Studio Bethesda ist mittlerweile für so einige Spleens bekannt. Einer davon ist, die jüngeren Vertreter ihrer Spiele einfach auf gefühlt jede Plattform zu bringen, bevor ein neuer Teil das Licht der Welt erblicken darf. Aber hey, besser haben als nicht haben! Und so ging es für mich in diesem Fall mit Fallout 4: Anniversary Edition ein weiteres Mal ins vom Atomkrieg gezeichnete Commonwealth des Fallout Universums. Ich habe meinen sicheren Vault verlassen, um zu prüfen, wie gut der Port auf der Switch 2 gelungen ist.
Reichhaltige Apokalypse
Inhaltlich wurde an der Switch 2 Version quasi nichts verändert. Noch immer retten wir uns mit unserer jungen Familie beim Ausbruch eines Atomkrieges in einen teuer bezahlten Kälteschlaf-Bunker, nur um kurz vorm Wegnicken mit anzuschauen, wie Unbekannte unsere Frau erschießen und unser Baby entführen. Kaum aufgewacht, geht es in der nun komplett verwüsteten, anarchischen Welt an der Oberfläche auf die Suche nach dem kleinen Racker.
Neben dem Standardcontent wurden jedoch auch sämtliche DLCs und sogar einige beliebte Mods mit ins Jubiläumspaket gepackt. Allein deswegen ist der Port schon (zumindest inhaltlich) die rundeste Art, Fallout 4 zu erleben. Auch deshalb, weil die Action in Teil 4 relativ zügig Fahrt aufnimmt und wir zum Beispiel recht früh an eine der ikonischen Power-Rüstungen kommen.
Ansonsten gibt es aber nach wie vor die gewohnte Bethesda RPG-Kost, mit spannendem environmental Storytelling, ulkigen Charakteren und einer offenen Welt, die mal mehr, mal weniger zum Erkunden einlädt. Auch die zufallsgenerierten Quests sind wieder mit dabei, denen ich persönlich aber nie etwas abgewinnen konnte. Sie sind einfach zu generisch und zu leicht zu entlarven. Dafür sind die geschriebenen Inhalte aber hochwertig genug, um dennoch lange bei der Stange zu halten.
Technik aus der vergangenen Zukunft
Eine der wichtigsten Fragen stellt sich natürlich zum technischen Gerüst auf Nintendos neuester Hybridkonsole. Die Fallout 4: Anniversary Edition hat die mittlerweile gewohnten drei Grafikmodi mitgegeben bekommen – 30, 40 oder 60FPS.
Entsprechend skalieren Auflösung und vor allem Sichtweite rauf oder runter. Ich persönlich empfehle hier (wie häufig auf Konsolen) den 40FPS-Modus, da hier der beste Kompromiss geboten wird. Bei 60FPS verschwimmen Häuser und andere Modelle bereits auf kurze Entfernung recht stark und 30FPS sind mir bei einem Spiel mit wenig cineastischem Charakter dann doch zu wenig. Zudem werden die 30 Bilder pro Sekunde auch gefühlt nicht ganz sauber gehalten.
Im 60FPS-Modus verwaschen Häuser bereits auf kurze Distanz sichtbar…
…während sie bei 40FPS deutlich schärfer bleiben.
Gemessen an der Tatsache, dass Fallout 4 schon bei Release ein ganzes Stück vom grafischen Goldstandard entfernt war, sieht die Switch 2 Version dann aber doch wirklich gut aus und macht das Beste aus ihren Möglichkeiten. Trotzdem muss man mit zuweilen wirklich ekliger Mimik, verwaschenen Texturen und quasi nicht vorhandener Lippen-Synchronität leben können, wenn man mit Fallout 4 Spaß haben will. Darüber hinaus wird aber die gewohnt stimmige Fallout-Atmosphäre geboten. Der technische Zustand am Fernseher und auf dem Handheld sind übrigens nahezu identisch.
Die Steuerung von Fallout 4 lässt nicht viel Raum zum Meckern. Sie funktioniert sauber und präzise. Trotzdem wird etwas potential liegen gelassen, da die Mausfunktion oder Bewegungssteuerung nicht genutzt werden. Auch der Basenbau ist nach wie vor ziemlich umständlich und hätte gerne etwas intuitiver/komfortabler sein dürfen.
Fazit: 8/10
Vor allem alle, die das Original nicht gespielt haben oder gar erst über die Fallout Serie ihren Weg zu Bethesdas satirischer Postapokalypse gefunden haben, dürfen bedenkenlos bei Fallout 4: Anniversary Edition zuschlagen! Abgesehen vom PC wird hier die kompletteste und flexibelste Version des Spiels geboten, das trotz seiner technischen Schwächen immer noch ein stimmiges Endzeitabenteuer für viele Stunden bietet.
Denn Fallout 4 kann man zum Glück größtenteils so spielen, wie man es selbst für richtig hält. Ungeliebte Gameplay-Mechaniken drängen sich selten auf und können meist ignoriert werden. Der Port auf der Switch 2 ist technisch sauber, ohne Nennenswerte Einbußen im Handheld-Modus. Eine Maussteuerung wäre zwar eine schöne Ergänzung gewesen, ist aber beileibe nicht für eine bessere Spielerfahrung nötig.
Spielte Videospiele, noch bevor er Fahrrad fahren konnte. Hat als einer der letzten Zivis den Gedanken an ein Medizinstudium verworfen und stattdessen „irgendwas mit Medien“ in der Weltmetropole Ilmenau im beschaulichen Thüringer Wald studiert. Über das Campus-TV schließlich den Weg eines (Video-) Redakteurs eingeschlagen und 4 Jahre lang im Esports-Bereich gearbeitet. Weil es ihm aber beim Thema Gaming und anderer medialer Unterhaltungskunst immer noch 24/7 in den Fingern juckt, gibt es jetzt, wann immer es die Freizeit zulässt, Reviews und Previews von ihm.
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