Kirby Air Riders

Mehr als 20 Jahre hat es gedauert, bis Kirbys erster Ausflug ins Rennspielgenre einen Nachfolger erhalten hat. Bereits auf der gamescom 2025 konnten wir Hand an eine Demoversion von Kirby Air Riders legen und schon damals hatte ich Spaß. Letztlich war ich mir aber nicht sicher, ob der lange anhalten würde. Jetzt habe ich Kirby Air Riders auf der Nintendo Switch 2 getestet und bin mehrfach überrascht.

Kirby Air Riders ist ein Fun Racer, der keiner sein will.

Kirby Air Riders macht von Anfang an deutlich, dass es gar nicht erst versucht, in Nintendo-interne Konkurrenz zu Mario Kart World zu treten. Für das Spiel zeichnet der Super Smash Bros. Direktor Masahiro Sakurai verantwortlich und wirklich jede Ecke des Spiels trägt seine Handschrift. Das fängt bei der optischen Gestaltung an, geht beim Belohnungssystem weiter und gipfelt im wahnwitzigen Gameplay.

Air Riders steuert sich komplett anders als klassische Fun Racer. Gas geben unsere Fahrzeuge automatisch, wir lenken lediglich in die Kurven. Darüber hinaus gibt es streng genommen nur noch eine Taste von Relevanz. Das können nach Wahl die A-, B- oder X-Taste sein. Mit dieser laden wir einen Boost auf und driften währenddessen gleichzeitig in Kurven. Ist die Leiste voll, gibt’s beim Loslassen einen starken Schub nach vorne. Während des Aufladens bremst unser Fahrzeug jedoch ab, sodass der Einsatz gut überlegt sein will.

Kirby Air Riders Rennen auf Dreamland Strecke© Nintendo
Kirby Air Riders ist wesentlich tempogeladener als Mario Kart World und teils noch chaotischer.

Zugleich können wir beim Aufladen auch Monster auf der Strecke einsaugen (auch andere Rider als Kirby) und sie auf unsere Kontrahenten schießen bzw. ihre Spezialpower übernehmen. Fahren wir nah genug an Gegner heran oder wackeln mit dem Stick, können wir diese dann angreifen und verlangsamen bzw. uns selbst beschleunigen. Mit der Y-Taste können wir auch eine krachende Rider-Spezialfähigkeit einsetzen. Man merkt es vielleicht schon: trotz wirklich simpelster Steuerung werden hier einige Systeme mit viel wenn und aber untergebracht. Verbunden mit dem teils halsbrecherischen Tempo wird’s da schon mal echt chaotisch auf dem Bildschirm.

Kirby Air Riders Spezialattacke mit dem Schwert© Nintendo
Die Spezialattacken sind richtig wuchtig in Szene gesetzt.

Tempo-Spaß wie eine Snacktüte

Das kleinteilige Tutorial macht es zum Glück einfach, die einzelnen Bausteine des Gameplays zu lernen und schon nach wenigen Versuchen hat man den Dreh in etwa raus. Dann macht Kirby Air Riders auch eine Menge Spaß. Das liegt nicht zuletzt an den super vielen verschiedenen Spielvarianten. Neben dem klassischen Rennen gibt es zum Beispiel Rennen aus der Vogelperspektive, einen Dart-ähnlichen Modus, indem wir auf Zielscheiben springen/fliegen oder einen Modus, in dem wir von oben durch Ringe springen. Das geht weiter über Weitflug-Herausforderungen oder waschechte Destruction Derbys in einer Arena und, und, und…

All diese „Rennen“ dauern selten länger als ein bis zwei Minuten. Das ist zwar super kurzweilig, aber auch etwas schade. Denn meist ist der Spaß schon vorbei, wenn’s gerade richtig zur Sache geht. Etwas länger dauert der neue City Trial-Modus, in dem wir über eine Map fahren und Power-Ups einsammeln, um im Zeitlimit möglichst stark zu werden. Dabei stören wir unsere Gegner beim Selbigen. Wir können sie auch von ihren Maschinen kicken und sie uns selbst schnappen. Anschließend wird eine von vier Herausforderungen gewählt, in der wir unsere gewonnen Stärke beweisen müssen. Die sollten wir natürlich je nach Statuswerten und Maschine auswählen, entschieden wird per Abstimmung.

Kirby Air Riders Kirby läuft auf einer Wiese und sucht nach einer Maschine© Nintendo
Ist unsere Maschine zu stark beschädigt, geht es zu Fuß weiter und wir suchen uns eine neue.

Der Story-Modus: Ab auf den Road Trip!

Alle diese Modi versammeln sich im Road Trip-Modus; quasi der Singleplayer-Kampagne von Kirby Air Riders. Hier fahren wir einen Highway entlang und wählen regelmäßig zwischen drei verschiedenen Herausforderungen. Je nachdem, welche Wege wir eingeschlagen haben, wird der Roadtrip in einer anderen Welt fortgesetzt. Das sorgt für Wiederspielwert. Zudem gibt’s immer wieder kleine Filmsequenzen, die die tragische Geschichte der lebenden Maschine Zorah erzählen.

Kirby Air Riders Auswahl einer Herausforderung im Road Trip Modus© Nintendo
Manche Herausforderungen lassen sich beim ersten Durchlauf kaum oder nur mit bestimmten Maschinen bewältigen. Das kann in seltenen Fällen leicht frustrieren.

Der Road Trip-Modus weiß damit auf jeden Fall etwas besser zu motivieren, als es etwa Mario Kart tut. Trotzdem finde ich persönlich denselben Kritikpunkt, wie schon bei Donkey Kong Bananza oder Mario Odyssey: Die vielen kurzen, schnell aufeinanderfolgenden Herausforderungen halten zwar bei der Stange, weil sie uns mit Dopamin zuballern, fühlen sich aber hinterher auch irgendwie wertfrei an.

Riesengepäck und viel zum Tüfteln

Dem versucht Kirby Air Riders mit einer unheimlichen Menge an freischaltbaren Extras entgegenzuwirken. Wie schon bei Smash Bros. haben wir für jeden Modus eine Mosaiktafel, bei der jedes Teilchen für eine (geheime) Aufgabe steht. Wird sie im Modus erfüllt, wird das Mosaik aufgedeckt, die Aufgaben der Nachbarteile werden klar und wir bekommen eine Belohnung. Das kann ein neuer Rider, eine neue Maschine oder auch nur eine Kleinigkeit sein. Etwa neue Kleidung für unsere Rider oder Modifikationen für unsere Maschinen, sowie Sticker oder Titel für unsere Online-Visitenkarten.

Kirby Air Riders Belohnungsmosaik mit ein paar ausgefüllten Feldern© Nintendo
Hier sehen wir, mit welchen Aktionen wir welches Extra freigeschaltet haben und welche Aktionen für die Nachbarfelder nötig sind.

Bei Kirby Air Riders haben wir nämlich eine ganze Menge Möglichkeiten, um unsere Erfahrung nach unseren Wünschen anzupassen. Das bleibt zwar strikt kosmetisch, macht aber trotzdem durchaus Laune. Auch deshalb, weil wir viele verschiedene Möglichkeiten haben, diese unterm Strich aber trotzdem angenehm schlicht und leicht zu handhaben sind.

Technisch leider keine Maschine

Optisch zieht Kirby Air Riders auf der Switch 2 definitiv den meisten anderen Spielen hinterher. Zwar ist alles kunterbunt und die Strecken bieten oftmals bewegte Hingucker wie ausbrechende Vulkane oder reißende Geysire. Aufgrund der krassen Detailarmut und billigen Texturen kann ich der Grafik trotzdem kein Fleißbienchen geben.

Dennoch sieht Kirby unterm Strich nicht allzu schlecht aus, noch mehr Effekte wären der Übersicht vermutlich auch der Nagel im Sarg gewesen. Trotzdem müsste da auf der Switch 2 mehr drin sein. Auch soundtechnisch bleibt Kirby Air Riders zwar solide, aber reißt auch keine Bäume aus. Viele Sounds klingen auch, als wären sie direkt aus Smash Bros. Ultimate übernommen worden. Was bleibt, ist eine stromlinienförmige Erfahrung, bei der ich persönlich mir aber etwas mehr Identität gewünscht hätte.

Kirby Air Riders Grindschiene© Nintendo
An der Detailarmen Grafik kann man sich dank des hohen Tempos kaum stören.

Fazit: 08/10

Kirby Air Riders ist nicht das Spiel, dass ich erwartet habe. Es ist schneller, mehr auf Kampf und Krawall gebürstet und mit wesentlich vielseitigerem Gameplay ausgestattet. Statt einfach nur einen Cup nach dem nächsten abzuarbeiten, bekommen wir hier eine Spielewiese mit endlos vielen Sandkästen, alle mit verschiedenen Spielsachen. Das Beste: Egal, was wir tun – wir bekommen immer noch mehr Spielzeug nachgeworfen! Ob Single- oder Multiplayer: Kirby Air Riders macht immer Spaß!

Das eigenwillige Gameplay wird aber auch schnell dermaßen chaotisch, das integer Wettbewerb verwässert wird. Dadurch haben zwar Anfänger schnell mal ein Erfolgserlebnis, man hat aber auch selten das Gefühl, das Spiel wirklich „zu können“. Das muss man mögen, sonst ist Air Riders nicht Euer Spiel. Auch sind die Modi abseits vom City Trial für mich einfach zu schnell vorbei, um sich gehaltvoll anzufühlen. Das ist vielleicht aber auch einfach nur meine Art, gegen den Zeitgeist zu rebellieren. Eine schnelle Runde zwischendurch ist dafür aber immer drin. Dass Kirby technisch seiner Zeit hinterher hingt, verzeiht man ihm hingegen leicht. Denn letztlich ist Air Riders erfrischend anders und bietet viel Inhalt!

*Loot_Lab ist Mitglied des Affiliate-Programms Amazon PartnerNet. Für jeden Kauf über einen unserer Links erhalten wir eine Provision. Zusätzliche Kosten entstehen dabei nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert