Outbound
Während der Coronapandemie stand die Welt plötzlich still und viele Menschen entdeckten eine neue Form der Freiheit: das Reisen mit dem eigenen Wohnmobil. Abseits von Einschränkungen und Menschenmengen wurde der Van zum Symbol für Unabhängigkeit – ein Trend, der den Boom rund um Camper und mobiles Leben bis heute prägt.
Genau dieses Lebensgefühl greift Outbound auf. Die Entwickler von Square Glade Games präsentieren uns ein entschleunigtes Survival-Abenteuer, das derzeit vor allem auf der Nintendo Switch 1 & 2 aber auch auf den Konsolen spielbar ist. Hier reisen wir mit unserem Wohnmobil durch eine idyllische Spielwelt und erkunden so die weitläufige Landschaft. Statt dem klassischen Überlebenskampf setzt Outbound also auf Erkundung, Selbstbestimmung und die leise Faszination des Unterwegsseins – ein Ansatz der den Zeitgeist kaum besser treffen könnte.
Ob sich der am 14.05.2026 auf Nintendo Switch 2 erschiene Titel für euch lohnt, sollt ihr im nachfolgenden Testbericht erfahren.
Ein Leben im Camper
Unser Leben als Aussteiger fängt ganz klassisch mit der Wahl eines Fahrzeuges – genauer natürlich einem Wohnmobil – an. Je nach eigenem Bedarf kann man zu Beginn aus kleineren Varianten und einem größerem Modell wählen. Jede Ausführung besitzt eigene Eigenschaften, was zum Beispiel Geschwindigkeit anbelangt. Hat man seine Wahl getroffen, darf man sich noch für eine Farbkombination entscheiden. Bei mir ist es beispielsweise eine Silberpfeilmischung aus Schwarz und – naja – grau geworden.
© Square Glade GamesAnschließend wird man direkt in die Spielwelt geworfen und kann die Beine in die Hand nehmen oder den Motor direkt starten. Ein Tutorial ist knapp gehalten, was aber nicht zur Last fällt, da viele Aktionen im Spielverlauf sehr intuitiv sind.
© Square Glade GamesWie bereits angedeutet, stellt unser Fahrzeug den Mittelpunkt des Spiels dar. So könnte man es einfach mit einer Phrase beschreiben: Wir leben darin. Was bedeutet aber jetzt darin leben? Einerseits fahren wir durch verschiedene Biome und erkunden die Welt. Andererseits greift an dieser Stelle auch der Survivalaspekt. Man schläft nicht nur auf der Pritsche im hinteren Teil des Kleinbusses, sondern kocht auch darin. Die Nahrungsaufnahme ist aus spieltechnischen Gründen darauf reduziert, dass man seine Nahrungsleiste möglichst gefüllt behält. Eine detaillierte Unterscheidung zwischen Essen und Trinken gibt es hier nicht. Auch Lebenspunkteverluste sind eher vernachlässigbar, da es bei mir bislang keine Situationen gab, in denen ich Angst um mein Leben haben musste. Lediglich der Fallschaden hat mir einmal zu schaffen gemacht.
Ansonsten liegt das Hauptaugenmerk weiterhin auf dem Fahrzeug. Mit Ressourcen aus der Umwelt kann man Möbel bauen, Verarbeitungsgerätschaften usw. Bislang war ich im Spielverlauf etwas knausrig in Sachen Basenbau bzw. habe ich meinen Fokus noch nicht so stark auf die Ressourcensuche für die Gerätschaften gelegt. Allerdings wird das Wohnmobil auf lange Sicht kaum noch als Solches zu erkennen sein.
© Square Glade GamesNachhaltigkeit anstatt Terraforming
Das Spiel setzt zudem sehr auf Nachhaltigkeit. So kann man auf Wind- und Solarkraft setzen und das Benzin stellt herumliegendes Holz dar. Ein Abbau von Bäumen oder Steinen ist hingegen nicht möglich. Wo andere Spiele auf die Veränderung der Umgebung setzen, geht Outbound den umgekehrten Weg.
© Square Glade GamesDas ist jedoch schade, da man so an Spieltiefe einbüßt. Und ein Nachhaltigkeitsaspekt hätte man hier dennoch gewährleisten können. Die Suche nach benötigten Materialien ist zwar nicht schwer, da die Respawnzeiten recht kurz sind, aber letztlich ist es wie immer, wenn man etwas sucht, findet man es natürlich in dem Moment nicht. Da wäre es selbstverständlich spielerfreundlicher, wenn man doch mal einen Baum abholzen könnte, um diesen im Nachgang neu zu säen.
Alles in Allem funktioniert das System, dass sich die Entwickler ausgedacht haben. Und man bewegt sich immer wieder in einem Zyklus aus Erkunden, Ressourcen sammeln, Craften, Van ausbauen und Weiterfahren. Dieses Spielprinzip hält lange Zeit auch bei Laune, da es unfassbar viel zu entdecken gibt. Entweder sammeln wir Gartenzwerge oder Kronenkorken oder bauen Steinpyramiden wieder auf, wobei das nur eine kleine Auswahl darstellt.
© Square Glade GamesDieser anfangs motivierende Zyklus baut sich nach und nach allerdings ab. Es gibt wenig bis gar keine Mechaniken, die den Spieler aus diesem Kreislauf herausziehen, sodass dieser wundbare Titel seine Spielerschaft eventuell verlieren könnte.
Atmosphäre als größte Stärke
Outbound zeichnet ganz offensichtlich nicht die Herausforderung des Überlebens aus, sondern vielmehr die Tatsache, dass man sich nach einem schweren Arbeitstag zurücklehnt, den Kopf ausschaltet und einfach durch die Spielwelt fährt. Die Atmosphäre holt den Spieler einfach ab. Die Landschaften sind toll designed, ein Gefühl von Unbeschwertheit stellt sich ein und der Fortschritt am eigenen Fahrzeug lässt das Herz höher schlagen.
© Square Glade GamesDie außergewöhnliche Grafik, die ich als comichaft oder Artwork bezeichnen würde, passt super zu diesem Spiel. Alles ist richtig farbenfroh gestaltet und vermittelt dadurch Glücksgefühle. Als Spieler fühlt man sich einfach wohl, in dem was man macht. Besonders die vielen Sehenswürdigkeiten und kleinen Rätsel integrieren sich toll in die Spielwelt.
Neben den vielen Stärken des Spiels, habt ihr während des Lesens sicher gemerkt, dass es auch ein paar Schwächen gibt. Die Spieltiefe ist da wohl das größte Manko. Andererseits wirkt die Landschaft teils etwas leer. Ab und an hüpft zwar mal ein Hase an uns vorbei, der die Kritik allein leider nicht abwenden kann. Hier könnte man einer „gestrandeten“ KI-Figur helfen, dessen Wohnmobil wieder fahrtüchtig zu machen oder man trifft an den Lagerfeuern oder Sehenswürdigkeiten Jemanden mit dem man ein paar Worte wechseln kann. So sind die Häuser und Felder einfach nur leer gefegt, als ob wir der einzige Überlebende in dieser Welt sind. Hier wäre definitiv mehr Spielraum für kleinere Aufgaben gewesen, die gleichzeitig dafür gesorgt hätten, die Spielmotivation anzukurbeln.
© Square Glade GamesTechnische Aspekte
Technisch präsentiert sich Outbound sehr gut, wenn auch nicht spektakulär. Wie bereits erwähnt ist die Umgebung hübsch gestaltet, Charaktere und Animationen sind eher verhalten.
Probleme am Spiel selbst, traten im gesamten Testverlauf nicht auf. Das einzig Auffällige war, dass die ZR-Taste sehr sensibel reagiert. Entweder stoppte mein Wohnmobil trotz Drückens der Taste oder ich hatte das Gefühl mein Fahrzeug gibt nicht genügend Gas. Da liegt der Fehler sicherlich eher am Controller, als am Spiel. Wer nicht auf die Joy-Cons angewiesen ist, sollte lieber zu seiner Alternative greifen.
Fazit
Outbound ist kein klassisches Survival-Spiel, sondern eher ein interaktiver Roadtrip. Wer auf Action, Herausforderungen oder komplexe Systeme hofft, wird hier enttäuscht. Für alle Spieler, die gerne entschleunigt spielen, die Atmosphäre genießen und eventuell im Koop unterwegs sind, die erhalten ein charmantes Indie-Erlebnis mit viel Herz. Zusammen durch die Landschaft zu heizen und in der Natur zu campen, bringt das Spiel nochmals auf ein anderes Level. Solo-Spieler werden wohl eher gelegentlich in ihren Van steigen. Dennoch darf man sich der Outbound-Community gern anschließen. Für gerade mal 25€ erhält man ein Spiel, das in diesem Preissegment seines gleichen sucht.

Positiv
- sehr gut zum Abschalten
- comichafte Grafik
Negativ
- kaum Spieltiefe
- Charaktere und Animationen ausbaufähig

Flo ist ein Spieler durch und durch. Egal, ob Karten-, Brettspiele oder Spiele in der digitalen Welt – alle sind ihm heimisch. Seine Anfänge machte er mit dem damaligen Spiel „Hugo“ oder der blauen Edition auf dem Gameboy Color. Im Jugendalter widmete er sich neben seinem sportlichen Ausgleich dem Strategiegenre, weshalb „Age of Empires 2“ oder die „Total War“-Reihe immer noch zu seinen Lieblingsspielen zählen.
Neben diversen Strategiespielen ist er auch ein großer Freund von sämtlichen kooperativen Games. Aus diesem Grund zählen wohl „7 Days to Die“ und „Dead by Daylight“ zu den am meisten gespielten Spielen überhaupt. In diesem beiden Titeln kann und konnte er auf beste Unterstützung von Maik und Gunter zählen.
Wichtig ist allerdings, dass die Spiele eine Crossplay-Funktion besitzen, da er vorwiegend auf der Playstation unterwegs ist. Der PC und die Nintendo Switch befinden sich aber auch in seinem Repertoire.
