Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection
Die Monster Hunter-Reihe ist spätestens mit Monster Hunter World im Mainstream der Gamergemeinde angekommen und hat es sich dort mit den Nachfolgern Rise und Wilds richtig gemütlich gemacht. Die Spin-Off-Reihe „Monster Hunter Stories“ fristet jedoch immer noch eher ein Nischendasein und wurde auch (vor allem im westlichen Markt) noch wesentlich stiefmütterlicher von Capcom behandelt. Das dürfte sich mit dem mittlerweile dritten Teil „Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection“ ändern.
Das Monstie: Des Menschen bester Freund
Im Gegensatz zur Hauptreihe gehen wir in Monster Hunter Stories nicht in actiongeladenen Echtzeitkämpfen auf Monsterjagd. Stattdessen Freunden wir uns in bester Pokemon-Manier mit den wilden Wesen an und kämpfen Seite an Seite in rundenbasierten Gefechten. Dazu sammeln wir Ihre Eier in Nestern, brüten sie aus und trainieren sie als „Monsties“ im Kampf gegen andere Monster.
© CapcomDie altbekannte Lootspirale bleibt uns aber auch hier erhalten. Noch immer können wir aus den Materialien erlegter Monster neue Waffen und Rüstungen herstellen, die uns gegen bestimmte Arten von Monstern Vorteile verschaffen. Das macht nach wie vor Spaß und geradezu süchtig, wird sogar mit zusätzlichen Gameplay-Systemen ergänzt. Doch dazu später mehr.
Worum geht’s in Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection?
Zu Spielbeginn erstellen wir uns in einem durchaus üppigen Editor eine eigene Spielfigur, das Königskind des blühenden Reiches Azuria. Da alle anderen Figuren uns jederzeit nur mit „Eure Hoheit“ ansprechen, haben wir bei der Erstellung eine Menge Freiheit. Danach werden wir direkt in eine spannende Geschichte mit mehreren Handlungssträngen und Erzählebenen geworfen:
Königin Amara findet zu Beginn ein Rathalos-Ei, dass im sogenannten „Ei-Quarz“ eingeschlossen ist. Das ist eine mysteriöse Substanz, die das Land zunehmend verschlingt und vor allem bei Menschen für Krankheiten sorgt, die sie langsam dahinraffen. Als aus dem Ei sogar Zwillinge schlüpfen, ist die Panik groß, denn Zwillings-Rathalos gelten als böses Omen. Einer soll also geschlachtet werden. Doch Amara nimmt das Junge in einer spektakulären Rettungsaktion an sich und flieht über den sogenannten Meridian, eine Mauer, die für die Einwohner der Reiche Azuria und Vermeil als verbotene Zone gilt. Damit begeht sie gewissermaßen Hochverrat.
© CapcomJahre später sind wir nicht nur die nächsten in der Thronfolge, sondern auch Kapitän/-in der Ranger in Azuria. Deren Aufgabe ist es, sich um das Ökosystem und die Population der Monster in Azuria zu kümmern. Als das noch wesentlich stärker vom Ei-Quarz betroffene Reich Vermeil bei Verhandlungen mit Azuria einen Krieg androht, bietet sich Prinzessin Elena als Geisel an, um einen Ausbruch vorerst zu verhindern. Gemeinsam mit Ihr und unserer Rangertruppe ist es nun an uns, eine Lösung für das Quarz-Problem zu finden. Die Ranger entschließen sich also, den Meridian ebenfalls zu überqueren.
Verdammt, sieht das gut aus!
Die Geschichte von Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection ist eine von vielen Stärken des Spiels. Sie lässt sich Zeit für die Einführung ihrer Figuren und Prämissen, macht aber vor allem zu Beginn immer mehr Mysterien auf, ohne eine Lösung auch nur anzudeuten. Erst zum Ende fügen sich alle Fäden zu einem ganzen zusammen. Das hält jederzeit bei der Stange und lässt auch darüber hinwegsehen, dass die Geschichte stellenweise sehr gemächlich und mit zähen Dialogen vor sich hin plätschert. Aber vor allem dank der sympathischen Helden, von Ranger-Azubi Thea bis zum endlos treuen Paliko Rudy, bleibt man gern am Ball.
© CapcomDenn vor allem die Zwischensequenzen entschädigen dafür absolut! Was hier abgefeuert wird, könnte durchaus auch als Anime-Serie durchgehen und erreicht in seinen besten Momenten in Sachen Inszenierung sogar Kinoqualität! Auch die Grafik an sich bleibt kaum hinter dieser Qualität zurück. Umgebungen sind teils etwas arm an Textur, doch vor allem die Figuren und Monster sind hammermäßig designt und animiert. Dazu kommen organisch wirkende Umgebungen mit viel Vegetation und Wildleben.
Auf der PlayStation 5 stehen drei Grafikmodi zur Verfügung. Ich empfehle klar den Balanced-Modus, da der Qualitätsmodus kaum Mehrwert, dafür aber leichte Ruckler liefert. Der Performance-Modus lässt hingegen ein wenig Kantenglättung liegen. Soundtechnisch gibt’s ebenfalls nichts zu meckern. Der hauptsächlich orchestrale Soundtrack ist bombig und die Vertonung auf japanisch oder englisch hochwertig.
Es ist ein ewiger Kampf
Spaß machen auch die Kämpfe, die sich tatsächlich ein wenig von klassischen rundenbasierten RPGs unterscheiden. Zum einen dauern sie wesentlich länger (vor allem die Bosse) als üblich und fangen damit ein bisschen das Gefühl der Hauptreihe ein. Zum anderen, weil wir fast immer mit vier Figuren gleichzeitig kämpfen, aber nur unsere eigene voll kontrollieren können. Was unsere Rangerkollegen oder teils auch unser Monstie tut, müssen wir antizipieren und in unsere Entscheidungen mit einbeziehen.
© CapcomDas grundlegende Kampfsystem hat eine starke Schere-Stein-Papier-Komponente, verlangt aber auch von uns, zwischen unseren bis zu drei Waffen und bis zu sechs Begleitmonstern dynamisch zu wechseln. Denn wie in der Vorlage können wir wieder verschiedene Körperteile der Monster angreifen, um sie zu beschädigen. Damit werden bestimmte Angriffe blockiert, oder die Chance auf Materialien erhöht. Jedes Körperteil kann dabei gegen eine bestimmte Waffenart anfällig sein. Dazu kommen Elementareigenschaften der Monster.
Gewinnen wir ein „Schere-Stein-Papier“-Duell gegen den Gegner oder nutzen Schwächen aus, füllt sich unsere Reitleiste. Bei voller Leiste können wir auf unser Monstie steigen und es direkt und umfassend kontrollieren, teilen uns dann auch eine Energie- und Ausdauerleiste. In diesem Modus können wir auch unsere Bindungsattacke, eine persönliche Superfähigkeit jedes Monsties, aktivieren. Damit wird die Leiste jedoch wieder geleert. Reiten beide Ranger zugleich auf ihren Monsties, lassen sich die Angriffe sogar zu den extrem mächtigen Doppelbindungsangriffen verbinden. Dann brennt nicht nur der Flokati, sondern auch der Bildschirm.
© CapcomDer Job eines Rangers
Twisted Reflection führt darüber hinaus noch einige neue Gameplay-Elemente ein, die untrennbar mit dem Ranger-Beruf unserer Helden zusammenhängen. So können wir Monsties auch wieder in die Freiheit entlassen, was sich direkt auf Ihre Population im jeweiligen Gebiet auswirkt. Bringen wir eine Monsterpopulation auf einen bestimmten Rang oder siedeln bestimmte Arten in einem Gebiet an, können mächtige Mutationen mit neuen Elementeigenschaften entstehen.
Das führt uns zur nächsten Mechanik: der Zucht. Monster sind mit bis zu neun Genen ausgestattet, die teil erst per Erfahrungslevel freigeschaltet werden und quasi die passiven und aktiven Fähigkeiten des Monsties darstellen. Diese können wir unter den Monsties austauschen. In einem 9×9-Bingofeld müssen wir nun passende Gene möglichst in einer Linie anordnen, damit unser Begleiter weitere Boni erhält.
© CapcomSo lassen sich Monsties stark individualisieren und mitunter extrem verstärken. Das System lädt zum Experimentieren ein und fühlt sich teils sehr befriedigend an, wenn man endlich das passende Monstie gezüchtet hat, mit dessen Genen sich ein anderer Kamerad verstärken lässt.
Desweiteren können wir unsere Monsties in einem Gebiet auf Erkundung schicken, damit es dem Gebiet entsprechend Statusboni und weitere passive Fähigkeiten erhält. Damit lassen sich die Tiere weiter individualisieren.
Wie lange macht Monster Hunter Stories 3 Spaß?
Durch all diese Mechaniken, die auch nach Stunden immer wieder eingeführt werden, ergibt sich ein angenehmer Spielfluss, der mich persönlich über 95% der Spielzeit bestens unterhalten hat. Leider zwingt das Spiel uns gegen Ende und vor allem im finalen Bosskampf (mit einer absolut unnötigen Mechanik) dazu, zu grinden.
Wer Zucht und Crafting bis dahin eher beiläufig laufen ließ, wird dann dazu genötigt, die Features nochmal ordentlich auszureizen. Das hat mich persönlich ziemlich genervt, obwohl (oder vielleicht gerade weil) ich schon relativ viel Zeit darin investiert hatte. Das wäre für mich auch im Grunde der einzige drastische, objektive Kritikpunkt.
© CapcomDie Hauptstory von Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection darf getrost mit 60 Spielstunden eingeplant werden. Wer wirklich alles sehen möchte, kann sich aber dank zahlloser Nebenquests (von denen aber nur die Questreihen unserer Gefährten wirklich Tiefe bieten) auf locker 80-100 Stunden einstellen. Denn dann warten im Endgame noch diverse Drachenälteste und invasive Monster auf ihre Abreibung. Auch die Monsterzucht und das finden aller Arten kann gefühlt ewig beschäftigen.
Fazit
Obwohl ich Monster Hunter Fan der ersten Stunde bin, hatte ich mit der Stories Reihe bisher nur sporadisch Kontakt. Das wird sich ab jetzt ändern, denn spätestens mit Twisted Reflection erreicht das Spin-Off eine Qualität, die einfach nur beeindruckt. Sei es die jederzeit stimmige und teils bombastische Präsentation, die vor Herz platzenden Charaktere, die spannende Geschichte oder das tiefgründige Entwicklungssystem. Dazu kommen das Kampfsystem und Crafting, die das Gefühl der Hauptreihe wunderbar ins rundenbasierte RPG übertragen. Das alles kommt in einem Umfang, der für Monate an den Bildschirm fesseln kann.
Schwächen muss man suchen, sind aber vorhanden. Vor allem, wenn man sich an Grind stört, werden die letzten 5% der Story zur Nervenprobe. Außerdem sind viele Nebenquests absolut dröge und Dialoge manchmal unnötig langatmig. Diese lassen sich dafür überwiegend ignorieren bzw. überspringen, weshalb ich diesen Punkt gern verzeihe. Deshalb kann ich Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection jedem JRPG-Fan, vor allem aber auch Monster Hunter Freunden nur wärmstens empfehlen.
© CapcomPositiv
- super Präsentation
- starke Helden & Geschichte
- alle Systeme greifen toll und spürbar ineinander
- Riesenumfang
Negativ
- Finale zerstört schönen Spielfluss
- Nebenquests oft stumpf & umständig

Spielte Videospiele, noch bevor er Fahrrad fahren konnte. Hat als einer der letzten Zivis den Gedanken an ein Medizinstudium verworfen und stattdessen „irgendwas mit Medien“ studiert. Über das Campus-TV führte sein Weg als (Video-) Redakteur in die Welt des Fernsehens und Esports, bevor er sich anderen Themen widmete. Weil es ihm aber bei Gaming und anderer medialer Unterhaltungskunst immer noch 24/7 in den Fingern juckt, gibt es jetzt, wann immer es die Freizeit zulässt, Reviews und Previews von ihm.
