Sumerian Six
Ein neuer Stern ist am Firmament der großen Taktik-Stealth-Spiele mit Sumerian Six vom Studio Artificer aufgegangen. Sie versuchen mit ihrem Spiel frischen Wind in ein Genre zu bringen, das viele Spieler seit den großen Klassikern schmerzlich vermissen. Sumerian Six setzt auf kluge Planung, perfektes Timing und ein ungewöhnliches Setting, das Wissenschaft, Okkultismus und Zweiten Weltkrieg miteinander vermischt.
Auf dem PC könnt ihr die ersten Schritte bereits seit dem 02. September 2024 wagen. Alle anderen Spieler der Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X|S mussten bis zum 06. März 2026 warten, dürfen aber nun endlich auch die Welt vor zig Schergen retten. Doch kann dieser Titel tatsächlich in die Fußstapfen seiner Vorbilder treten oder verblasst der Stern so schnell, wie er gekommen ist?
Ich habe mir das Spiel genauer angeschaut und verrate euch im nachfolgenden Test, wie sich der Titel geschlagen hat.
Stoppt die Machenschaften von Hans Kammler
Das Spiel beginnt, wie es so üblich ist, mit einer Videosequenz. Darin sieht man, wie einige Wissenschaftler versuchten den Energiebedarf Europas zu decken und einen Stoff namens Geiststoff entwickelten. Dieser konnte den nötigen Energiebedarf decken, jedoch entpuppte er sich als äußerst gefährlich, weshalb die Forschergruppe entschied, diese Materie nicht zu veröffentlichen – bis auf Einen!
© ArtificerDer Wissenschaftler Hans Kammler sah das Potential die Weltordnung ins Wanken zu bringen und schloss sich im Zweiten Weltkrieg den Nationalsozialisten an. Die Macht des Geiststoffs sollte genutzt werden, um den Krieg zu entscheiden und letztlich eine noch größere Katastrophe herbeizuführen.
Es ist außer Frage, dass dieses Vorhaben gestoppt werden musste. Und so schloss sich ein ungewöhnliches Team aus Wissenschaftlern, Spezialisten und Außenseitern unter dem Decknamen Enigma Squad zusammen. Jeder von ihnen besitzt einzigartige Fähigkeiten, welche von Chemie über mentale Fähigkeiten bis hin zu übernatürlichen Kräften reicht. Gemeinsam treten sie geheime Missionen an, um das NS-Regime zu sabotieren, dessen gefährlichste Projekte zu stoppen und Hans Kammler in seine Schranken zu weisen.
© ArtificerSo reist man im Laufe des Spiels durch verschiedene Schauplätze und deckt immer neue Facetten der Verschwörung auf. Dabei bleibt die Handlung bewusst „trashig“ und abenteuerlich, anstatt auf historische Korrektheit zu setzen. Der Fokus liegt deutlich auf den Charakteren und deren Dynamik, was dem Spiel seine Spannung verleiht. Im Endeffekt werden sich alle freuen, die es mit geschichtlichen Eckpfeilern nicht zu genau nehmen und den Unterhaltungsfaktor deutlich priorisieren.
Das Enigma Squad stellt sich vor
Das Team besteht aus sechs Hauptcharakteren, welche auch komplett spielbar sind. Daher vermutlich auch der Spieltitel Sumerian Six. Damit ihr einen besseren Blick in das Spiel erhaltet, möchte ich euch kurz die einzelnen Charaktere vorstellen.
Mehr oder weniger der Kopf der Truppe ist Sid Sterling. Er ist der „Allrounder“ des Teams und mit Pistole und Messer unterwegs. Eine seiner Spezialfähigkeiten ist ein „Dash“. Mit dieser Fähigkeit könnt ihr euch über größere Distanz von Gegnern befreien oder den rettenden Sprung in ein Gebüsch bewältigen.
Auf Sid folgenden seine Schwester (Isabella Sterling) und sein Vater (Alistair Sterling). Die Schwester arbeitet als Spionin in den Reihen des Feindes. Sie kann sich kurzzeitig unsichtbar machen und die Position mit Gegnern tauschen. Beim Positionstausch wird sie allerdings selbst für kurze Zeit außer Gefecht gesetzt. Papa Sterling handiert mit Elektrizität und schleudert bspw. einen Kettenblitz auf seine Feinde. Zusätzlich hat er noch das ein oder andere Werkzeug in der Tasche.
© ArtificerMit Rosa Reznick würde ich mich nicht anlegen wollen, da sie als Chemikerin mit hoch ätzenden Substanzen unterwegs ist. Steht euch ein Scherge im Weg, kein Problem, er wird einfach aufgelöst. Gepaart mit den Zeitbomben ist Rosa eine unangenehme Persönlichkeit für jeden Kontrahenten.
© ArtificerFalls ihr Angst vor Geistern habt, solltet ihr euch nicht in die Nähe von Siegfried von Adelsberg begeben. Er kann sich in eine Art Geist verwandeln und Wachen so erschrecken, dass sie in Panik geraten und davonlaufen. Kommt man dann nicht hinterher, wird der Seelenbolzen klar gemacht und trifft auf sehr große Entfernung dennoch sein Ziel.
Last but not least fehlt nur noch Wojtek. Er wurde verflucht und wenn ich es richtig verstanden habe, dem Geiststoff ausgesetzt, sodass er sich in einen Werbären verwandeln kann. Das ähnelt den Figuren von Mr. Jekyll und Mr. Hyde. Er kann sich auch mit den fiesesten Gegnertypen anlegen und scheut keine Konfrontation. Falls es ausschließlich mal mit der Brechstange gehen soll – herzlich Willkommen Wojtek.
© ArtificerEingangs wurde bereits angedeutet, dass Sumerian Six nicht gänzlich auf Realität basiert, sondern eher auf Unterhaltung – mit den Eigenschaften und Fähigkeiten ist der Beweis erbracht. Die Ideen sind zwar nicht komplett neu, spielen sich aber im Gesamtgefüge sehr angenehm. Jeder Charakter zeigt deutliche Stärken und Schwächen in den jeweiligen Situationen, sodass man mit einem Charakter das Spiel nicht dominieren kann. So ist stets eine Kombination aller notwendig. Und trotzdem werden einige Abschnitte die grauen Zellen zum Glühen bringen. An manchen Stellen ist es sogar notwendig, das „Planungstool“ zu verwenden. Mit diesem kann man seinen Mitstreitern vorab Befehle erteilen, welche im Anschluss zeitlich abgewickelt werden.
Gegnertypen sorgen für Abwechslung
In jedem Taktik-Stealth-Spiel stehen und bewegen sich die Gegner so, dass sich deren Sichtfelder überlappen. Als Spieler gilt es diese Kombinationen zu umspielen und einen KI-Schergen nach dem anderen aus der Situation zu entfernen, um letztlich in der Mission voranzuschreiten. Dieses Spielprinzip sollte den meisten Interessenten klar sein, sodass ich dieses nicht weiter erläutern brauche.
Abhängig von Erfolg oder Misserfolg sind meiner Ansicht nach die eingebauten Gegnertypen. Ein Spiel bestehend aus lediglich Standardgegnern wird schnell langweilig. Die Entwickler von Artificer haben aber gute Arbeit geleistet und eine solide Anzahl an Feinden implementiert. So lassen sich Offiziere – wie üblich – nicht von Ablenkungen beeindrucken und halten ihre Stellung. Gepanzerte Einheiten sind verständlicherweise schwer zu knacken und benötigen mehrere Angriffe. Geister und Dämonen stellen den Spieler dann so richtig auf die Probe. Geister sind über eine Apparatur mit Geiststoff verbunden und teleportieren sich über größere Bereiche. Dämonen hingegen sind nicht nur dicke Brocken, sie können sogar durch Wände sehen. Ein Verstecken ist gegen sie also nutzlos. Ohne die richtige Strategie kommt man gegen diese Monstrositäten wirklich nicht weit.
© ArtificerDie Missionen & Karten
Neben den Gegnerkategorien spielen auch die Karten eine wichtige Rolle. Sie müssen genau durchdacht sein und verschiedene Vorgehensweisen der Spieler ermöglichen. Diesem Spiel kann man das durchaus unterstellen. Die Karten bieten stets eine oder mehrere Lösungsmöglichkeiten auch in dem Falle, dass ein Abschnitt unmöglich erscheint. Gleichzeitig sind sie recht detailreich und dem Szenario angemessen. Man findet immer mal eine Kiste, die man auf einen gepanzerten Gegner fallen lassen kann. Trümmer, Gebäude, Uniformen usw. unterstützen die Thematik des Spiels ebenfalls.
© ArtificerSehr erfrischend wirken nicht nur die Apparaturen der Geister, sondern auch die Maschinen, in dessen Umfeld man seine Fähigkeiten nicht mehr einsetzen kann. Vor allem in diesen Bereichen kommt es auf eine gute Planung an. Neben diesen Maschinen gibt es auch noch holographische Barrieren, die man nur durchschreiten kann, wenn sie blau leuchten. An solchen Stellen wird man meist gezwungen, den unangenehmeren Weg einzulegen.
© ArtificerWas mir sehr gut gefällt, ist das Briefing direkt auf der Spielwelt darzustellen. Man sieht die Karte aus der Vogelperspektive und bekommt darauf die Erklärungen mit Pfeilen präsentiert. Auch das ist nicht neu, umgeht aber ein eventuell lästiges Menü.
© ArtificerDie Missionen selbst sind grundsätzlich so gestaltet, dass man sich über die gesamte Karte spielen muss. Ein frühzeitiges Ende oder eine sich plötzlich ändernde Situation, welche die Karte grundlegend verändert, kam mir bislang nicht zu Gesicht. Bekommt man also die Karte in der Draufsicht präsentiert, weiß man nicht nur durch das Briefing, was auf einen zukommt.
Hier könnten diverse Entscheidungen gern auch mal den Missionsverlauf auf den Kopf stellen – besonders in einem Szenario, dass sich nicht allzu ernst nimmt. Und so ist das Missionsdesign eher solide. Man schnetzelt sich von A nach B, um durch eine Sequenz auf der nächsten Map zu landen. Ab und an benötigt man mal eine Schlüsselkarte, um ein Tor zu öffnen, aber krasse neue Innovationen sollte man meiner Meinung nach nicht erwarten.
Technische Aspekte
Die Grafik macht schon etwas her und ist eine Mischung aus einem realistischen und comicartigen Stil. Sumerian Six reiht sich also nahtlos an seine Konkurrenten ein und steht ihnen grafisch in nichts nach. Auch auf der Konsole kann man mit der Steuerung prima leben. Die Tastenkombinationen weichen von denen der Konkurrenz ebenfalls nicht groß ab. Das Ergebnis ist ein gewohntes Spielgefühl.
© ArtificerBei aller Freude am Werk von Artificer gibt es dennoch etwas zu kritisieren. Auf manchen Karten findet man an Häusern Ecken, in denen man sich gern verstecken würde, da der Sichtkegel dort nicht hingelangt. Trotz der offensichtlichen freien Fläche ist dort eine unsichtbare Wand, welche man nicht durchdringen kann. Das könnte zur Folge haben, in heiklen Momenten doch entdeckt zu werden. Im Endeffekt bedeutet das, dass alle klar zugänglichen Wege auch begehbar sein sollten. Das muss ein Spiel in der heutigen Zeit einfach ermöglichen. Des Weiteren hatte ich das Problem, dass Kreise oder Radien von Fähigkeiten an Objekten hängenblieben. Ein Beispiel hierzu. Ich versteckte mich hinter einer Mauer und wollte eine Flasche (Fähigkeit) über die Mauer werfen, um den Gegner abzulenken. Als ich die Fähigkeit anwählte und den Bereich hinter der Mauer festlegen wollte, blockierte der Kegel an jener Mauer. Dieser Fehler kommt im Spielverlauf sehr häufig vor und sollte unbedingt bearbeitet werden. Oftmals sind schnelle Reaktionen nötig oder kleine Zeitfenster vorhanden, sobald eine Fähigkeit blockiert wird, könnte dies zur Wiederholung des Abschnittes führen.
© ArtificerGanz verrückt wird es in den Momenten, wenn man sich den Sichtkegel einer gegnerischen Person anzeigen lässt und dadurch signalisiert wird, dass man an ihr vorbeikommt ohne entdeckt zu werden. Macht man sich dann auf den Weg und wiegt sich in Sicherheit, springt der Sichtkegel ganz plötzlich auf den eigenen Charakter und Alarm wird ausgelöst. Es scheinen an dieser Stelle der Bewegungsradius mancher Sichtkegel nicht richtig zu funktionieren. Auch hier sollten die Entwickler nachbessern.
© ArtificerApropos Alarm. Diesen auszulösen erscheint oftmals unproblematisch, da ein Absuchen des Gebiets sehr begrenzt bleibt. Wachen durchsuchen bspw. keine Räume oder Büsche. So ist es bei mir vorgekommen, dass ich in einem Gebäude positioniert war, der Alarm anging und eine Wache durch das Gebäude lief, ohne meinen Charakter zu entdecken. Das geht in so einem Spiel nicht und die Konkurrenz macht das deutlich besser.
© ArtificerAbschließend habe ich noch ein persönliches Problem. Das betrifft wirklich nur mich selbst und wird dem Spiel in der Bewertung nicht negativ angekreidet. Mich nervt die Textausgabe. Die Sprecher sind grundsätzlich super, verwenden aber die „Denglische“ Sprache. Das Spiel wird allgemein mit der englischen Sprache vertont, aber bestimmte deutsche Begriffe, wie „Geiststoff“ werden nicht ins englische übersetzt. Dann lieber komplett in Englisch oder Deutsch vertonen.
In diesem Zusammenhang kann ich Gesprächen zwischen den Charakteren nur schwer folgen, da diese oft in Situationen starten, in denen ich mit meinem Charakter schnell von einer Häuserecke zur nächsten renne, um nicht gesehen zu werden. Ich lese die Untertitel bei englischer Sprache immer mit und kann mich dann nicht auf beides konzentrieren. Sobald ich in Deckung bin, ist das Gespräch vorbei oder ich habe nur die Hälfte mitbekommen. Das erschwert mir die Verbindung mit den Hauptfiguren und das Verständnis der Story.
Fazit 8/10
Sumerian Six überzeugt vor allem dort, wo es für Fans taktischer Stealth-Spiele am wichtigsten ist: beim durchdachten Gameplay. Die abwechslungsreichen Fähigkeiten der einzelnen Charaktere greifen sinnvoll ineinander und eröffnen viele kreative Lösungswege, während die unterschiedlichen Gegnertypen stets für neue Herausforderungen sorgen. Unterstützt wird das Ganze von einer schönen Grafik und detailreichen Karten.
Ganz ohne Makel kommt das Spiel jedoch nicht aus. Immer wieder trüben kleinere technische Fehler den Spielfluss – nichts, was das Erlebnis komplett ruiniert, aber doch genug, um den Gesamteindruck leicht zu schmälern.
Unterm Strich bleibt dennoch ein gelungenes Taktik-Abenteuer, das mit seiner Mischung aus Stealth, Strategie und ungewöhnlichem Setting überzeugt. Wer über die kleinen Schwächen hinwegsehen kann, bekommt hier ein durchdachtes und motivierendes Spielerlebnis.

Flo ist ein Spieler durch und durch. Egal, ob Karten-, Brettspiele oder Spiele in der digitalen Welt – alle sind ihm heimisch. Seine Anfänge machte er mit dem damaligen Spiel „Hugo“ oder der blauen Edition auf dem Gameboy Color. Im Jugendalter widmete er sich neben seinem sportlichen Ausgleich dem Strategiegenre, weshalb „Age of Empires 2“ oder die „Total War“-Reihe immer noch zu seinen Lieblingsspielen zählen.
Neben diversen Strategiespielen ist er auch ein großer Freund von sämtlichen kooperativen Games. Aus diesem Grund zählen wohl „7 Days to Die“ und „Dead by Daylight“ zu den am meisten gespielten Spielen überhaupt. In diesem beiden Titeln kann und konnte er auf beste Unterstützung von Maik und Gunter zählen.
Wichtig ist allerdings, dass die Spiele eine Crossplay-Funktion besitzen, da er vorwiegend auf der Playstation unterwegs ist. Der PC und die Nintendo Switch befinden sich aber auch in seinem Repertoire.
