Warrior Cats: Clans of the Forest

Mit den Warrior-Cats-Büchern bin ich aufgewachsen, weshalb ich mich durchaus auf die Videospielumsetzung gefreut habe. Auch wenn die Buchreihe nicht gerade für tiefgründige Geschichten bekannt ist und die Qualität des offiziellen Merchandises schon immer etwas zu wünschen übrig ließ, bietet die Welt der Kriegerkatzen eigentlich reichlich Potenzial für ein Rollenspiel. Ob Warrior Cats: Clans of the Forest dieses auch nutzt, erfahrt ihr im Test.

Willkommen im Clan!

In Warrior Cats: Clans of the Forest erstellen wir unsere eigene Katze und schließen uns einem der vier bekannten Clans an. Als Schüler lernen wir das Clanleben kennen, gehen auf die Jagd, verteidigen unser Territorium und arbeiten uns zum Krieger hoch. Dabei erlebt jeder Clan seine eigene Geschichte.

Bereits der Charaktereditor hinterlässt allerdings einen merkwürdigen Eindruck. Bestimmte Eigenschaften sind fest mit dem Aussehen unserer Katze verknüpft. Wer beispielsweise eine „Swift“-Katze spielen möchte, bekommt einen Stummelschwanz, während „Efficient“ kurzes Fell bedeutet. Ich selbst habe mich letztendlich für „Sturdy“ entschieden, weil ich schlicht eine langhaarige Katze wollte. Warum Aussehen und Eigenschaften nicht unabhängig voneinander gewählt werden können, erschließt sich mir nicht. Auch eine Geschlechtswahl fehlt, sodass unsere Katze innerhalb der Geschichte neutral angesprochen wird.

© Nintendo / Trailmark Games LLC
Beginnen tut das Spiel mit der klassischen Prophezeihung.

Die Geschichte selbst schreitet erstaunlich schnell voran. Innerhalb von zwei Quests erreicht unsere Katze Meilensteine, für die Feuerpfote und Graupfote in den Büchern beinahe einen ganzen Band benötigten. Dadurch geht viel von dem verloren, was die Ausbildung zum Krieger eigentlich interessant macht.

Immerhin gibt es auch gelungene Momente. Während eines Kampfes gegen einen Dachs verlor meine Katze durch eine Entscheidung beispielsweise ihre Ohrspitze. Solche sichtbaren Verletzungen passen wunderbar zur Vorlage und geben der eigenen Figur etwas Persönlichkeit. Ob die andere Entscheidung tatsächlich ein anderes Ergebnis gebracht hätte, konnte ich allerdings nicht überprüfen.

Viel Wald, wenig Leben

Das Gameplay ist für mich die größte Schwäche des Spiels. Die Fortbewegung fühlt sich unglaublich zäh an und der Wald besteht überwiegend aus vorgegebenen Pfaden, die kaum zum Erkunden einladen. Die Spielwelt wirkt erschreckend leer, obwohl mir gefühlt alle fünf Meter Streuner oder WindClan-Katzen auf meinem Territorium begegnen.

Dass ich meinem Anführer von diesen Eindringlingen scheinbar nicht einmal berichten kann, finde ich besonders absurd. In den Büchern wäre eine solche Häufung fremder Katzen schließlich sofort ein Grund zur Sorge gewesen.

© Nintendo / Trailmark Games LLC
Im rundenbasierten Kampfsystem wird im Schere-Stein-Papier Prinzip gegen Beutetiere gekämpft.

Auch das eigentliche Katzenleben kommt viel zu kurz. Ich kann weder einfach maunzen noch mit anderen Katzen spielen oder meine Clangrenzen markieren. Selbst schwimmen ist nicht möglich, obwohl ich mich gerade deshalb für den FlussClan entschieden hatte.

Gespräche mit Clangefährten scheinen zudem größtenteils an Quests gebunden zu sein. Das Lager wirkt dadurch wenig lebendig. Eine interessante Idee ist immerhin der Frischbeutehaufen, dessen Vorräte mit der Zeit abnehmen und wieder aufgefüllt werden müssen. Warum ich allerdings gefühlt die einzige Katze bin, die einen ganzen Clan mit Nahrung versorgt, während die übrigen Krieger untätig herumsitzen, ist mir ein Rätsel.

© Nintendo / Trailmark Games LLC
Andere Kriegerkatzen machen es sich im Lager bequem.

Auch das Kampfsystem kann mich nicht überzeugen. Dieses basiert auf einem simplen, rundenbasierten Schere-Stein-Papier-Prinzip, das schnell eintönig wird.

Kämpfe mit Maus und Spatz

Bei größeren Gegnern wie einem Dachs könnte ich damit noch leben. Dass ich allerdings selbst gegen eine Maus oder einen Spatzen einen rundenbasierten Kampf austragen muss, ist schon ziemlich lächerlich. Excuse me, wir spielen eine Katze! Auch eine Schleichmission, bei der ich mich an Gegnern vorbeibewegen sollte, war derart simpel gestaltet, dass ich während der gesamten Quest keinem einzigen begegnet bin.

Technisch wirkt Clans of the Forest ebenfalls ziemlich altbacken. Auf der Switch 2 erinnert das Spielgefühl stellenweise an die PS2-Ära. Die Steuerung ist träge, die Navigation unübersichtlich und die Laufanimationen sehen eher nach einem generischen Vierbeiner als nach einer Katze aus. Gerade bei einem Spiel, das sich vollständig um Katzen dreht, hätte ich deutlich geschmeidigere Bewegungen erwartet.

Auch der Soundtrack bietet wenig Abwechslung. Die kurzen Musikstücke für Clanlager, Außenwelt und Kämpfe wiederholen sich ständig und gehen einem entsprechend schnell auf die Nerven.

Fazit

Warrior Cats: Clans of the Forest ist für mich als langjährigen Fan eine ziemliche Enttäuschung, wenn auch leider keine sonderlich überraschende. Die grundsätzliche Idee ist gut und einzelne Details, wie die bleibenden Verletzungen unserer Katze, zeigen durchaus Potenzial. Insgesamt fühlt sich das Spiel aber eher wie ein günstiger Indie-Titel mit aufgesetzter Warrior-Cats-Lizenz an.

Vor allem die leere Spielwelt, das träge Gameplay und die fehlenden Interaktionsmöglichkeiten machen es schwer, wirklich in das Clanleben einzutauchen. Dabei hätte es gar kein besonders aufwendiges Spiel gebraucht, um mir das Gefühl zu vermitteln, tatsächlich eine Kriegerkatze zu sein.

Für jüngere Fans, die einfach ihre Lieblingsclans erleben möchten, könnte das Abenteuer dennoch interessant sein. Wer allerdings mit den Büchern aufgewachsen ist und sich ein lebendiges Rollenspiel mit spannenden Revierkämpfen, Erkundung und sozialen Interaktionen erhofft, dürfte ähnlich enttäuscht werden wie ich.

Test

Positiv

  • Vier spielbare Clans
  • Eigener Katzencharakter
  • Sichtbare Verletzungen durch Entscheidungen
  • Interessante Grundidee der Clanversorgung

Negativ

  • Leere, stark lineare Spielwelt
  • Träge Steuerung und steife Animationen
  • Simples, schnell eintöniges Kampfsystem
  • Oberflächliche Geschichte
  • Kaum Interaktionen mit Clangefährten
  • Fehlende katzentypische Verhaltensweisen
  • Eingeschränkter Charaktereditor
  • Repetitiver Soundtrack
2 / 10
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