Resident Evil
Videospielverfilmungen haben in den vergangenen Jahren einen erstaunlichen Wandel durchgemacht. Produktionen wie The Last of Us oder Fallout zeigen, dass eine gute Adaption ihre Vorlage nicht Szene für Szene nacherzählen muss. Viel wichtiger ist es, zu verstehen, warum wir diese Spiele eigentlich mögen.
Genau an diesem Punkt setzt Zach Creggers Resident Evil an.
Resident Evil und das Kino
An Verfilmungen mangelt es der Reihe nicht. Zwischen 2002 und 2016 entstanden sechs Filme mit Milla Jovovich als Alice, die sich zunehmend von den Spielen entfernten. Welcome to Raccoon City versuchte 2021 den umgekehrten Weg und orientierte sich deutlich stärker an den Vorlagen. Hinzu kommen mehrere CGI-Filme und eine kurzlebige Netflix-Serie.

Nun versucht es Zach Cregger, bekannt durch Barbarian und Weapons. Und der wählt einen überraschenden Ansatz: Er erzählt keines der Spiele nach und verzichtet sogar auf deren bekannte Hauptfiguren.
Meine Eindrücke
Die größte Stärke des Films ist für mich Austin Abrams. Er spielt Bryan, einen medizinischen Kurier, der auf einer eigentlich simplen Lieferung nach Raccoon City mitten in einen Albtraum gerät.
Bryan ist kein Leon Kennedy und kein Chris Redfield. Er ist kein ausgebildeter Spezialagent, sondern ein Normalbürger, der irgendwie versucht, am Leben zu bleiben.
Und genau das funktioniert hervorragend.
Abrams transportiert die Mischung aus Angst, Überforderung und zunehmendem Überlebenswillen glaubwürdig. Noch wichtiger ist aber, wie Cregger ihn inszeniert.

Die Kamera bleibt fast permanent bei Bryan. Wir wissen nur, was er weiß, und entdecken Gefahren gemeinsam mit ihm. Dadurch hatte ich immer wieder das Gefühl, nicht einfach einen Film zu sehen, sondern jemandem beim Spielen von Resident Evil zuzuschauen.
Bryan bewegt sich von Schauplatz zu Schauplatz, muss improvisieren, fliehen und herausfinden, was um ihn herum eigentlich passiert. Fast wie ein Spieler, der sich durch verschiedene Abschnitte eines Spiels arbeitet.
Dabei bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Der Film ist spannend, temporeich und gönnt sich nur wenige Pausen. Trotzdem besteht er nicht einfach aus permanentem Zombie-Gemetzel. Die Spannung entsteht vor allem dadurch, dass Bryan genauso wenig über die nächste Gefahr weiß wie der Zuschauer.
Resident Evil ohne seine Helden
Dass keine der bekannten Spielfiguren auftaucht, empfand ich überraschenderweise überhaupt nicht als Problem.
Im Gegenteil: Bryan wird dadurch zu unserem Spielercharakter.
Wir erleben die Zombie-Apokalypse nicht aus der Sicht eines Elitepolizisten, sondern aus der Perspektive eines Menschen, der völlig unvorbereitet hineingerät.
Was wartet hinter der nächsten Tür? Sollte man weitergehen oder lieber verschwinden?
Genau diese Unsicherheit gehört für mich zum Kern von Resident Evil. Cregger schafft es erstaunlich gut, dieses Spielgefühl ins Kino zu übertragen.

Gleichzeitig steckt der Film voller kleiner Easter Eggs und Anspielungen. Fans werden häufig etwas entdecken, ohne dass der Film mit dem Finger darauf zeigt. Die Referenzen sind Teil der Welt und kein Selbstzweck.
Auch technisch überzeugt der Film. Die Effekte sind hervorragend und die Monster und Zombies wirken nicht wie bloße Attraktionen. Sie sind Gefahren und Hindernisse, denen Bryan irgendwie entkommen muss.
Dazu kommt immer wieder trockener und schwarzer Humor. Gerade weil Bryan kein klassischer Actionheld ist, reagiert er häufig so, wie vermutlich auch wir in einer solchen Situation reagieren würden: mit Angst, Frust, Fluchen und gelegentlichem Unglauben.
Fazit
Zach Creggers Resident Evil ist für mich eine hervorragende Videospieladaption – gerade weil der Film nicht versucht, eines der Spiele einfach nachzuerzählen.
Er übernimmt etwas viel Wichtigeres: das Spielgefühl.
Positiv
- toller Hauptcharakter
- trockener, schwarzer Humor
- etliche Easter Eggs
- atmosphärisch genial
Negativ
- das Fehlen bekannter Resident Evil-Gesichter kann Fans enttäuschen
- für manche zu humoristisch

Burnhards Gaming-Reise begann mit „Dig Dug“ auf dem C-16 und seitdem hat ihn die Faszination für Videospiele nicht mehr losgelassen. Heute ist er hauptsächlich auf der Xbox und unter Linux unterwegs. Besonders immersive Open World-Spiele wie Red Dead Redemption oder Assassin’s Creed Odyssey ziehen ihn in ihren Bann, doch auch actionreiche Roguelites wie Hades oder Redacted stehen hoch im Kurs. Abseits der digitalen Welt liebt er es, bei Brettspielen wie 7 Wonders, Eisbrecher oder Punktestadt strategische Entscheidungen zu treffen und sich mit Freunden zu messen.
