Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties
Sega / RGG Studio
Das Remake Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties, bringt den dritten Teil der beliebten Yakuza Reihe zurück auf die modernen Geräte. Neben verbesserter Grafik bringt das Spiel aber auch einige Änderungen an den Nebenmissionen und komplett neue Handlungsstränge mit sich. Damit aber nicht genug, als zusätzlichen Schmankerl serviert euch Konami auch noch eine zweite seperat spielbare Kurzgeschichte „DarkTies“. Und was soll ich sagen… dieses Spiel ist definitiv ein Spiel voller Ambivalenzen.
Zwischen Ruhestand und Machtspielen
Falls ihr übrigens, wie ich auch, die Vorgänger nicht gespielt haben solltet, macht euch keine Sorgen: Zu Beginn des Spiels könnt ihr euch durch Zwischensequenzen Zusammenfassungen der Vorgeschichte zu Yakuza 3 anschauen. Durch die erhaltet ihr einen guten Überblick über die Story. Ihr solltet dafür aber ein bisschen Zeit einplanen. Wollt ihr beide Zusammenfassungen ansehen seit ihr gut zwei Stunden (!) beschäftigt. Zum Glück braucht ihr die Vorgeschichte aber auch nicht wirklich, um der Handlung in Yakuza 3 folgen zu können.
Im Remake von Yakuza 3 geht es wie im Original um den ehemaligen Yakuza Boss Kazuma Kiryu, der sich nach den Geschehnissen in den ersten zwei Teilen aus dem Yakuza-Business einfach nur noch zurückziehen möchte. Stattdessen will er seinem Ziehvater zu ehren ein Waisenhaus in Okinawa eröffnen. So tauscht Kiryu seine von Neonreklamen überladene Heimat in Tokyo gegen gleisende Strände und ewige Machtkämpfe gegen Mathenachhilfe.
© Sega / RGG StudioDoch obwohl Kiryu für seine Waisenkinder einfach nur der beste Papa der Welt werden möchte, währt der Frieden nur kurz: Denn rein zufällig soll genau dort, wo das Waisenhaus steht entweder ein neues Luxusressort oder ein taktischer Militärstützpunkt entstehen. Im Kampf um den Erhalt des Waisenhauses verstrickt sich Kiryu wieder in allerhand politischen Intrigen und (wer hätte es in einem Yakuza-Spiel erwartet?) Yakuza-Machtkämpfen. Die Geschichte nimmt dabei ursprünglich gut Fahrt auf und verspricht ein interessantes Mystery-Gangster-Epos zu werden, dümpelt allerdings leider irgendwann ein bisschen zu lange vor sich hin und verliert sich zu oft in nichtssagenden ausschweifenden Dialogen.
© Sega / RGG StudioZwischen Yakuza und bestem Papa der Welt
Was der etwas lahmen Haupthandlung fehlt, gleicht Yakuza dafür allemal mit einer Wagenladung unterhaltsamer Nebengeschichten aus. Das fängt bereits mit den zahlreichen Aufgaben an, die ihr für das Waisenhaus erledigen könnt. Hier könnt ihr Angeln gehen, Kochen, den Kindern bei ihren Hausaufgaben helfen und ihnen hübsche Dinge nähen.
© Sega / RGG StudioHelft ihr euren Kindern oft genug, steigt ihr im Paparang auf, erhöht die Bindung zu euren Kindern und schaltet so charmante kleine Zwischensequenzen frei und verdient euch etwas Taschengeld. (Kein Spaß: aus irgendeinem Grund geben in Yakuza 3 euch eure Kinder Taschengeld, wenn ihr Aufgaben im Waisenhaus übernehmt…).
An alle Fans des alten Yakuza 3 Spiels habe ich auch eine kleine Entwarnung: Im Gegensatz zu früher ist der meiste Content im Waisenhaus rein optional und ihr könnt recht schnell in die Haupthandlung einsteigen.
© Sega / RGG StudioIch will doch nur mein Waisenhaus retten!
Tatsächlich lauern auch abseits der Rettung des Waisenhauses eine Wagenladung an unterhaltsamen Nebenmissionen auf euch. Egal wo ihr auch hingeht Kiryu schafft es immer sich in den seltsamsten Situationen zu verstricken. So müsst ihr beispielsweise die Identität eines Musikers übernehmen, um einen Schwarm an Fans abzulenken, Eiscreme durch eine Horde trainierender Sumoringer manövrieren oder versuchen den schnellsten Mann der Welt, verkleidet als Schildkröte zu erwischen.
© Sega / RGG StudioZwar gibt es anstatt den 119 Nebenmissionen aus dem Orginal in Kiwami nur noch 31, doch dafür haben es diese 31 Missionen in sich. Tatsächlich sind sie für mich daher auch das absolute Highlight des Spiels. Bis auf wenige Ausnahmen, waren sie alle äußerst unterhaltsam erzählt, manchmal auch komplett dämlich (das meine ich hier äußerst positiv!) und alle versehen mit einer ordentlichen Portion weirdem Japano-Bullshit-Charme (Takeshis Castle und Co. lassen grüßen!).
Hervorheben möchte ich dabei auch, dass wirklich keine der Nebenmissionen der anderen gleicht und viele davon eigene kleine Mechaniken mitbringen. Beim Essen ausliefern müsst ihr z. B. leise sprechen, weil die Ehefrau nicht mitbekommen soll, dass ihr Mann sich schon wieder Ramen bestellt hat, während ihr bei einem anderen Kunden so laut Schreien müsst, dass es die ganze Nachbarschaft mitbekommt, weil der Kunde immer gerne laute Musik hört.
Ihr merkt schon, in Yakuza Kiwami 3 ist so gut wie nichts eine reine Fetch-Quest alla „Hol mir mal eben 3 Fische“ – Da wünschte ich mir, dass sich das ein oder andere Open-World-Spiel eine Scheibe von abschneidet.
Eine Sache, bei der ich jedoch etwas zwiegespalten bin, ist dass sich manche Nebenmissionen automatisch aktivieren, sobald ihr in die Nähe von bestimmten Situationen kommt. Dadurch wirkt die Welt zwar ziemlich dynamisch und lebendig. Allerdings wollte ich auch manchmal einfach nur die nächste Hauptmission machen, und wurde auf dem Weg mehrfach durch Nebenmissionen aufgehalten. So wirklich schlimm ist das zwar nicht, da die Nebenmissionen im Regelfall auch recht schnell absolviert sind, dennoch kann es einen auch schnell aus der Geschichte herausreisen – gerade wenn diese doch einmal etwas spannender ist.
Frauenpower!
Neben diesen kurzweiligen Nebenmissionen, gibt es auch eine größere Reihe an Sidequests, die schon fast den Raum eines optionalen Nebenplots einnehmen. Im Verlaufe des Abenteuers trifft Kiryu auf eine reine Frauen-Gang: die „Haisai-Girls“. Dies ist eine Gruppierung von Freundinnen, die ihre Heimatinsel Okinawa gegen die Tokyo Night Terrors schützen wollen. Begeistert von Kiryus Fähigkeiten, machen die Haisai-Girls ihn zu ihrem neuen Anführer. Daraufhin ist es eure Aufgabe neue Mitglieder für eure Gang zu sammeln. Nach dem Prinzip von Like a Dragon: Pirate Yakuza in Hawaii (Unseren Test zu dem abgedrehten Japano-Piraten-Epos könnt ihr hier nachlesen.) nehmt ihr von Omi bis Ninja fast alles in eure Bande mit auf und messt euch anschließend in Wettkämpfen mit anderen Gangs. So erhöht ihr nach und nach euren Gang-Rang, schmiedet Allianzen und versucht die Tokyo Night Terrors für immer von Okinawa zu verbannen.
© Sega / RGG StudioWas als spannender Nebenplot beginnt, wird allerdings leider sehr schnell repetitiv. Um neue Bandenmitglieder zu erhalten, müsst ihr meist einfach irgendwen verkloppen, in den Wettkämpfen kloppt ihr euch immer mit irgendeiner anderen Gang und die großen Story-Events bestehen daraus – ihr habts vielleicht schon erraten – irgendwen zu verkloppen. Insgesamt ist das sehr schade, da der Plot um die Haisai-Girls wieder einmal wirklich charmant erzählt ist, allerdings das Gameplay im großen Gegensatz zum restlichen Spiel fast reines Grinden ist.
Kloppen
Da wir schon beim Thema sind: Natürlich wird sich in Yakuza Kiwami 3 auch ordentlich gekloppt. Das Kampfsystem ist dabei relativ einfach gehalten und über wenig komplizierte Tastendrücke löst ihr ansehnliche Kombos aus. Zusätzlich zum reinen Faustkampf aus dem Originalen Yakuza 3 gesellt sich in Kiwami noch ein Waffenkampfstil. Je nach Angriff zaubert Kiryu dann eine andere Waffe hervor und verkloppt damit die Gegner. Das Kampfsystem ist dabei recht kurzweilig und unterhaltsam. Vor allem der neue Waffenkampfstil verleiht dem Ganzen dank einer Mischung von einfachen und Flächenangriffen ein klein wenig Taktik. Insgesamt fühlt sich das Kampfystem schön wuchtig an und macht vor allem zu Beginn viel Spaß.
Allerdings werden die Kloppereien gerade zu Ende des Spiels recht eintönig, weil dem Kampfsystem dafür einfach die Tiefe fehlt, die meisten Gegner sowieso kaum eine Herausforderung darstellen und ihr jeden Move bis dahin schon mindestens 30 Mal gesehen habt.
© Sega / RGG StudioZwischen Graus und Pracht
Eine weitere Sache, der ich ambivalent gegenüberstehe ist die Grafik. Denn Yakuza Kiwami 3 & DarkTies ist ein waschechtes Remake aus dem Jahr 2026. Im Vergleich zum Original hat sich deshalb auch einiges an der Grafik verbessert. Vor allem die Gesichter in den Cutscenes sind meist wirklich ein echter Hingucker.
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© Sega / RGG StudioDoch diese Qualität hat das Spiel leider nur selten. Auch wenn das Spiel meist recht in Ordnung aussieht, würde man von einem so großen Franchise im Jahr 2026 einfach etwas anderes erwarten. Das liegt vermutlich auch daran, dass genau wie in Pirate Yakuza in Hawaii das Spiel immer noch auf die mittlerweile 10(!) Jahre alte Dragon Engine setzt. An einigen Teilen des Spiels kann man sich auch zurecht fragen, ob den Entwicklern dort die Zeit ausgegangen ist.
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© Sega / RGG StudioZwischen sinnvollen neuen Storyinhalten und ärgerlichen Änderungen
Das Spiel bringt neben der ursprünglichen Handlung von Yakuza 3 auch eine komplett neue Kampagne mit sich: Die Hintergrundgeschichte von Yakuza Mine, der maßgeblich in die Geschehnisse von Yakuza 3 verstrickt ist. Die Geschichte spielt sich dabei relativ schnell weg und gibt einen guten Einblick, wie Mine zum Tojo Clan gekommen ist und sich dort kalkuliert nach oben gearbeitet hat. Im Gegensatz zu Kiryu ist Mine aber kein herzensguter Mensch, sondern stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht – immer umgeben von einer leicht bösen Aura. Keine Sorge: Das Spiel wird dadurch nicht plötzlich komplett düster und behält auch hier und da seinen Humor. Alles in allem ist Dark Ties eine nette Ergänzung für all die, die nach dem durchspielen der Hauptstory noch ein bisschen mehr Yakuza Content möchten. Dark Ties alleine wird aber wohl niemanden vom Hocker hauen.
Eine Sache stößt vielen Fans allerdings sauer auf: Die Änderungen an der Geschichte. Die meisten davon sind zwar relativ klein, doch es werden teilweise die Schicksale von dem ein oder anderen Charakter abgeändert. Zugegeben kann ich als jemand, der das Original nicht kennt relativ wenig dazu sagen. Allerdings kann ich den Frust verstehen, vor allem bei der letzten Szene im Spiel, bei der selbst ich mich gefragt habe, warum man sich dazu entschieden hat, diese ins Spiel einzufügen. (Vor allem, weil das Spiel auch einfach wie im Original genau vor dieser Szene hätte enden können…)
So oder so fand ich die Story in Yakuza Kiwami 3 eher ausreichend spannend, als wirklich überragend interessant. Für mich war sie einfach das nötige bisschen Ernst und Drama, neben den ganzen Blödeleien in den Nebenmissionen, um das Spiel zusammenzuhalten.
Fazit
Wer generell auf abgedrehten Japano-Humor steht, oder nach einem stressigen Tag einfach immer mal wieder ein zwei unterhaltsame Nebenmissionen erledigen möchte, für den ist Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties definitiv einen Blick Wert.
Wer allerdings ein großes, gut geschriebenes Gangsterepos, oder das raffinierteste Gameplay erwartet, der wird eher enttäuscht sein.

Kai hat dank André den Weg in unser Team gefunden und bereichert dieses vor allem im Genre der Roguelikes. Mit diesen hat er sich bereits so manche Nacht um die Ohren geschlagen, weshalb wir auf seine geballte Expertise zurückgreifen dürfen. Allgemein schlägt Kais Herz für Indie-Games, da diese so manche Überraschung bereithalten. Hochkaräter wie die Monster Hunter-Reihe kennt Kai aber ebenso wie seine Westentasche.
Positiv
- vollgepackt mit Japanohumor
- absurde und kreative Nebenmissionen
- allerlei unterhaltsame Minigames
Negativ
- Geschichte zieht sich teilweise
- Kämpfe wenig Anspruchsvoll
- Grafik nicht immer zeitgemäß
