Sayonara Wild Hearts

Sayonara Wild Hearts Titelbild

Sayonara Wild Hearts ist ein Spiel, wie man es heutzutage nur noch selten sieht. Entwickelt vom kleinen schwedischen Team Simogo, haben wir es hier mit einer Mischung aus Arcade-Shooter und Rythmusspiel zu tun. Warum Sayonara Wild Hearts nicht nur seines Genres wegen etwas besonderes ist, ich es aber trotzdem nur einem bestimmten Spielertyp restlos empfehle, erfahrt Ihr im Test.

Ich hab‘ den Blues

In Sayonara Wild Hearts übernehmen wir die Rolle einer jungen Frau, die an gebrochenem Herzen leidet und sich in ihren Träumen und Gedanken auf eine Reise zur Selbstheilung begibt. Dabei rast sie auf verschiedenen Fortbewegungsmitteln (vom Skateboard über Motorrad bis zu einem magischen Hirsch ist echt alles dabei) durch psychedelische Welten und stellt sich verschiedenen Bossen. Die Geschichte ist sehr kryptisch, wird jederzeit nur angedeutet. Die Bildsprache bedient sich an Motiven aus der Wahrsagung, Astrologie oder auch TV-Serien wie Sailor Moon.

Sayonara Wild Hearts Heldin im Zimmer© Simogo/Annapurna Pictures
Unsere namenlose Heldin hat einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten.

Sayonara, Letargie!

Das Gameplay von Sayonara Wild Hearts ist dabei ziemlich reduziert. Wir rasen wie in einem Arcade-Shooter einen festen Pfad entlang und sammeln dabei Herzen ein, die uns entgegenkommen. An machen Stellen teilt sich der Pfad und wir müssen uns für eine Option entscheiden. Gelegentlich müssen wir auch Gegner abschießen, oder Quicktime-Events absolvieren. Das ganze passiert mehr oder weniger im Rhythmus schmissiger Synthpop-Songs, die extra für das Spiel geschrieben wurden. Funfact: Als Erzählstimme schallt Queen Latifah aus den Boxen!

Sayonara Wild Hearts Skateboardlevel© Simogo/Annapurna Pictures
Der erste Level wirkt noch am ehesten wie ein klassisches Rhythmusspiel. Diese Darstellung weicht zunehmend auf.

Das Tempo bleibt dabei zu jeder Zeit wahnwitzig hoch. Ich habe die Switch 2 Version getestet und dabei auch keinen einzigen Ruckler erlebt. Mit Karacho geht es durch die Level, die sich alle paar Sekunden komplett verändern können. Manche Level sind sogar nach gut 30-60 Sekunden vorbei. Dauernd passiert oder blinkt etwas, die Kameraperspektive ändert sich ebenfalls regelmäßig. Kombiniert mit der reduzierten, aber stimmigen Comic-Optik wirkt Sayonara Wild Hearts wie ein Adrenalin-treibender Fiebertraum. Da bleibt wirklich keine Sekunde Zeit, um zu überlegen. Spielerisch anspruchsvoll ist das Ganze trotzdem nicht.

Sayonara Wild Hearts Kampf© Simogo/Annapurna Pictures
Kämpfe sind zum Teil sehr cool inszeniert, aber bestehen meist nur aus simpelsten Quicktime-Events.

Für Highscore-Jäger yay, für alle anderen einfach da

Da wir quasi nicht sterben können, ist es im Grunde egal, wie oft wir gegen Hindernisse klatschen oder abgeschossen werden. Letztlich leidet nur Score am Ende des Levels. Versuche haben wir quasi endlos. Zwar bleibt das Spiel dank optischer Abwechslung bis zum Ende unterhaltsam, das liegt aber auch vorrangig am knappen Umfang. Nach spätestens anderthalb Stunden hatte ich den Abspann auf dem Bildschirm. Von da an bietet Sayonara Wild Hearts eigentlich nur noch passionierten Highscore-Jägern einen echten Mehrwert.

Um den Goldscore in einem Level zu bekommen, muss man wirklich akribisch auswendig lernen. Dann lassen sich bis zu drei Zusatzmodi freischalten, in denen wir etwa alle Level direkt hintereinander spielen können. Für zusätzliche Beschäftigung sorgen die Sternzeichenrätsel, die uns kryptisch Bonusaufgaben präsentieren. Wir müssen also erst die Aufgabe verstehen, bevor wir sie angehen können. So soll beispielsweise ein bestimmtes Level UNTER einem bestimmten Score abgeschlossen werden. Wirklich motivierend ist dieser Zusatzcontent aber nicht, da er zum Selbstzweck verkommt. Man muss sich also schon sehr für das Spielprinzip begeistern können, um wirklich alle Aufgaben durchzuziehen.

Sayonara Wild Hearts Sternzeichenrätsel© Simogo/Annapurna Pictures
Die Sternzeichenrätsel sind teils echte Kopfnüsse und nur zu lösen, wenn man das Spiel bereits sehr gut kennt.

Fazit: 6/10

Sayonara Wild Hearts bietet für 60-90 Minuten gute Unterhaltung. Das liegt vor allem an der künstlerisch ansprechenden Präsentation, der ultraschnellen Action und dem treibenden Soundtrack. Spielerisch bietet das Spiel hingegen leider nur sehr wenig Gehalt. Nach dem ersten Durchspielen können sich daher nur echte Highscore-Jäger noch zum Weiterspielen motivieren.

Gehört Ihr dazu, spreche ich Euch durchaus eine Empfehlung für Sayonara Wild Hearts aus. Denn dann macht Ihr mit lässigen 20 bzw. 12 Euro (im Nintendo Store) nicht viel falsch und werdet sicher Euren Gegenwert vom Spiel bekommen. Alle anderen warten lieber auf einen Sale oder sollten nur zuschlagen, wenn wirklich nur ein kurzer, aber liebevoller Lückenfüller ohne Anspruch gebraucht wird.

© Simogo/Annapurna Pictures
Test

Positiv

  • superschnelle action
  • schöne Präsentation & Soundtrack

Negativ

  • spielerisch sehr limitiert
  • Spielprinzip geht schnell die Luft aus
  • Kampagne sehr kurz<br />
6 / 10
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