Bravely Default Flying Fairy HD Remaster
Mit Bravely Default Flying Fairy HD Remaster bringt Square Enix eines der beliebtesten modernen JRPGs endlich auf Steam. Nach Jahren auf dem Nintendo 3DS dürfen Spieler nun zum (zusammen mit Besitzern einer Nintendo Switch 2, unseren Test dazu findet ihr hier) ersten Mal in hoher Auflösung, mit stabilen Framerates und ohne Handheld-Limitierungen durch Luxendarc reisen. Zumindest auf dem Papier klingt das nach der definitiven Version des Spiels. In der Praxis hinterlässt der Port jedoch einen deutlich gemischteren Eindruck.
Denn während das Grundgerüst erstaunlich solide funktioniert, merkt man an vielen Stellen, dass dieses „HD Remaster“ technisch deutlich weniger ambitioniert ausfällt, als der Titel vermuten lässt.
Endlich raus aus der 3DS-Falle
Schon nach den ersten Minuten wird klar, wie sehr Bravely Default von moderner Hardware profitiert. Menüs reagieren sofort, Kämpfe laufen flüssig und die Ladezeiten sind angenehm kurz. Gerade wer das Original auf dem 3DS gespielt hat, merkt sofort, wie viel angenehmer sich das gesamte Spieltempo mittlerweile anfühlt.
Auch optisch profitiert das Spiel zunächst enorm vom Sprung auf den PC. Die berühmten handgemalten und um 3D „gewickelten“ Hintergründe sehen auf einem großen Monitor oder Fernseher immer noch wunderschön aus und gehören ohne Frage zu den größten Stärken des Spiels. Städte und Landschaften wirken detailreich, atmosphärisch und transportieren genau diesen märchenhaften Stil, für den Bravely Default damals so gefeiert wurde.
© Square Enix / Claytechworks / Silicon StudioTechnisch läuft das Spiel dabei überraschend stabil. Selbst auf mittelmäßiger Hardware sind hohe Framerates problemlos möglich und die Systemanforderungen fallen erfreulich niedrig aus. Im Gegensatz zu einigen anderen Square-Enix-PC-Ports wirkt Bravely Default zumindest funktional sauber umgesetzt.
Doch je länger man spielt, desto stärker bröckelt diese Fassade.
Das Problem mit dem „HD Remaster“
Denn trotz höherer Auflösung wird schnell deutlich, dass viele Assets kaum modernisiert wurden.
Während die Hintergründe hervorragend altern, sehen zahlreiche Modelle, Effekte und Texturen sichtbar nach ihrer 3DS-Herkunft aus. Einige Oberflächen wirken matschig, bestimmte Gegnermodelle besitzen extrem niedrige Polygonzahlen und manche Effekte erinnern eher an ein hochskaliertes Handheld-Spiel als an ein modernes Remaster.
© Square Enix / Claytechworks / Silicon StudioBesonders auffällig wird das bei Kamerabewegungen oder Übergängen: Teilweise wirken Texturen sichtbar verspätet geladen oder wechseln mitten im Bild plötzlich ihre Auflösung. Das Spiel bleibt dabei zwar flüssig, aber der technische Gesamteindruck fühlt sich oft unfertig an. Leider zieht sich das so durch den ganzen Port.
Denn Bravely Default funktioniert zwar zuverlässig, wirkt dabei aber gleichzeitig erstaunlich minimalistisch mit den wenig modernen Grafikoptionen, dem Fehlen von großen technischen Extras und dem wenig sichtbaren Aufwand bei der Überarbeitung älterer Assets.
© Square Enix / Claytechworks / Silicon StudioDadurch entsteht nie wirklich das Gefühl, dass Square Enix hier eine große Neuauflage veröffentlichen wollte. Stattdessen fühlt sich vieles eher wie ein funktionaler Upscale an.
Denuvo hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack
Zusätzlich nutzt die Steam-Version Denuvo Anti-Tamper DRM.
Das ist besonders bei einem Singleplayer-JRPG-Remaster schwer nachvollziehbar. Gerade Spiele wie Bravely Default leben davon, langfristig erhalten, modifiziert oder Jahre später erneut gespielt zu werden. Stattdessen hängt auch hier wieder zusätzlicher DRM-Ballast an einem eigentlich komplett offline spielbaren Titel.
Direkte Performance-Probleme konnte ich dadurch zwar nicht feststellen, aber allein die Existenz von Denuvo hinterlässt einen unnötig negativen Beigeschmack.
Trotzdem wahrscheinlich die beste Version des Spiels
Das Frustrierende daran ist: Trotz aller Kritikpunkte ist dies wahrscheinlich trotzdem die beste Version von Bravely Default.
Die höhere Auflösung, die stabile Performance und die modernen Komfortfunktionen machen einen enormen Unterschied. Besonders die schnellen Kämpfe und das flüssigere Gesamtspielgefühl sorgen dafür, dass sich der PC-Port deutlich angenehmer spielt als die ursprüngliche 3DS-Version.
Doch genau deshalb fällt umso stärker auf, wie viel Potenzial hier liegen gelassen wurde.
Mit etwas mehr technischer Überarbeitung hätte dieses Remaster eine wirklich beeindruckende Neuauflage werden können. Stattdessen bleibt das Gefühl zurück, dass Square Enix gerade genug gemacht hat, damit der Port „gut genug“ funktioniert.
Fazit
Bravely Default Flying Fairy HD Remaster auf Steam ist technisch kein schlechter Port. Das Spiel läuft stabil, unterstützt moderne Hardware ordentlich und macht das ursprüngliche 3DS-Erlebnis deutlich angenehmer spielbar.
Gleichzeitig fehlt dem Remaster jedoch fast überall der letzte Feinschliff. Viele Assets wirken sichtbar gealtert, manche Texturen erstaunlich unscharf und die gesamte Präsentation bleibt hinter dem zurück, was man heute von einem hochwertigen HD-Remaster erwarten würde.
Wer Bravely Default schon immer in hoher Auflösung spielen wollte, bekommt hier trotzdem die vermutlich beste Version des Spiels. Wer allerdings eine aufwendig modernisierte Neuauflage erwartet, dürfte schnell merken, dass unter der hübscheren Oberfläche immer noch sehr deutlich ein 3DS-Spiel steckt.

Positiv
- Stabile 60 FPS und kurze Ladezeiten
- Wunderschöne Hintergründe in hoher Auflösung
- Definitiv die angenehmste Version des Spiels
Negativ
- Viele Texturen und Modelle wirken kaum überarbeitet
- Unnötiges Denuvo-DRM in einem Singleplayer-Spiel

Als typisches Kind der 90er begann Viktors Gamingleidenschaft mit der PS1 und dem N64 – die erste eigene „Konsole“ war ein lila-transparenter Gamebody Colour mit Pokémon in der gelben Edition. Von Playstation 1-4 wanderten relativ regelmäßig neue Konsolen und Spiele ins Haus, am Liebsten Titel wie Silent Hill, Haunting Ground, Final Fantasy und Kingdom Hearts, aber auch Gamecube, Wii und Switch zogen über die Jahre ein.
Erst mit dem Release der Xbox Series X wanderte er aus dem Camp Sony ab.
In den 2010ern entdecke er seine Liebe für RPG Maker-Klassiker wie Ib und The Witch’s House – denn dafür reichte der schwache Laptop noch aus. 😉 Vom ersten „großen“ Gehalt gab’s dann den ersten Gaming PC, auch wenn er heute einen entspannten Abend auf der Couch mit dem Controller in der Hand bevorzugt.
Heute faszinieren ihn die verschiedensten Titel, von „Baldur’s Gate 3“ über „Stardew Valley“, „Red Dead Redemption 2“ oder auch „Stray“. Ob Adventure, Horror, Fantasy oder Farming Sim – das Genre ist nicht wichtig, hauptsache der Spielspaß stimmt!
Wenn’s mal ein Gaming-Abend ohne PC sein soll, greift Viktor sowohl auf Pen&Paper Klassiker wie Shadowrun und DSA zurück, aber er probiert auch gerne Systeme aus, die weniger bekannt sind („One in a Million / Discworld“ oder „Wanderhome“).
