Streng genommen haben sich die Remake-Spezialisten von Bloober Team mit dem sperrigen Namen „Layers of Fear: The Final Masterpiece Edition“ keinen großen Gefallen getan. Denn dieser wird den ganzen Inhalten, die im Soft-Remake des Horror-Insidertipps drinstecken, kaum gerecht. Nicht nur ist Layers of Fear inklusive allen DLCs und Zusatzkapiteln enthalten, sondern auch sämtliche Inhalte aus Layers of Fear 2. Trotzdem trifft es der Begriff „Masterpiece Edition“ inhaltlich dann doch ganz gut. Denn meisterlich ist dieser schaurige Ritt zweifellos.
Layers of Fear: Eine Ode an Furcht und Wahnsinn
Aber worum geht’s in Layers of Fear überhaupt? Im Kern spielen wir hier einen Walking-Simulator im Horror-Setting. Das heißt, dass wir Gameplay technisch außer laufen, Türen und Schubladen öffnen oder Gegenstände untersuchen nicht viel tun. So streunen wir durch ein vermodertes Herrenhaus und erleben den steten und tragischen Zerfall einer Künstlerfamilie. Das Hauptspiel folgt dem Vater, einem Maler, während die DLCs die Mutter und Tochter beleuchten.
Durch die visuelle Präsentation dringen wir dabei tief in die Psyche unserer Protagonisten ein. In Layers of Fear 2 hingegen begleiten wir die Produktion eines Horrorfilms als Schauspieler oder Regisseur. Zusammengehalten wird alles durch die Geschichte einer Schriftstellerin, die in einem unheimlichen Leuchtturm ihr neuestes Skript schreibt.
Auch wenn das Gameplay an sich überwiegend sehr unaufgeregt ist, erschafft Layers of Fear durch ein paar Kniffe eine wirklich packende und schaurige Atmosphäre, die zum Schneiden ist. So wie unsere Protagonisten dem Wahnsinn verfallen, können auch wir niemals unseren Augen trauen. Hier wird echter Grusel geliefert, wie ich ihn persönlich am liebsten habe. Ich will gar nicht zu viel verraten, denn das würde nur die Wirkung mindern. Es wird echtes Unbehagen erzeugt und nicht einfach nur auf Ekel oder plumpe Jumpscares gebaut.
Daran haben auch die schicke Grafik und vor allem die fantastische Lichtstimmung ihren deutlichen Anteil. Ich empfehle zwar, das Spiel im Sinne der Spielbarkeit etwas heller zu stellen, aber auch dann bleibts immer noch schaurig. Auch das Sounddesign ist meisterlich. Musik bleibt stets sehr reduziert und wir horchen stets angespannt auf jedes Knarzen, Poltern und Quieken. Auch wenn sich die Formel auf Dauer ein wenig abnutzt, stellen sich gerade in den ersten Stunden regelmäßig die Nackenhaare auf. Auch die gesprochenen Passagen sind wunderbar (auf Englisch mit deutschen Untertiteln) vertont.
Auf der Switch 2 bringt Layers of Fear verschiedene Steuerungsmöglichkeiten mit. Wir können klassisch mit Controller oder Joy-Cons steuern. Das ist zwar etwas langsam und sperrig, weil wir etwa Türen oder Schubladen durch Greifen und Rückwärtslaufen öffnen, funktioniert aber sauber. Alternativ benutzen wir die Bewegungssteuerung oder Mausfunktion der Joy-Cons.
Die Bewegungssteuerung empfehle ich persönlich nicht. Sie ist unintuitiv, klobig und fügt dem Gameplay mit Controller kaum Sinnhaftes hinzu. Die Maussteuerung funktioniert hingegen ganz ordentlich. Allerdings ist sie dermaßen übersensibel, dass sie nur auf unterster Empfindlichkeitsstufe angenehm zu nutzen ist. Ansonsten zittert der Cursor als ob wir bei -20° Celsius zocken. Möchte es jemand noch langsamer, schaut man zwangsläufig in die Röhre.
Layers of Fear: Eine digitale Geisterbahn für alle Fälle
Layers of Fear spielt sich grundsätzlich wie auf Schienen. Allerdings schaffen es die Entwickler, die Umgebungen stets abwechslungsreich zu gestalten. Zudem sprüht das Spiel vor Ideen, um uns ein ums andere Mal Angst einzujagen oder zu erschrecken. Auch kleine Rätsel lockern das Spielgeschehen ab und an auf. In manchen Fällen können wir – für einen Walking Simulator unüblich – sogar sterben. Speicher- und Rücksetzpunkte sind jedoch sehr fair gesetzt, sodass quasi kein Frust aufkommt. Ich erinnere mich mit Schrecken an unseren Test von Silent Hill: The Short Message. Ähnliche Passagen sind hier wesentlich eleganter gelöst.
Die USK stuft Layers of Fear ab 16 Jahren ein. Falls Ihr furchtlose Teenager zuhause habt, könnt Ihr das Gruselkabinett aber auch mit leicht jüngeren Mitspieler*innen zusammen betreten. Da sich die Geschichte kryptisch über optische Illusionen, das Design des Hauses oder regelmäßig gefundene Dokumente nach und nach eröffnet, kann es richtig Spaß machen, gemeinsam darüber zu philosophieren, was den einzelnen Familienmitgliedern wohl zugestoßen sein mag und warum.
Das alles natürlich gepaart mit der gruseligen Stimmung, die zusammenschweißt. Da der Grusel eben nicht von expliziter, sondern „nur“ angedeuteter Gewalt und dem schaurigen Gemäuer herrührt, kann Layers of Fear ein guter Einstieg ins Horror-Genre sein. Unterschätzen solltet Ihr den Angstfaktor aber keineswegs!
Fazit: 08/10
Mein guter Freund Anton hat mir bereits vor einigen Jahren das originale Layers of Fear empfohlen. Umso neugieriger war ich nun, die Umsetzung auf Switch 2 zu testen. Dass es mich dann aber dermaßen fesseln würde, darauf war ich nicht vorbereitet. Layers of Fear bietet genau meine liebste Art von Horror. Dichte, wirklich gruselige Atmosphäre, die einem die Haare zu Berge stehen lässt und echte Angst macht. Einfach nur eklige Monster designen und viel Blut spritzen lassen oder plump erschrecken, ist meiner Meinung nach keine große Kunst.
Das ganze bietet hier jedoch die Bühne für eine wirklich tragische und berührende Geschichte, die zu entwirren Teil der Spielerfahrung ist. Verpackt in leicht verdauliche Häppchen, kann man Layers of Fear immer mal wieder anschmeißen, wenn es Zeit für eine gute Geistergeschichte wird. Dank dem großzügig geschnürten Paket, ist man dank massig Inhalten auch eine ganze Weile beschäftigt.
Abzug gibt’s leider in der B-Note, denn am Ende haben wir es hier eben doch mit einem Walking Simulator zu tun. Das reine Gameplay ist daher weder spektakulär noch fordernd oder actionreich. Zudem nutzt sich auch die Gruselstimmung nach einer Weile ab, sobald man das Spiel einigermaßen durchschaut hat. Auch die Angst, von Gegnern geschnappt zu werden, verliert sich irgendwann. Dazu gesellen sich vereinzelt leichte Macken wie Textfehler. Ob Ihr also Spaß mit Layers of Fear haben könnt, hängt letztlich stark damit zusammen, ob Ihr Lust auf die tragische, ja geradezu nihilistische Geschichte habt.
Spielte Videospiele, noch bevor er Fahrrad fahren konnte. Hat als einer der letzten Zivis den Gedanken an ein Medizinstudium verworfen und stattdessen „irgendwas mit Medien“ in der Weltmetropole Ilmenau im beschaulichen Thüringer Wald studiert. Über das Campus-TV schließlich den Weg eines (Video-) Redakteurs eingeschlagen und 4 Jahre lang im Esports-Bereich gearbeitet. Weil es ihm aber beim Thema Gaming und anderer medialer Unterhaltungskunst immer noch 24/7 in den Fingern juckt, gibt es jetzt, wann immer es die Freizeit zulässt, Reviews und Previews von ihm.