Pictonico!

Pictonico! Titelbild

Mit Pictonico! bringt Nintendo die Erfolgsformel der Wario Ware Reihe aufs Smartphone. Dazu gibt’s einen besonderen Twist, der leider nur auf den ersten Blick genial anmutet. Ob auch der Rest des Spiels schnell seinen Glanz verliert, habe ich für Euch rausgefunden.

Das Erbe von Wario Ware wiegt schwer

Ein kurzer Exkurs zu den Wurzeln von Pictonico!: Die Wario Ware Reihe besteht seit den Tagen des Game Boy Advance und hatte ihren unbestreitbaren Höhepunkt auf dem Nintendo DS. Ihr Spielprinzip ist so genial wie einzigartig – es gilt, verschiedene Playlists aus diversen Minigames ohne Pause zu absolvieren. Mehr nicht, das war’s! Der Clou: das wahnwitzige Tempo. Jedes Minispiel dauert nicht mehr als etwa fünf bis sieben Sekunden. In diesen müssen wir geschwind verstehen, was das Spiel von uns will und korrekt handeln. Dabei hilft uns lediglich ein kleiner Hinweis (oft nur ein Wort).

  • Pictonico! Minispiel Wunderlampe
  • Pictonico! Minispiel Wunderlampe fertig

Auch die Steuerung bleibt stehts minimalistisch. Meist gilt es nur eine Taste zu drücken oder im Fall der der DS-Version und ebenso bei Pictonico! Gesten auf dem Touchscreen auszuführen. Schaffen wir das nicht rechtzeitig, geht ein Leben verloren. Nach drei verlorenen Leben ist der Durchlauf gescheitert. Dieses originelle Gameplay hat der Wario Ware Reihe zu erheblichem Erfolg verholfen. Nun soll Pictonico! das Prinzip nach langer Wartezeit auf’s Handy bringen, komischerweise ohne den gewichtigen Markennamen im Rücken. Dafür jedoch mit einem anderen Kniff.

Spieler, schenkt mir ein Foto!

Statt die bekannten Charaktere auflaufen zu lassen, arbeitet Pictonico! mit den Bildern auf dem Smartphone und baut diese in die Minispiele ein! Wir können für einen Durchgang neue Fotos direkt schießen oder unsere komplette Galerie auslesen lassen. Dann müssen wir etwa unser Gesicht unter vielen anderen erkennen oder zerschnittene Bilder wieder zusammenpuzzeln. Bis zu 80 Minispiele sind derzeit enthalten.

In den 20 Stages wird das Tempo immer schneller, bis wir irgendwann nur noch gut 3 Sekunden pro Spiel Zeit haben. Auch das Layout der Spiele variiert manchmal mit dem Schwierigkeitsgrad. Alle paar Stages schalten wir neue Modi und „Playlists“ frei.

Pictonico! Zusatzmodi© Nintendo
Die Rekordjagd bietet verschiedene Endlosdurchläufe.

Das Spielprinzip bleibt zeitlos gut und wird so noch durch den „das Gesicht ist doch aus Foto XY!“-Faktor gewürzt. Das macht im Grunde wieder eine Menge Spaß und eignet sich mehr denn je für eine kurze Runde zwischendurch. Trotzdem kann ich Pictonico! leider nicht bedingungslos empfehlen.

Ein paar „Abers“ sind inklusive

Zum einen muss man damit Leben, dass man hier im Grunde seine ganze persönlichen Fotos durch einen KI-Algorithmus schickt. Zwar versichert das Spiel, dass keine Bilder gespeichert oder in irgendeiner Form weitergeleitet werden, trotzdem wird da am Ende eine KI-Funktion mit den Bildern arbeiten und daraus lernen. Je nach persönlicher Einstellung kann man diesen Punkt durchaus kritisch sehen.

Zudem nutzt sich der Wow-Effekt unheimlich schnell ab, zumal viele Spiele die Bilder dermaßen stark verändern, dass das Ergebnis sehr austauschbar wirkt. Klar, immerhin muss das Spiel mit praktisch jedem Bild funktionieren. Dann vermisst man einfach die Charakterstärke und den Charme der Wario Ware Vorlage.

Pictonico! Bilderzusammenfassung© Nintendo
Am Ende der Stage werden die verwendeten Bilder präsentiert. Oft würde man ohne dieses Feature auch gar nicht wissen, woher die verwendeten Teile kommen.

Zudem tappt Pictonico! in die klassische Mobile-Spiel-Falle. Die gratis Standardversion dient eher als Demo und enthält lediglich drei Spiele. Weitere Packs müssen gekauft werden. Der Preis pro Pack variiert derzeit (Juni 2026) zwischen sechs und acht Euro. Aber auch die jeweiligen Spiele der Packs hat man schnell alle gesehen und spürt zügig erste Ermüdungserscheinungen. Da wäre ein Vollpreismodell mit größerer Spieleanzahl auf einmal wohl die bessere Wahl gewesen.

Fazit

Pictonico! kann mit einem zeitlos guten Spielprinzip punkten und lässt die Frage aufkommen, warum die Wario Ware Reihe nicht schon längst ihren Weg aufs Handy gefunden hat. Trotzdem nutzt sich der große Twist des Spiels viel zu schnell ab und letztlich bleibt der Eindruck zurück, dass die Bilderfunktion eben als Zusatzfunktion eines größeren Wario Ware Spiels besser aufgehoben wäre. Dann hätte der Titel auch auf der Switch erscheinen können und liefe nicht Gefahr, im Mobile Store Wirrwarr unterzugehen. So bleibt Pictonico! am Ende „nur“ eine solide Unterhaltung fürs Wartezimmer oder die nächste Busfahrt.

Test

Positiv

  • zeitlos gutes Spielprinzip
  • witzige Bilder-Idee...

Negativ

  • ...der schnell die Luft ausgeht
  • Aufteilung in relativ teure Packs lässt schnell nichts mehr zu entdecken übrig
6 / 10
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