Die wandelnden Türme


Die wandelnden Türme ist ein im Februar 2022 erschienenes Brettspiel, das sich klar im Bereich moderner Familienspiele positioniert. Entwickelt wurde es von den erfahrenen Autoren Wolfgang Kramer und Michael Kiesling, die bereits zahlreiche erfolgreiche Titel veröffentlicht haben. Für die grafische Gestaltung ist Michael Menzel verantwortlich, dessen Illustrationen dem Spiel eine märchenhafte, leicht verspielte Atmosphäre verleihen.
Inhaltlich dreht sich alles um Magier, die sich durch wandelnde Türme bewegen – ein Mechanismus, der dem Spiel seinen Namen gibt und gleichzeitig das zentrale Element des Gameplays darstellt. Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass hier ein Spiel vorliegt, das sowohl optisch als auch mechanisch darauf ausgelegt ist, ein breites Publikum anzusprechen: einfache Regeln, aber mit genug Tiefe, um auch über mehrere Partien hinweg interessant zu bleiben.
© ABACUSSPIELE Verlags GmbHSpielaufbau
Der Spielaufbau gestaltet sich insgesamt angenehm unkompliziert. Die Anleitung ist klar strukturiert, logisch aufgebaut und verzichtet auf unnötig komplexe Formulierungen. Dadurch gelingt es auch weniger erfahrenen Spielern, sich schnell im Regelwerk zurechtzufinden. In der Praxis war das Spiel bereits nach etwa 20 Minuten vollständig vorbereitet und spielbereit – ein sehr guter Wert für ein Spiel dieser Kategorie.
Besonders positiv fällt das Spielmaterial auf. Die Türme, die das zentrale Element darstellen, fühlen sich stabil und hochwertig an und lassen sich gut handhaben. Auch die Magierfiguren sind haptisch gelungen und tragen zur Immersion bei. Das physische Stapeln und Bewegen der Türme sorgt für einen zusätzlichen, fast schon „greifbaren“ Spielreiz, der über reine Karten- oder Plättchenspiele hinausgeht.
Allerdings zeigt sich beim Ausstanzen der Materialien eine Schwäche: Sowohl bei den Türmen als auch bei den Zauberspruchplättchen kam es mehrfach dazu, dass das Papier leicht einriss. Das ist zwar kein gravierender Mangel, hinterlässt aber einen kleinen Dämpfer beim Ersteindruck und hätte durch bessere Stanzqualität vermieden werden können.
© ABACUSSPIELE Verlags GmbHDas Spielprinzip
Ziel des Spiels ist es, als erster Spieler alle eigenen Magier in die Rabenburg zu bringen und gleichzeitig alle eigenen Zaubertrankflaschen zu füllen. Beide Bedingungen müssen erfüllt sein, was das Spiel deutlich taktischer macht als ein reines Rennspiel.
Der Spielablauf basiert auf einem kartengesteuerten System: In jedem Zug führt ein Spieler zwei Aktionen aus, meist durch das Ausspielen von Bewegungskarten. Dabei kann entweder ein einzelner Magier bewegt werden oder ein ganzer Turm – inklusive aller darauf befindlichen Figuren. Genau hier liegt der zentrale Kniff des Spiels.
Die Türme können übereinandergestapelt und gemeinsam bewegt werden. Dadurch verschwinden Magier gewissermaßen „im Inneren“ der Türme und sind von außen nicht mehr sichtbar. Spieler müssen sich also merken, wo sich ihre eigenen Figuren befinden – ein klarer Memory-Mechanismus, der das Spiel entscheidend prägt.
© ABACUSSPIELE Verlags GmbHZusätzlich entsteht Interaktion durch das gezielte Einsperren gegnerischer Magier: Wer es schafft, Figuren in Türmen einzuschließen, erhält Fortschritt bei seinen Zaubertränken. Dadurch wird nicht nur auf das eigene Vorankommen gespielt, sondern aktiv gegen die Mitspieler.
Ein weiteres dynamisches Element ist die bewegliche Rabenburg. Sobald ein Magier sie erreicht, wandert sie weiter. Dadurch verschiebt sich das Ziel ständig und ein scheinbar sicherer Vorsprung kann schnell relativiert werden.
Die Basisvariante ist sehr zugänglich und funktioniert hervorragend mit Kindern, da die Regeln schnell verstanden sind und der Spielfluss intuitiv bleibt.
Die „Meistermagiervariante“ erweitert das Spiel um Zaubersprüche und zusätzliche taktische Optionen. Dadurch entstehen mehr Entscheidungsmöglichkeiten und das Spiel gewinnt auch für erfahrene Spieler deutlich an Tiefe.
Fazit
Die wandelnden Türme überzeugt als durchdachtes und originelles Familienspiel, das einfache Regeln mit überraschend viel taktischem Potenzial verbindet. Besonders hervorzuheben ist die gelungene Kombination aus Bewegung, Interaktion und Gedächtnisleistung, die jede Partie abwechslungsreich gestaltet.
Ein großer Pluspunkt zeigt sich im Spiel mit Kindern: Durch den starken Memory-Anteil haben jüngere Spieler oft einen echten Vorteil, da sie sich Positionen von Magiern häufig besser merken können. Dadurch entsteht ein angenehmes Spielgefühl auf Augenhöhe, bei dem Kinder sich Erwachsenen gegenüber durchaus überlegen fühlen können – ein wichtiger Faktor für langfristige Motivation und Spielspaß.
Trotz kleiner Schwächen bei der Materialqualität beim Ausstanzen überwiegt der positive Gesamteindruck deutlich.
Ein rundum gelungenes Familienspiel, das besonders in gemischten Spielrunden mit Kindern seine Stärken voll ausspielt.

Positiv
- riesieges Abenteuer
- englische Sprachausgaben auch in Nebenquests
- viele Waffen und Zauber
- bietet immer wieder überraschende Momente
Negativ
- vier Epochen ähneln sich zu sehr
- Nebenquests vertragen mehr Tiefe

Burnhards Gaming-Reise begann mit „Dig Dug“ auf dem C-16 und seitdem hat ihn die Faszination für Videospiele nicht mehr losgelassen. Heute ist er hauptsächlich auf der Xbox und unter Linux unterwegs. Besonders immersive Open World-Spiele wie Red Dead Redemption oder Assassin’s Creed Odyssey ziehen ihn in ihren Bann, doch auch actionreiche Roguelites wie Hades oder Redacted stehen hoch im Kurs. Abseits der digitalen Welt liebt er es, bei Brettspielen wie 7 Wonders, Eisbrecher oder Punktestadt strategische Entscheidungen zu treffen und sich mit Freunden zu messen.
