Indiana Jones und der Große Kreis

Indiana Jones movie poster with a man in a hat and companions against a warm map backdrop, title in German.

Bereits seit Dezember 2024 ist Indiana Jones und der Große Kreis erhältlich, Nintendo-User mussten sich aber bis heute gedulden. Nun ist Indys Abenteuer auch auf der Nintendo Switch 2 verfügbar und ich verrate im Test, weshalb ich sehnlichst darauf gewartet habe.

Einmal um die ganze Welt

Indiana Jones und der große Kreis bietet eine Geschichte, die sich wunderbar an den ersten drei Filmen orientiert und sowohl inszenatorisch als auch auf Handlungsebene gut mit den Vorlagen mithalten kann. Passenderweise ordnet sich das Abenteuer auch chronologisch zwischen Jäger des verlorenen Schatzes und Der letzte Kreuzzug ein. Dr. Henry Walton Jones wacht in seinem Büro aus unruhigen Träumen auf und bemerkt einen Einbruch im Museum seines Colleges. Ein riesiger Hüne stielt eine erst kürzlich ausgegrabene Tempelkatze und knockt Indy kurzerhand aus. Die Spur führt zum Vatikan.

Eigentlich will Indy nur seine gestohlene Katze wiederhaben und reist dem übergroßen Dieb hinterher. Doch wie es sich für ein Archäologen-Abenteuer gehört, entspinnt sich ein Mysterium, das den coolen Professor kreuz und quer über den Globus, auf den namensgebenden großen Kreis, führt. Natürlich schließt sich Jones abermals ein gewitzter, weiblicher Sidekick an. Diesmal in Form der kompromisslosen, italienischen Journalistin Gina Lombardi. Gemeinsam machen sich die beiden auf, das Geheimnis des Kreises und seiner Artefakte zu lüften; immer im Wettlauf mit dem Widersacher Voss.

Indy wie er liebt und lebt.

Indy wird im englischen Original von Game-Synchronstar Troy Baker vertont und auch die deutsche Synchro bekommt eine neue Stimme. Beide machen ihren Job außerordentlich gut und kommen erstaunlich nah an die jeweiligen Originale heran. Die gesamte Vertonung und Soundkulisse schafft einen hochwertigen Spagat aus Performance und Nostalgie. Bösewicht Voss klingt herrlich eklig-extravagant und in Kämpfen schallern bei Schlägen die gnadenlos überzogenen Ohrfeigensounds der 80er aus den Boxen. Prächtig!

Gut schau’n Sie aus, Dr. Jones! Meistens.

Grafisch gibt sich das neue Indy-Spiel wirklich überzeugend. Die Charaktermodelle sind gut gelungen und die Umgebungen mitsamt ihren vielen Details überzeugen. Leider sind mir in meiner Testphase allerlei Ungereimtheiten aufgefallen, die vor allem die Lichtquellen betreffen. So ergeben sich immer wieder merkwürdige Schattenwürfe und manches Licht strahlt sogar durch Wände hindurch. Dafür sind die Ladezeiten mehr als vorbildlich und das gesamte Abenteuer geht flüssig von der Hand.

Widerling Voss ist der Antagonist im Spiel.

Die Animationen im Spiel sind ein wenig steif geraten, Lippen sind selten synchron mit der Tonspur und die Qualität der Mimik schwankt stark. Texturen der Umgebung (wir bereisen unter anderem den Vatikan, Gizeh, das Himalaya oder den Dschungel von Skhotai) und Gegenstände gehen dafür zum Großteil in Ordnung. Nur selten könnten ein Paar Steine etwas bessere Auflösung vertragen. Besiegte Feinde unterliegen dafür einer extremen Ragdoll-Physik und liegen oft sehr unrealistisch verdreht am Ort des Geschehens herum. Das ist zugegebenermaßen oftmals amüsant, stört aber auch die Immersion.

Der Indy-Film, den es gebraucht hätte

Immersionstechnisch ist Der Große Kreis in den meisten Fällen aber glücklicherweise 1A! Wir spielen zwar grundsätzlich aus der Ego-Perspektive, trotzdem versucht das Spiel gar nicht erst, uns glauben zu lassen, WIR wären Indy. Stattdessen vermittelt es uns das Gefühl, in einem Indiana Jones-Kinofilm zu sitzen. In regelmäßigen Situationen, zum Beispiel beim Klettern, Schwingen an der Peitsche oder in den zahlreichen Zwischensequenzen verlässt das Spiel die Ego-Perspektive und zeigt Indy komplett.

Zu guter Letzt dürfen wir in den Zwischensequenzen stets das Sichtfeld ein wenig hin und herschwenken; so als würden wir im Kino unseren Blick über die zu große Leinwand streifen lassen. Das schafft eine erfrischend andere Art der Immersion. Mir persönlich hat’s gefallen.

Davon profitieren übrigens auch die Nebenquests, die im Grunde mit demselben Aufwand inszeniert sind, wie jede Hauptquest und daher kaum als Nebenaufgabe auffielen, wenn sie nicht im Questlog stünden. Das begeistert ungemein und immer wieder stand ich vor der Frage, ob ich gerade der Story folge oder einen Nebenstrang absolviere. Fantastisch!

Grund hierfür sind aber auch die Umgebungen selbst. Indiana Jones und der Große Kreis versteht sich nämlich als eine Mischung aus offener Spielwelt und linearer Erzählung. So bieten uns einzelne Handlungsabschnitte ganz eigene Umgebungen, die frei erkundet werden können. Wir klettern über Dächer, schleichen uns durch Katakomben oder schwingen uns mit der Peitsche in Wohnkomplexe. Das Erlebnis ist dabei fantastisch.

Tolle Rätsel, coole Kämpfe

Die Egoperspektive sorgt dennoch dafür, dass wir auf eine ganz eigene Art und Weise unsere Umgebung erkunden und mit den Rätseln interagieren, die den Großteil des Spiels ausmachen. So werden wir selten durch Einblendungen auf Lösungswege gestoßen, sondern müssen auch mal Notizen aus unseren Taschen kramen, wirklich gewissenhaft Lesen und mit unserer Umgebung in Kontext setzen. Hat man die Lösung gefunden, fühlt man sich richtig detektiv-mäßig. Auch die Umgebungskarten muss Indy stets in der Hand halten, wenn wir unseren Standort checken wollen. Das sorgt für ein viel besseres Mittendrin-Gefühl als wenn sie in der oberen Bildschirmecke zu sehen wäre.

Braucht es doch mal einen Hinweis, fotografieren wir mit unserer Kamera mehrfach ein Rätsel und bekommen dann von Indy verbal Ratschläge. Apropos Schläge: Natürlich legt sich Indiana Jones auf der Reise mit zahlreichen Faschisten an. Dabei kommen meist die Fäuste zum Einsatz, wir können aber auch die Peitsche knallen lassen und unsere Feinde damit entwaffnen. Blocken und Kontern kann Indy ebenso. Die Kämpfe fühlen sich damit wirklich dynamisch an. Mit zu vielen Feinden auf einmal sollten wir uns aber nicht anlegen, da Dr. Jones selbst nach wenigen Treffern zu Boden geht.

Klassische Rätsel (mitsamt echten Kopfnüssen) sind gut integriert.

Später im Spiel können wir auch zu stärkere Feuerwaffen greifen, als zu unserem Revolver. Allerdings ist die Munition meist schnell verbraucht. Dafür können wir zahlreiche Gegenstände aus der Umgebung ebenfalls als Waffe zweckentfremden. Einem Gegner die Schaufel auf dem Kopf zu zertrümmern, fühlt sich einfach ziemlich befriedigend an.

Schleicherei, die sich gern schleichen kann

Häufig zwingt uns das Spiel aber auch passiv zum Schleichen, da einfach zu viele Gegner herumlaufen, die sich gegenseitig zur Hilfe eilen. Ich persönlich habe diese Phasen oftmals als ziemlich nervig empfunden. Zum Beispiel müssen wir wirklich auf Geräusche von Personen horchen, um sie ausmachen zu können. Einen übermächtigen Röntgenblick oder ähnliches gibt es bei Indiana Jones nicht. Das macht diese Gameplay Elemente sehr träge, da wir sehr vorsichtig sein müssen und oftmals per Versuch & Irrtum den richtigen Weg zu suchen haben.

Da hilft es nur wenig, dass nach jedem stillen Takedown ein ähnlich charismatischer Soundeffekt ertönt, wie es in den Indy-Filmen der Fall war. Die Schleicherei ist wie ein Narkosemittel für das ohnehin schon gemächliche Spieltempo. Manches Mal dürfen aber die allseits befindlichen Alltagsgegenstände aufgesammelt und als Waffe verwendet werden, um Feinden eine Portion Schlaf zu verschaffen. Eine willkommene Abwechslung im Spiel.

Zuletzt noch ein Blick auf Indys ganz eigenes Repertoire an Talenten. Diese können nämlich mit Erfahrungspunkten erweitert werden, wobei das Spiel dabei seinen ganz eigenen Weg geht. Euch wird nämlich kein Skill-Tree präsentiert, sondern müsst ihr optionale Bücher in der Spielwelt finden oder auch kaufen und könnt diese mit euren verdienten Punkten aktivieren. Ein kluges und neuartiges System, welches den Entdeckerdrang enorm befriedigt.

Zu guter Letzt sei gesagt, dass jegliche Indiana Jones-Fans zugreifen dürfen. Indiana Jones und der Große Kreis ist genau das Spiel, was ich gebraucht habe und ich werde wohl noch Wochen damit verbringen, alle Gebiete bis auf ihre letzten Geheimnisse zu entschlüsseln. Und damit beende ich meinen Test mit einem „Danke, Dr. Jones“.

Fazit

Indiana Jones und der Große Kreis ist sicher nicht das Spiel des Jahres, aber für Indiana Jones Fans trotzdem ein super Titel. Denn die bekommen ein Erlebnis, dass sowohl als solides Spiel als auch als wirklich guter Indy-Film funktioniert. Die Essenz dessen, was Fans sich vom draufgängerischen Archäologen wünschen, wurde einfach extrem gut verstanden.

Da stören auch die vielen kleinen Designpatzer wenig, die dem Spiel dennoch den Sprung in die absolute Top-Riege verwehren. So fallen auch die technischen Mankos kaum auf, da sie das stimmige Gesamtbild kaum trüben.

Zudem sind die Rätsel angenehm fordernd (aber nicht überfordernd) und einfach cool designt. Auch die Kämpfe fangen den Flair der Vorlage gut ein und überzeugen mit viel Freiheit. Wer hier keinen Shooter erwartet, sondern in erster Linie ein Adventure, mit gediegenem Tempo und gelegentlichen Actioneinlagen, der wird mit Indiana Jones und der Große Kreis viel Spaß haben.

Test

Positiv

  • perfektes Indiana Jones-Feeling
  • offene Bereiche wecken den Entdeckerdrang
  • Nebenquests stark inplementiert
  • befriedigendes Kampfsystem

Negativ

  • Schleichpassagen manchmal zu erzwungen
  • kleine grafische Probleme
9 / 10
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