NBA 2K27
Noch wenige Sekunden auf der Uhr. Die Halle steht Kopf, der Spielstand im letzten Viertel des zweiten Spiels der Finalserie zwischen den Miami Heat und den Dallas Mavericks ausgeglichen. Noch 18,8 Sekunden zu Spielen. Jason Kidd wird auf Höhe der Mittellinie von Mario Chalmers verteidigt. Die Mavericks lassen die Uhr soweit, wie möglich herunterlaufen. Mit 10,2 Sekunden erhält Dirk Nowitzki den Ball an der Dreierlinie. Chris Bosh ist eng dran und verteidigt sensationell. Plötzlich eine schnelle Drehung aus dem Post Richtung Korb. Die Hilfe von Udonis Haslem kommt zu spät und Nowitzki trifft mit einem Korbleger von links. Die Dallas Mavericks gehen mit zwei Punkten in Führung. Der nachfolgende Wurf von Lebron James ist nicht erfolgreich und der Sieg geht nach Dallas…
Was war das 2011 für eine geile Serie? Am Ende krönen sich die Dallas Mavericks zu ihrer ersten Meisterschaft und der deutsche Dirk Nowitzki wird zur Legende. Wer diese Finals noch einmal erleben will, der kann das seit dem 04. September 2026 auf PC, Playstation 5, Xbox Series X|S & Nintendo Switch 2. Seit Anfang September ist die neue Basketball-Simulation von 2K unter dem Namen NBA 2K27 spielbar. Der Serienableger verspricht nicht nur eine noch realistischere Spielerfahrung, sondern auch eine überarbeitete Defensive, zusätzliche Karriereoptionen und zahlreiche Verbesserungen abseits des Spielfelds.
Doch können die Entwickler mit diesen Neuerungen tatsächlich einen Volltreffer landen oder erwartet die Basketball-Fans lediglich das alljährliche Kaderupdate?
Gameplay auf allerhöchstem Niveau
Das Herzstück ist und bleibt das Geschehen auf dem Spielfeld. Hier kann NBA 2K27 wieder einmal seine größten Stärken ausspielen. Bereits die ersten Ballwechsel verdeutlichen, wie viel Wert auf authentische Bewegungsabläufe, taktische Tiefe und das Zusammenspiel der einzelnen Akteure gelegt wird.
Grundlegend empfand ich das in allen Teilen, die ich gespielt habe immer so, weshalb dies als Standardsatz auch im neuen Ableger genutzt werden kann. Jedoch muss ich gestehen, dass ich NBA 2K26 ausgelassen habe – auch wenn mir das als Basketball-Fan unglaublich schwer fiel. Aus dem Grund empfinde ich die Spielabläufe umso krasser, was viele von euch, die den Vorgänger gezockt haben, eventuell nicht so spüren werden. Ich nehme diesen virtuellen Figuren ihre Bewegungen zu 100% ab. Wenn also die Rede von Authentizität ist, dann kann ich das einfach nur bejahen. Kleine Spieler – wie Jalen Brunson – sind unglaublich flink und schnell und verteidigen lateral auch unglaublich stark, wobei große Center sehr schwerfällig daherkommen. Dafür sind sie sehr robust und ein Pick (wie man so schön sagt), fühlt sich richtig gut an. Allein die Tatsache, dass sich jeder Spieler für mich irgendwie individuell spielt, bringt mir so viele taktische Möglichkeiten und ein wirklich realitätsgetreues Simulationsspiel.

Besonders auffällig sind die Verbesserungen in der Defensive. Während sich Verteidiger in früheren Ablegern gelegentlich behäbig anfühlten, erhalten die Spieler nun auch mehr Möglichkeiten, das Geschehen aktiv zu beeinflussen. So lassen sich Gegenspieler besser abschirmen, Laufwege gezielter unterbrechen und Würfe effektiver stören. Meine Lobeshymnen lassen sich vor allem durch die angepassten Verteidigungsanimationen und Kollisionsabfragen stützen und gewinnen enorm an Glaubwürdigkeit. Aber nicht nur in der Defensive hat sich einiges getan, auch Offensiv lässt sich das neue NBA 2K27 sehen. Das erweiterte Dribblingsystem erlaubt individuelle Bewegungsabläufe, während neue Korblegervarianten für zusätzliche Möglichkeiten in Korbnähe sorgen. Vor allem der Wechsel zwischen schnellen und langsamen Aktionen in Verbindung mit dem Passspiel oder Blöcke stellen, sorgen dafür, dass man gegnerische Verteidigungen auseinandernehmen kann.
© Take-Two Interactive SoftwareIn Sachen Wurftechnik besitzt jeder Spieler seine Eigenheiten. Mehr als 7.000 neue Animationen sollen dafür sorgen, dass sich die Bewegungen der Basketballstars noch näher an ihren echten Vorbildern orientieren. Das bedingt einige Übungszeit mit den Spielern seines Lieblingsteams bevor man das Timing inne hat. Was mir persönlich oft als Fluch und Segen vorkam, ist folgender Fakt. Stellt euch vor einer eurer Recken hat sich erfolgreich ohne Gegenspieler an die Dreierlinie begeben. Der Pass kommt an und die Wurftaste wird gedrückt. Zu Beginn ist der grüne Balken der Wurfanzeige schön groß, weil ja kein Gegner in der Nähe ist. Während der Wurfanimation springt ein Gegner noch in die Nähe um den Wurf zu contesten. Und plötzlich verkleinert sich der grüne Balken schlagartig. Das blöde an der Sache ist, dass ich die Wurftaste bereits losgelassen habe und damit nicht mehr im grünen Bereich lande – ergo der Wurf verfehlt den Korb. Wie gesagt, das ist einerseits wirklich super, weil man die Auswirkungen von Defense spürt, andererseits habe ich selten so viele offene Dreier vergeben. Jedoch scheint es wohl eher an mir zu liegen.

Meine Karriere – die wohl typische Variante in die NBA zu gelangen
Für eine Vielzahl an Gamern zählt der Karrieremodus seit vielen Generationen zum wichtigsten Bestandteile der NBA 2K-Reihe. Viele nutzen den Modus, um ihren Spieler für die „Straße“ fit zu machen. Im Großen und Ganzen muss man aber sagen, dass es kaum Veränderungen gibt. Klar, die Hintergrundgeschichte variiert von Spiel zu Spiel, dennoch ist der Grundgedanke stets identisch. Man fangt als No-Name an und arbeitet sich nach oben – oftmals auch in Kombination mit einem arroganten Alleingänger, der sich plötzlich um 180° dreht und zum Teamplayer wird. Wer darüber hinwegsehen kann, der erhält letztlich eine gut inszenierte Geschichte rund um seinen eigenen Spieler.

Was mir persönlich sehr gefallen hat, war die Festlegung der maximal erreichbaren Werte meines Spielers noch bevor das erste Dribbling geschah. Hier ist also Obacht gefragt. Man sollte im Vorfeld wissen, welche Eigenschaften der eigene Spieler haben soll bzw. auf welcher Position man starten möchte. Außerdem benötigt man ein klitzekleines bisschen Wissen über Basketball, um die Eigenschaften sinnvoll zu verteilen. Ein Center, der nicht gut im Rebounden ist, sollte kein Center spielen. Im Anschluss kann man über die bekannte In-Game-Währung seinen Spieler verbessern.
Der zweite Punkt der mir dieses Jahr gut gefallen hat, waren die Aufgaben während des Spiels. Damit meine ich nicht „Gewinne das Spiel“ oder „Schaffe einen Mitspielerwert von A“, sondern vielmehr die Aufgaben, in denen man dafür sorgen muss, dass seine Mitspieler eine gute Figur machen. Das lenkt den Fokus man weg von dem egoistischen Gameplay des eigenen Spielers. Nun muss (!) der Ball abgegeben werden.
Und Veteranen der 2K-Reihe werden sich freuen, einen Altbekannten wieder zu treffen.
Die Stadt
Alle Spieler, die ihren Charakter auf das höchste Level spielen wollen, werden um die Stadt nicht herumkommen. Sie ist die Anlaufstelle Nummer eins für soziale Kontakte, ein paar umkämpfte Spiele und ausgeben von In-Game-Währung. Auch hier muss man gestehen, dass die Stadt wieder beeindruckend ist. Sie bietet zahlreiche Möglichkeiten für Gelegenheitsspieler sowie Hartgesottenen.

Trotz der vielen positiven Aspekte, bietet die Stadt und das Drumherum um den eigenen Spieler seine Schattenseiten. Wer viele V-Coins besitzt, der kann seinen Charakter sofort auf ein ganz anderes Level kaufen. Im Vergleich sind die Auswirkungen dann riesig. Es macht definitiv einen Unterschied, ob ich einen Dreier mit einem Wert von 70 oder 80 Punkten werfe. Wer kein Echtgeld ausgeben will, der muss sich auf viel Grinden einstellen, auch wenn man durch „normale“ Spiele recht viele Münzen erspielen kann. Des Weiteren ist die Navigation meiner Ansicht nach recht umständlich, um zwischen unterschiedlichen Aktionen zu wählen. Man kann eben nur mit kleinem Aufwand eine Partie starten.
MyTeam
Das grundlegende Konzept bleibt wie immer unverändert: Aus unterschiedlichen Spielerkarten stellt man seine persönliche Traummannschaft zusammen und tritt gegen die KI sowie menschliche Kontrahenten an. Besonders reizvoll ist die Möglichkeit, aktuelle NBA-Stars mit Spielern vergangener Jahrzehnte zu kombinieren. NBA 2K27 erweitert diesen Modus unter anderem um ein Player-XP-System, mit dem sich Karten durch Spieleinsätze verbessern lassen.

Der MyTeam-Modus reiht sich aber fast nahtlos in die Kategorie des eigenen Spielers ein. Klar ist es cool, Boosterpacks zu öffnen und sein Team aus sämtlichen weiblichen und männlichen Basketballstars zusammenzubauen. Jedoch sind die Preise für eine Karte, ein oder mehrere Boosterpacks wieder unverschämt. 999 V-Coins für eine Karte eines Teams – wer da auf seinen Lieblingsspieler hofft, darf mit etwas Pech eine Menge Münzen ausgeben. Zusätzlich wird man aber auch verleitet, Echtgeld zu investieren, um weitere Packs zu öffnen.

Meine NBA
Dieser Modus ist wie für mich geschaffen. Ich bin weder jemand der seinen eigenen Charakter in die Leaderboards einträgt, noch spiele ich die Varianten, die man im damaligen FIFA als Ultimate Team bezeichnete. Ich schnappe mir lieber eines der Teams und spiele eine Saison nach der anderen. Hier hat man zahlreiche Möglichkeiten, sein Team zu verwalten und nach seinen Wünschen anzupassen. Ein wichtiges Detail, welches allerdings selbstverständlich sein sollte ist, dass man auch den NBA Cup als Option hinzufügen kann. Das macht es für mich einfach schöner und schafft eine Atmosphäre der realen Saison.

Wer Freude daran hat, langfristige sportliche Entscheidungen zu treffen und den Werdegang einer Mannschaft über viele Spielzeiten zu verfolgen, kann hier also zahlreiche Stunden verbringen.
Grafik und Atmosphäre – fast wie eine echte Übertragung
Man kann davon halten, was man will, aber die Amerikaner wissen einfach, wie man Sportevents darstellen muss. Und genauso wie die Sportkontrahenten aus Football und Eishockey macht Basketball hier einen sensationellen Eindruck. Die Stärken der Vorgänger werden erneut ein- und ausgebaut. Die Charaktermodelle sehen unglaublich detailliert aus und werden den Originalen immer ähnlicher. Auch den Zuschauern werden immer mehr kurze Sequenzen eingeräumt. So tanzen bspw. einige Fans in die Kamera oder heizen die Stimmung an.

Wer sich in einem umgekämpften Spiel im letzten Viertel befindet, der weiß, wie man eine Atmosphäre darstellen muss. Man spürt auf der heimischen Couch, wie die Halle brennt und wie plötzlich jeder Wurf als Gastmannschaft immer schwerer wird. Das ist zwar kein neues Gefühl, aber immer noch eines, dass ich in kaum einem anderen Spiel so erlebe.
Und nicht nur auf dem Platz geht es heiß her. Auch in den Menüs wird mit einer perfekt abgestimmten Musikauswahl der Basketballerherz höher schlagen. Es sind wieder so viele gute Titel implementiert worden, dass man teils lieber in den Menüs verweilt.
Die verschiedenen Versionen des Spiels
Man kann das Spiel in drei verschiedenen Varianten erwerben. Die Standardversion sollte beinahe klar sein. Hier erhält man Victor Wembanyama auf dem Cover und als Vorbesteller 10.000 VC. Die Deluxe Edition zeigt Caitlin Clark auf dem Titelbild. Hier bekommt man neben dem Hauptspiel zusätzlich 100.000 VC, 7 Tage Frühzugriff, Skill- und Gaterode-Boosts, die Trikots von Wembanyama und Clark und zwei Mal zwei Stunden EP-Münze. In der letzten Version ist einer meiner Lieblingsspieler Derrick Rose zu sehen und man erhält neben dem Spiel alle Inhalte der Deluxe Edition. Hinzu kommen 135.000 VC statt den 100.000 VC, mehr Packs, mehr Verbesserungen. Sprich die volle Ladungen NBA 2K27.
Wie ihr euch denken könnt unterscheiden sich die Preise der Versionen natürlich. Den Start macht die Standardversion mit 80€, gefolgt von der Deluxe Variante mit knapp 100€ und die letzte Edition kostet den Spieler unfassbare 149€. Am Ende stellt sich die Frage, ob man das wirklich benötigt. Für einen Spieler, wie mich, ist es cool, diese ganzen zusätzlichen Inhalte zu haben. Allerdings sehe ich mich eher bei „Meine NBA“ als bei „MyTeam“ oder in der Stadt, sodass die ganzen Booster, Extra-VC usw. nicht notwendig sind. Wer seinen eigenen Spieler direkt auf einen Wert von mindestens 80 anheben möchte, der kann gern darüber nachdenken, obwohl auch hier sicherlich die knapp 100€ ausgereicht hätten. Im Endeffekt muss das aber jeder für sich entscheiden, welche Version er benötigt.
Fazit
Ganz ehrlich – ich finde NBA 2K27 ein großartiges Spiel. Die Bewegungsabläufe, die Verteidigung und die Animationen sind sehr gelungen. Als Basketball-Fan muss man einfach zuschlagen. Es gibt so viele Möglichkeiten sich im Spiel auf die ein oder andere Weise zu verlieren, so dass jeder irgendwo auf seine Kosten kommt. Der größte Kritikpunkt bleibt immer noch im Pay-to-Win-Bereich. Gebe ich Geld aus, gelangt mein Spieler ohne Probleme auf Höchstlevel und setzt sich gegen andere Spieler durch. Das schmälert eindeutig das Spielerlebnis und schreckt mich im PvP-Modus ab. Außerdem empfinde ich die Schrift in vielen Bereichen einfach zu klein. Ich möchte ohne Probleme sehen wollen, wer bspw. ein oder ausgewechselt wird. Mit diesen kleinen Spielerbildern und der noch kleineren Schrift ist das so gut wie nicht möglich.

Positiv
- realisitisches und verbessertes Gameplay
- enormer Umfang mit vielseitigen Spielmodi
- atmosphärische Präsentation und detailierte Animationen
Negativ
- teilweise langwieriger Spielfortschritt
- Pay-to-Win

Flo ist ein Spieler durch und durch. Egal, ob Karten-, Brettspiele oder Spiele in der digitalen Welt – alle sind ihm heimisch. Seine Anfänge machte er mit dem damaligen Spiel „Hugo“ oder der blauen Edition auf dem Gameboy Color. Im Jugendalter widmete er sich neben seinem sportlichen Ausgleich dem Strategiegenre, weshalb „Age of Empires 2“ oder die „Total War“-Reihe immer noch zu seinen Lieblingsspielen zählen.
Neben diversen Strategiespielen ist er auch ein großer Freund von sämtlichen kooperativen Games. Aus diesem Grund zählen wohl „7 Days to Die“ und „Dead by Daylight“ zu den am meisten gespielten Spielen überhaupt. In diesem beiden Titeln kann und konnte er auf beste Unterstützung von Maik und Gunter zählen.
Wichtig ist allerdings, dass die Spiele eine Crossplay-Funktion besitzen, da er vorwiegend auf der Playstation unterwegs ist. Der PC und die Nintendo Switch befinden sich aber auch in seinem Repertoire.
