WiZman’s World Re;Try

Es gibt diese Spiele, bei denen auf dem Papier alles passt: klassische JRPG-Struktur, Monster-Management, eine zerstörte Welt, die man langsam wieder aufbaut. Wizman’s World Re;Try für die Nintendo Switch bringt all das mit – und trotzdem blieb bei mir am Ende vor allem eines hängen: Ich war dabei, aber nie wirklich drin. Was es mit dieser Distanz auf sich hat, möchte ich gerne heute mit euch näher betrachten.

Wiederaufbau einer gefallen Welt und eines verlorenen Gedächtnis

Die Handlung spielt in Wizarest, einer isolierten Stadt, die seit über hundert Jahren von der Außenwelt abgeschnitten ist. Doch nicht nur die Verbindung zur Welt ist verloren gegangen – auch die Erinnerungen ihrer Bewohner sind verblasst. Niemand weiß mehr, wer er einst war oder was jenseits der Stadtgrenzen existiert. Wizarest ist dabei mehr als nur ein Zufluchtsort. Sie ist eine der letzten Bastionen einer Welt, die durch ein fehlgeschlagenes magisches Experiment ins Chaos gestürzt wurde. Natur, Magie und Kreaturen sind aus dem Gleichgewicht geraten, ganze Regionen wurden zerstört – und was geblieben ist, wirkt wie ein Schatten seiner selbst.

© Clear River Games
Lass uns die Reise beginnen!

Man selbst übernimmt die Rolle eines jungen Magiers, der von den Ältesten ausgesandt wird, um neue Gebiete zu erkunden, Monster zu bekämpfen, Materialien zu sammeln und die Welt Stück für Stück wiederherzustellen. Im Laufe des Spiels wird klar, dass die Katastrophe kein Zufall war, sondern auf die Hybris früherer Magier zurückgeht. Die Dungeons, die man bereist, sind Überreste dieser alten Welt – voller fehlgeschlagener Experimente und mutierter Kreaturen. Das Ziel ist letztlich, die Quelle dieser entgleisten Magie zu finden und zu beseitigen. Die Grundidee ist stark, fast schon melancholisch. Eine Stadt ohne Vergangenheit, gefangen in einem endlosen Kreislauf. Aber genau hier zeigt sich auch das größte Problem: Die Geschichte wird überwiegend über lange Dialoge und Erklärungen transportiert, statt durch Ereignisse oder Inszenierung. Ich habe selten das Gefühl gehabt, etwas wirklich zu erleben – eher, es erklärt zu bekommen.

Dungeons, Rückkehr, Wiederholung – die klassische JRPG-Schleife

Das Gameplay folgt einer klaren Struktur: Dungeons erkunden, Monster bekämpfen, Ressourcen sammeln, nach Wizarest zurückkehren, Team verbessern. Diese Schleife wiederholt sich konstant. Die Dungeons selbst funktionieren in ihrer Gestalt. Der Fokus wird hier ganz klar auf Kämpfe und Progression gesetzt, während Rätsel und Überraschungen nur wenig als Abwechslung genutzt wird. Das kann funktionieren – wenn der Spielfluss stimmt. Leider wird meiner Meinung nach das Spiel viel zu oft von Dialogen, Tutorials und Erklärungen unterbrochen. In der ersten Stunde hat es sich für mich sehr geführt angefühlt, als würde man anstelle zu spielen, wie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung durch die Welt geschoben wird.

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Schön übersichtlich für einen Kampf

Die Kämpfe sind klassisch rundenbasiert. Man stellt ein Team aus Monstern zusammen, die jeweil eigene Fähigkeiten, Elemente, Resistenzen und Rollen im Kampf haben. Dabei entscheiden die Statuswerte über die Reihenfolge im Kampf. Man hat die Auswahl zwischen Angriffen, Skills oder Items, wobei entscheidend ist, dass Schwächen ausgenutzt werden. Erst im späteren Verlauf sind Heilung und Buffs relevant, zum Teil auch spielentscheidend. Das System hat Tiefe, vor allem wenn man sich mit den Elementen und ihren Synergien beschäftigt. Unterschiedliche Monster ergänzen sich und können bestimmte Strategien verstärken. Aber viele der Kämpfe fühlen sich langsam und wenig spektakulär an. Gerade die Standardkämpfe beim Erkunden von Dungeons ziehen sich, ohne wirklich Spannung aufzubauen. Dabei fühlt es sich mehr nach Abarbeiten an, als nach Genuss.

Homunculi & Anima Fusion – das eigentliche Herzstück

Das interessanteste System im Spiel ist die Monster-Transformation. Nach Kämpfen erhält man Materialien und besiegte Monster können analysiert werden. Diese dienen als Grundlage für die sogenannte Homunculi – kleine, fast feenartige Begleiter, die an deiner Seite kämpfen. Dabe werden die besiegten Monster „absorbiert“, ihre Fähigkeiten, Werte und ihr Aussehen übernommen und als neue, individuelle Begleiter ins Team aufgenommen. Hier kann man sehr gut experimentieren, Builds bauen und effizientere Kombinationen für den weiteren Spielverlauf erwerben. Hier steckt eine große Motivation – zumindestens für eine Weile. Dabei wird hier viel auf Optimierung gesetzt, weniger auf das Sammeln- Allerdings wird auch hier viel erklärt und weniger gezeigt. Der Einstieg war für mich unnötig komplex und zu lang gezogen, bis ich wirklich hinter das System gestiegen bin.

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Wieso sind Elfen in Spielen immer so dargestellt?

Optisch bleibt das Spiel seinem Ursprung treu. Ein überarbeitetes 2D-Pixeldesign, das klar und sauber wirkt. Auch der Soundtrack wurde moderner arrangiert und erweitert. Beides wurde solide umgesetzt, aber es bleibt weniger wirklich hängen. Es unterstützt die Atmosphäre, mehr aber auch nicht.

Fazit: 05/10

Wizman’s World Re;Try hat viele gute Ansätze: eine interessante Welt, ein durchdachtes System zur Monsterentwicklung und klassische JRPG-Mechaniken. Aber für mich hat sich das alles nie zu einem wirklich fesselnden Erlebnis verbunden. Zu oft wurde ich aus dem Spielfluss gerissen, zu selten wirklich hineingezogen. Es ist ein Spiel, das man verstehen kann – aber nicht unbedingt fühlt. Für geduldige Retro-Fans vielleicht interessant.

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