Clean Up Earth

Clean Up Earth

Die Welt retten ist normalerweise eine Aufgabe für Superhelden, Soldaten oder Actionhelden. In Clean Up Earth sieht das ganz anders aus: Hier greift man nicht zur Waffe, sondern zu einem futuristischen Staubsauger. Gegner besiegt man mit diesem Haushaltsgerät also nicht – man befreit die Landschaft vielmehr vom herumliegenden Müll. 

Das Öko-Simulationsspiel des französischen Studios Magic Pockets verfolgt dabei einen ungewöhnlichen Weg, denn bevor der Titel im April 2026 erscheinen soll, versuchte das Team seine Inhalte über eine Kickstarter-Kampagne zu finanzieren – und das äußerst erfolgreich. Geplant ist die Veröffentlichung zunächst auf PC, jedoch sind Konsolenversionen ebenfalls vorgesehen.

Es stellt sich die Frage, ob Clean Up Earth mit dem beliebten Titel PowerWash Simulator mithalten kann. Wird es die Spielerinnen und Spieler ebenso fesseln? Wird es mehr als nur ein digitaler Frühjahrsputz? All diese Fragen versuche ich euch im nachfolgenden Test zu beantworten. 

Die Welt reinigen

Wie bereits erwähnt, ist der treue Begleiter ein Staubsauger aus der Zukunft. Mit ihm gilt es, sämtliche Verunreinigungen zu säubern und das Wohl der Natur wieder herzustellen. Auf Steam kann man nachlesen, dass die Handlungen im Spiel sogar zu Mikrospenden für Umweltorganisationen führen. Man selbst gibt aber kein Geld, sodass die Spenden von den Entwicklern bzw. Förderern kommt – wobei das nicht genau beschrieben ist. 

© Magic Pockets
Zu viel Müll für diese kleine Insel.

Durch die Beseitigung von Plastikmüll kann man zusätzlich auch ein paar Geheimnisse entdecken. So findet man bspw. diverse Strukturen oder Artefakte. Besagte Strukturen kann man dann auch wieder aufbauen. Für die Wiederherstellung von Gebäuden o. Ä. benötigt man Rohstoffe. Diese bauen wir selbstverständlich nicht wie in Minecraft ab, sondern recyceln den eingesammelten Müll, der im aufbereiteten Zustand die nötigen Ressourcen liefert. Das ist tatsächlich eine schöne Idee und bringt gleichzeitig etwas Abwechslung in die recht simple Spielmechanik. 

Für ein bisschen mehr Variabilität sorgen zudem die größeren Müllberge, der radioaktiv verseuchte Boden oder die zerfallenen Gerätschaften auf den jeweiligen Karten. An diesen Stellen kommt man mit seinem Standardsauggerät nicht mehr weiter. Abhilfe schaffen hier verschiedene Aufsätze, die teils auf den Maps verteilt, aber gut sichtbar, herumliegen. Für quasi jede Müllsorte gibt es einen speziellen Aufsatz. Mit diesem kann man dann an seinem Fortschritt weiterarbeiten. Darüber hinaus kann man für Goldmünzen sein Staubsauger verbessern oder kleinere Gadgets „mieten“. Das Gold erwirtschaftet man sich übrigens in Kombination mit dem Recyclingprozess. 

© Magic Pockets
Für den radioaktiven Müll braucht man den richtigen Aufsatz.

Hat man am Ende den Müll zu 100% aufgesaugt, verwandelt sich die Karte in ein Paradies aus Pflanzen und Tieren. Wichtig zu wissen ist, dass man erst auf die nächste Map gelangt, wenn man den 100% Fortschritt erreicht hat. Problematisch wird das aber zu keiner Zeit, da Clean Up Earth eher auf Fleiß, anstatt auf größere Rätsel aus ist. 

© Magic Pockets
Hier ein Beispiel für die positive Veränderung der Insel.

Und das war es bislang von der Spielmechanik. Es ist alles darauf ausgelegt, einen entspannten Nachmittag oder Abend zu haben, bei dem nicht aus allen Richtungen Schüsse auf den Charakter im Spiel abgefeuert werden. 

Die Gadgets

Die Karte ist generell in verschiedene Müllquellen unterteilt, sodass man eine Quelle nach der anderen abläuft und reinigt. Sobald ein Bereich erledigt ist, gibt es neben dem optischen auch ein akustisches Signal und man kann sich dem nächsten Quadranten widmen. Oftmals ist es aber so, dass ein paar Plastikflaschen gut auf der Karte versteckt sind. Um dem Spieler die Suche zu erleichtern, kann man eine Art Detektor finden oder eben „mieten“. Er zeigt über eine Art Strichcode an, wie nah man sich an einer noch zu säubernden Stelle befindet. 

© Magic Pockets
Die zwei Disketten am Staubsauger zeigen euch das Zubehör.

Ein weiteres und für mich persönlich das genialste Tool ist das Radio. Die Entwickler von Magic Pockets haben tatsächlich ein funktionierendes Live-Radio ins Spiel integriert. So typische Sender wie bspw. 89.0 RTL sind mir zwar noch nicht begegnet, dennoch handelt es sich um teils deutsche Radiosender. Sobald ich diesen Zusatz fand, stieg meine Motivation Müll aufzusammeln deutlich. Ohne die musikalische Untermalung wird das dauerhafte und vor allem durchgängige Klicken der linken Maustaste sehr eintönig. Aus dem Grund muss ich diese Idee und Implikation einfach nur loben! 

Säubere die Welt mit einem Freund

Wem es allein zu langweilig ist, der kann sich seinen besten Freund oder Freundin schnappen und gemeinsam auf die Jagd nach dem Plastik gehen. Und was soll ich sagen: Im Team macht alles einfach mehr Spaß. Eine große Änderung der Spielmechanik ist zwar nicht zu erwarten, dennoch motiviert es, wenn Bereiche schneller gesäubert werden. 

Den Höhepunkt des Spiels machen die großen Multiplayer-Karten aus. Hier tummeln sich bis zu 25 Spielerinnen und Spieler auf ein und der selben Map. Alle haben auch das identische Ziel. In diesen Multiplayer-Partien erhöht sich der Verschmutzungsgrad auf ein Vielfaches. In der Demo waren es mit meinem Einstieg in die Session ganze 42 Tonnen, die es zu entfernen galt. Das hört sich nicht nur viel an, es füllt sich auch genau so an. Einziger Kritikpunkt für mich an dieser Stelle war, dass mir persönlich nicht bewusst war, wie ich Material für Leitern usw. herstellen konnte, obwohl ich Materialien eingesammelt habe. Allerdings kannte sich immer ein Mitstreiter aus, sodass diese Problematik eher zur Nebensache tendierte. 

© Magic Pockets
Die Schriftzeilen deuten auf andere Spieler hin.

Man muss zwar kein Hardliner in Sachen Umweltschutz sein, aber wenn 25 Spielerinnen und Spieler am selben Ziel arbeiten und man das Ergebnis sieht, merkt man, wie viel man doch erreichen kann. Es gibt einem einfach ein gutes Gefühl, etwas für die digitale Welt zu erreichen. Das was es in dieser Form bald digital gibt, machen viele Organisationen in der echten Welt schon lange. Es könnte sich also lohnen, sich auch mal in der Realität zusammenzuschließen oder zumindest darauf zu achten, die vorhandenen Mülleimer zu nutzen. 

Wie kann es mit dem Spiel weitergehen?

Genug mit den Appellen und zurück zum eigentlich Spiel. Im Großen und Ganzen macht Clean Up Earth schon einen sehr sauberen Eindruck. Es gibt wenig zu bemängeln, wobei es an Tiefgründigkeit fehlt. Man räumt lediglich eine Landschaft nach der anderen frei. Es fehlen Quests, welche in Verbindung mit NPC´s stehen. Es gibt niemanden den ich auf einer Insel ansprechen kann und der mir sagt, was ich hier machen soll. Und selbst wenn dieser NPC mich nur darauf hinweist, welche Materialien ich sammeln oder welche Bereiche ich säubern soll, wäre das schon ein deutlicher Mehrwert. Aufgaben, wie die Rettung eines Tieres aus einem Netz oder Plastikverschluss wäre eine gut zu integrierende Aufgabe. 

Ein weiterer Wunsch oder Vorstellung meinerseits wäre, dass man die einzelnen Welten des Hauptmenüs zu einer Komplexen zusammenfügt. Das Spiel ist zwar nicht darauf ausgelegt und möchte dem Ansatz sicherlich nicht folgen, dennoch wäre es schön, weniger in Menüs zu hängen und mehr durch die dann offenere Welt zu laufen. Ich persönlich stelle mir das ein bisschen wie im Spiel Raft vor. 

Wobei wir mit dem Thema Meer dabei wären, dass noch deutlich mehr Möglichkeiten im Spiel stecken. Die Meere sind bspw. noch gar nicht begehbar. Dieser Ansatz sollte nicht außer Acht gelassen werden, weil die Verschmutzung der Weltmeere auch ein aktuelles Thema unserer Zeit darstellt. 

© Magic Pockets
Leider gibt es noch keinen Zugang zu dem sehr schön designten Wasser.

Aufgrund der Tatsache, dass ich immer noch von der Demo-Version schreibe, beweist, dass sich noch so einiges tun kann, um dem Spiel noch mehr Abwechslung zu verleihen.

Technik

Clean Up Earth macht aus technischer Sichtweise auch eine Menge Spaß. Die Grafik ist in einem Comic-ähnlichen Stil und hat wirklich seinen Charme. Bugs, Lags usw. fielen mir in der Demo keine auf. Das Spiel lief reibungslos und selbst mit einer Vielzahl an anderen Spielern gab es keine Einbrüche. Es passierte lediglich, dass sich ein Tier mal durch die Strandstruktur bewegte, wobei das für mich aber zu verschmerzen ist, solange der Rest funktioniert. 

© Magic Pockets
Charmante Grafik und flüssiges Spielgefühl.

Fazit 7/10

Clean Up Earth ist ein sehr ruhiges und entspanntes Spiel bislang. Wer am Abend dem Alltagsstress entfliehen möchte, der kann sich gelegentlich in diesen Welten verlieren. Durch den Einsatz des eingebauten Radios ist ein bisschen Abschalten vorprogrammiert. Derzeit wird das Spiel wohl eher ein Gelegenheitsspiel bleiben, da es ihm an Tiefgründigkeit und Content fehlt. Hat man alle Maps zu 100% abgeschlossen, war es das im Endeffekt. Man wird auf die Inseln nicht zurückkehren, weil einfach alles geschafft ist. 

Trotzdem muss man abwarten, was bis zum Release des Spiels noch eingebaut und umgesetzt werden kann. Ich habe dem Spiel demzufolge 7/10 Punkten gegeben, da es noch viele Möglichkeiten bietet. Ich hoffe nur, dass sie auch ausgeschöpft werden können, ansonsten bleibt es dann wohl eher bei einem Frühjahrsputz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert