stellen schon die Problematik, dass eine Lösung nicht einfach oder logisch zu finden ist, dass man doch ein Weilchen sucht und kombiniert. Und das über die Geduld hinaus.

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