MIO: Memories in Orbit
Handgezeichnete Metroidvanias haben sich vom einstigen Nischenphänomen zu einem festen Bestandteil der Indie-Landschaft entwickelt. Doch mit der Masse steigt auch die Beliebigkeit: Nicht jedes stilisierte Abenteuer überzeugt spielerisch. MIO: Memories in Orbit vom französischen Studio Douze Dixièmes möchte beides liefern – künstlerische Identität und spielerische Substanz. Nach über zwei Dutzend Stunden an Bord des sogenannten „Gefäßes“ zeigt sich: Das gelingt in weiten Teilen beeindruckend gut, auch wenn sich das Spiel gelegentlich selbst im Weg steht.
Eine sterbende Welt aus Stahl und Erinnerung
Ihr schlüpft in die Rolle des kleinen Roboters MIO, der in einer gigantischen Raumstation erwacht. Das Gefäß ist weniger klassischer Schauplatz als vielmehr zentrales erzählerisches Motiv: Die Station wird als lebender Organismus verstanden, dessen einzelne Bereiche erkrankt sind. Biome funktionieren wie Organe, Maschinen wie Nervenzentren und überall spürt man den schleichenden Verfall.
Eine klare, linear erzählte Geschichte gibt es nicht. Stattdessen setzt MIO auf fragmentarisches Storytelling. Gespräche mit wenigen verbliebenen Bewohnern, kryptische Aussagen künstlicher Intelligenzen und visuelle Details fügen sich nach und nach zu einem größeren Bild zusammen. Themen wie Verantwortung, Kontrolle und das Verhältnis zwischen Schöpfer und Schöpfung schwingen stets mit. Wer bereit ist, aufmerksam zu spielen und auch Leerstellen auszuhalten, findet hier eine überraschend nachdenkliche Science-Fiction-Erzählung.
© Douze Dixièmes / Focus EntertainmentHandgezeichnete Eleganz
Optisch gehört MIO: Memories in Orbit zu den schönsten Vertretern seines Genres. Der Stil bewegt sich zwischen Aquarellmalerei, Skizze und Comic, ergänzt durch dezente 3D-Elemente. Die Welt wirkt lebendig, ohne überladen zu sein: Pflanzen wiegen sich im Wind, kleine Roboter verrichten sinnlose Routinen, im Hintergrund bauen sich gewaltige Maschinen und Städte auf.
Besonders positiv fällt die Lesbarkeit auf. Trotz vieler Ebenen bleibt stets klar, was Vorder- und Hintergrund ist. Gegner heben sich deutlich ab, Angriffe sind gut erkennbar. Nur beim Übergang zwischen einzelnen Räumen kommt es gelegentlich zu irritierenden Momenten, wenn MIO oder Feinde kurz hinter Wänden verschwinden – ein kleines, aber unnötiges Ärgernis.
Der Soundtrack unterstreicht die Atmosphäre hervorragend. Melancholische Synthesizer, ruhige Ambient-Flächen und gezielte Piano-Momente wechseln sich mit treibenden Electro-Beats in Bosskämpfen ab. Bild und Ton greifen so eng ineinander, dass das Spiel stellenweise mehr wie ein interaktives Kunstwerk als ein klassischer Action-Platformer wirkt.
© Douze Dixièmes / Focus EntertainmentKlassisches Metroidvania mit Fokus auf Bewegung
Spielerisch orientiert sich MIO klar an den großen Genre-Vertretern. Die Welt ist stark verzweigt, viele Wege bleiben zunächst verschlossen und öffnen sich erst mit neuen Fähigkeiten. Backtracking ist nicht nur vorgesehen, sondern essenziell. Dank Schnellreise, freischaltbarer Kartenfunktionen und eigener Markierungen bleibt die Orientierung jedoch meist gewahrt.
Der Fokus liegt stark auf Bewegung. MIO verfügt früh über einen Doppelsprung, später kommen Greifmechaniken, Gleitfähigkeiten, Wandkletteroptionen (Mischung aus den Talenten Greifmechanik, Doppelsprüngen und Gleitfähigkeit) und temporäre Tarnungen hinzu. All diese Fähigkeiten verbrauchen Energie, die sich durch Treffer auf Gegner oder spezielle Umweltobjekte wieder auflädt. Das sorgt für ein dynamisches Wechselspiel aus Angriff, Bewegung und Positionierung.
© Douze Dixièmes / Focus EntertainmentKämpfe und Platforming gehen dabei fließend ineinander über. Besonders in der Luft entfaltet das System seine Tiefe, verlangt aber auch Präzision. Das Spiel erklärt viele Mechaniken nur grob, Lernfortschritt entsteht häufig durch „Trial and Error“. Das ist fordernd, wirkt aber selten unfair, da Gegner gut lesbar sind und Fehler meist klar auf eigenes Timing oder Positionierung zurückzuführen sind.
Mods, Fortschritt und Anpassung
Ein zentraler Motivationsfaktor ist die stetige Progression. Zu Beginn stark eingeschränkt, wächst MIO mit jeder neuen Fähigkeit spürbar. Ergänzt wird das durch ein Modifikationssystem, das aktive und passive Boni erlaubt. Mods erhöhen Schaden, Lebensenergie, Energiegewinn oder eröffnen neue taktische Möglichkeiten, bringen teilweise aber auch Nachteile mit sich.
Die begrenzte Anzahl an Mod-Slots zwingt zu bewussten Entscheidungen. Erkundung, Bosskämpfe oder schwierige Plattforming-Passagen lassen sich so unterschiedlich vorbereiten. Das System bietet Tiefe, ohne unnötig komplex zu werden und belohnt Experimentierfreude.
Anspruchsvoll – manchmal zu sehr
So überzeugend viele Systeme auch sind, MIO: Memories in Orbit leistet sich einige Design-Entscheidungen, die den Spielfluss bremsen. Checkpoints sind teilweise ungünstig gesetzt, was vor allem bei Bosskämpfen zu langen Rückwegen führt. Nicht selten erreicht man den nächsten Versuch bereits angeschlagen, da Heilungsmöglichkeiten begrenzt sind.
Auch die Platzierung von Zwischenbossen nach längeren, anspruchsvollen Platforming-Sequenzen sorgt gelegentlich für Frust. Hier wirkt das Balancing nicht immer durchdacht. Positiv fallen dagegen die optionalen Hilfssysteme auf: Bosse werden auf Wunsch nach jedem Tod schwächer, Gegner greifen im Pazifismusmodus nicht sofort an oder MIO erhält zusätzliche Schutzmechaniken. Diese Optionen greifen nicht ins Kerndesign ein, sondern erlauben eine sinnvolle Feinjustierung des Schwierigkeitsgrades.
Fazit: 09/10
MIO: Memories in Orbit ist ein Spiel mit klarer künstlerischer Vision und großer spielerischer Ambition. Es kombiniert eine herausragende audiovisuelle Präsentation mit solidem, oft sehr befriedigendem Gameplay und einer zurückhaltend erzählten, melancholischen Science-Fiction-Geschichte. Nicht jede Design-Entscheidung sitzt und Geduld ist an mehreren Stellen gefragt.
Wer sich jedoch auf das Tempo, das Backtracking und die gelegentlichen Frustmomente einlässt, wird mit einem ungewöhnlich dichten Metroidvania-Erlebnis belohnt. MIO: Memories in Orbit ist kein makelloses Meisterwerk aber ein starkes, eigenständiges Spiel, das Genre-Fans unbedingt auf dem Radar haben sollten.

Begonnen hat Toms Liebe zum Gaming mit dem Klassik Gameboy und Mario Land, später traf er auf die N64 mit den Spielen Mario N64 und Zelda Ocarina of Time. Von da an war Tom dem Nintendoversum verfallen, er versuchte auch andere Konsolen, aber keine konnte ihn so fesseln, wie die von Nintendo. Somit zogen immer wieder die neuen Nintendo-Konsolen bei ihm ein. Zu den liebsten Spielereihen zählen Pokémon, Zelda und Mario, davon bekommt Tom nicht genug. Fernab vom Gaming ist er auch noch Pokémon TCG-Sammler und kein Marvel-Film/-Comic geht an ihm vorbei, zu guter letzt steht wie bei so vielen von uns auch bei ihm Lego hoch im Kurs.
