Fur Squadron Phoenix

Fur Squadron Phoenix Titelbild

Auch wenn das Genre der „Bullet Hell Shooter“ seit einiger Zeit in verschiedener Form eine Renaissance erfährt: Klassische Rail-Shooter fristen spätestens seit der vergangenen Konsolengeneration ein absolutes Nischendasein. Vor allem Fans von Nintendos beliebter Star Fox Reihe dursten seit 20 Jahren vor sich hin. Das kleine Studio Raptor Claw aus dem spanischen Sevilla will dieser Klientel zu Hilfe eilen. Ob FUR Squadron Phoenix den lange gewachsenen Durst stillen kann, habe ich mir als selbst großer Star Fox Fan seit Lylat Wars, genauer angeschaut.

Gleiches Wasser aus billigeren Schläuchen

Um alle abzuholen, die Star Fox vielleicht gar nicht oder nicht mehr kennen: Worum geht es in FUR Squadron Phoenix überhaupt? Das Weltraum-Rotkehlchen Robin, Pilot einer Kampfstaffel, verliert bei einem tragischen Einsatz in einem Hinterhalt sein komplettes Team. Er selbst kommt nur knapp mit dem Leben davon. Ob seines Versagens wird ihm die Pilotenlizenz vorerst entzogen und er wird Zwecks Rehabilitation der fast schon legendären FUR Squadron als Azubi zugeteilt. In verschiedenen Trainingsszenarien muss Robin nun das Vertrauen seiner Armeeführung und vor allem sein eigenes zurückgewinnen.

Fur Squadron Phoenix Dialog von Robin und Blaze© Raptor Claw
Die Dialoge finden mittels Standbildern und Text statt.

Das Doppelgänger-Dilemma

Von Sekunde eins an fallen die Parallelen zu Star Fox auf. Die Crew des FUR Squadron wirkt wie ein Abziehbild von Fox McCloud und seiner Staffel. Anführer Fox wird dann eben durch den Waschbären Blaze ersetzt, Mechanikerfrosch Slippy ist hier ein Axolotl namens – aufgepasst– Axel und der edgy Papagei Falco findet sein Gegenstück im distanzierten Wolf Kiro. Art und Verhalten sind exakt wie die Ihrer Vorbilder. Die Handlung bedient sich ebenfalls vieler Motive der offensichtlichen Vorlage und bleibt sehr seicht. Auch wenn die Geschichte der meisten Star Fox Spiele ebenfalls auf einen Bierdeckel passt, wäre etwas mehr Originalität dann doch wünschenswert gewesen.

Dafür kann man der Crew einen gewissen Charme nicht absprechen. Trotzdem bleiben die Dialoge nur Beiwerk und ziemlich belanglos. Ebenfalls Abgeschaut ist der Stil der Vertonung. Alle Figuren reden in einem erfundenen Kauderwelsch. Lustigerweise werden ein paar wenige Begriffe dann tatsächlich Textgetreu wiedergegeben. Auch wenn man die Liebe von Raptor Claw zur Inspirationsquelle deutlich spüren kann: hier fehlt irgendwie die gewisse Klasse, die FUR Squadron zu mehr als einem Star Fox Abklatsch machen könnte. Das zieht sich leider durch alle Aspekte des Spiels.

Fur Squadron Phoenix Briefing in der Lavawelt© Raptor Claw
Wie bei Star Fox gibt es vor und nach jedem Level einen kleinen Plausch mit der Crew. Natürlich hängen sie uns auch während der Mission in den Ohren.

Spaßige Schießereien wieder aufgewärmt

Denn auch das eigentliche Gameplay bedient sich exakt der Vorlage. Das fängt bei der identischen Steuerung an. Wir fliegen wie auf Schienen durch verschiedene Level und schießen Feinde mit unserem Laser aus dem Orbit. Halten wir die Schusstaste gedrückt, laden wir einen Verfolger-Schuss auf. Mit den Schultertasten legen wir uns auf die Seite oder machen eine Fassrolle, die Schüsse abwehren kann. Dazu kommt eine Superbombe, von der wir aber nur begrenzt Gebrauch machen können. FUR Squadron Phoenix fühlt sich wirklich fast exakt wie ein Lylat Wars an.

Weiter geht’s mit den Leveln, die ebenfalls geradezu dreist viel kopieren. Manche Abschnitte sind tatsächlich mit bestimmten Passagen aus Lylat Wars nahezu identisch. Selbst das Unterwasserlevel mit dem ikonischen U-Boot wird bei FUR Squadron verwurstet. Auch das Bossdesign und ihre Schwachstellen hat man alle schon einmal gesehen, wenn man sich im Genre ein bisschen auskennt. Das Spiel kommt dabei in einem stark stilisierten Low-Poly-Look daher, der zwar nicht per se hässlich ist, aber auch nicht großartig begeistern kann.

Fur Squadron Phoenix U-Boot© Raptor Claw
Auch unter Wasser finden sich viele alte Bekannte.

Dass das immer noch Spaß macht, lässt sich nicht leugnen. Trotzdem fehlt auch hier die Raffinesse, um wirklich begeistern zu können. Was vielleicht als Fanservice gedacht ist, hat bei mir meist eher für Augenrollen gesorgt. Dafür läuft alles super flüssig auf der Switch 2. Sofern man im Menü die FPS-Lock ausschaltet (WARUM, auf einer Konsole?!).

Neue Soße drauf, aber schmeckt die?

Ein paar eigene Akzente will FUR Squadron dann aber doch setzen. Zum Beispiel schalten wir im Spielverlauf neben der Superbombe noch drei weitere Superangriffe frei, zwischen denen wir per Steuerkreuz wechseln können. Weiterhin gibt es einen Overdrive Modus, der die Zeit verlangsamt, unseren Schaden erhöht und unseren Schild wieder auflädt.

Den Overdrive Modus verstärken wir, indem wir mit kleinen Miniaufgaben in den Leveln (z.B. durch eine Reihe von Ringen fliegen) die Beziehung zu unseren Crewmitgliedern verbessern. Zudem können wir mit unseren gesammelten Punkten zwischen den Leveln unser Schiff aufwerten. Sowohl Laser, Schild, Wendigkeit als auch unsere Superangriffe lassen sich in mehreren Stufen aufwerten.

Fur Squadron Phoenix Level-Up Bildschirm© Raptor Claw
Das Mod-Feature mag zunächst als coole Neuheit daherkommen, stellt sich aber mittelfristig eher als witzlos bis lästig heraus.

So richtig zünden will das Auflevel-Feature aber nicht. Das liegt vor allem daran, dass unsere Schiffstärke als künstlicher Flaschenhals für den Spielfortschritt herhalten muss. Wir können noch so gut spielen: Früher oder später kommt der Punkt, an dem man einfach kaum noch Schaden an Gegnern anrichtet oder selbst extrem einstecken muss. Da hilft dann nur noch Leveln. Und zwar nicht durch launige Nebenquests oder alternative Routen, sondern durch das Wiederholen alter Level.

Das wirkt dann eher frustrierend und nervig. Wir können also unser Schiff nicht an unseren persönlichen Stil anpassen, sondern bekommen hier eine penetrante Pflichtaufgabe gestellt, die inspirationsloser Fleißarbeit verkommt. Zum Glück braucht es selten mehr als zwei Wiederholungen um das Schiff ausreichend zu verstärken.

Fur Squadron Phoenix Asteroidengürtel
Wenn wir Gegner nicht rechtzeitig erledigen können, dann liegt das leider nicht unbedingt an uns.

Fazit: 6/10

Mit Nostalgie und unbedienter Leidenschaft ist das immer so eine Sache: Man denkt oft, man hat die Lösung dafür, aber letztlich lässt sich das Gefühl eines guten Films oder Spiels beim ersten Durchlauf selten reproduzieren. FUR Squadron Phoenix will vor allem Lylat Wars Fans abholen. Macht das Spaß? Sicher! Aber hauptsächlich deshalb, weil eine Nische bedient wird, deren Fans so ausgehungert sind, dass sie alles nehmen würden! Doch schlussendlich ist man als Lylat Wars Fan mit dem Original immer noch besser bedient.

Das liegt vor allem daran, das FUR Squadron an vielen Stellen wirklich dreist klaut. Das wirkt dann oft unfreiwillig ideenlos, denn auch bei einer Verneigung vor einem Original kann man sich den Kopf stoßen. Denn coole Features (wie die offenen Dogfights), die Star Fox immer eine gewisse Würze gegeben haben, fehlen hier komplett. Zudem wollen die wenigen eigenen Ideen einfach nicht so recht zünden und bringen dem Spiel an sich keinen Mehrwert. Das Upgrade-Feature steht dem Spaß meiner Meinung nach sogar eher im Weg. Lediglich die weiteren Superangriffe bringen eine frische Brise ins Gameplay.

Dennoch ist das Gameplay an sich schnörkellos und bringt das Gefühl an alte Railshooter Zeiten für ein paar Stunden zurück. Da verzeiht man ggf. auch die extrem nüchterne Präsentation. Wer stark nach neuer Genrekost giert, der darf für 20€ durchaus zugreifen, sofern die Erwartungen entsprechend angesetzt werden. Alle anderen werfen Lylat Wars oder Star Fox Assault besser nochmal im Original ein.

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