Assassin’s Creed Black Flag Resynced
Dreizehn Jahre nach dem Original übernimmt Edward Kenway erneut das Steuer der Jackdaw. Assassin’s Creed Black Flag Resynced baut seine Reise durch die Karibik mit aktueller Technik neu auf, erweitert bekannte Orte und ergänzt mehrere Geschichten. Hinter der vertrauten Piratenkampagne steckt allerdings eine unerwartete Veränderung: Ubisoft hat die alte Gegenwartshandlung vollständig ersetzt und Edwards Erinnerungen in einen neuen Konflikt versetzt. Damit ist Resynced zugleich Remake und Fortsetzung.
Alte Erinnerungen in einer neuen Zukunft
Edwards Geschichte beginnt weiterhin im Jahr 1715. Nach einem Schiffbruch tötet er den abtrünnigen Assassinen Duncan Walpole und übernimmt dessen Identität. Sein Versuch, mit gestohlenen Informationen ein schnelles Vermögen zu verdienen, zieht ihn in den Konflikt zwischen Assassinen und Templern. Edward hält wenig von beiden Gruppen. Zunächst interessiert ihn hauptsächlich, welche Seite besser bezahlt.
Auch sein Weg durch das Goldene Zeitalter der Piraterie bleibt erhalten. Edward begegnet Blackbeard, Anne Bonny, Mary Read, Charles Vane und weiteren historischen Figuren. Aus dem überheblichen Glücksritter wird langsam ein Mann, der die Folgen seiner Gier erkennt. Der Zerfall der Piratenrepublik und Edwards persönliche Verluste verleihen der Geschichte noch immer mehr Gewicht, als ihre sonnige Kulisse zunächst vermuten lässt.
© UbisoftVollständig verändert wurde dagegen die Handlung außerhalb des Animus. Im Original spielt ihr einen Abstergo-Mitarbeiter des Jahres 2013, der Edwards Erinnerungen nach verwertbarem Material durchsucht. Diese begehbaren Gegenwartsabschnitte existieren in Resynced nicht mehr. Stattdessen übernimmt ein unbekannter Animus-Nutzer im Jahr 2096 die Rolle des Spielers. Abstergo kontrolliert inzwischen einen großen Teil der Gesellschaft, während Animus-Geräte zur alltäglichen Unterhaltung und Beeinflussung der Bevölkerung eingesetzt werden.
Eine Gruppe von Assassinen versucht, Edwards Lebensgeschichte als Aufruf zum Widerstand zu verbreiten. Gleichzeitig manipuliert die Animus-KI Ego genetische Erinnerungen und möchte ihren Nutzern vermitteln, dass Ordnung und Gehorsam der Freiheit überlegen sind. Vier optionale Animus-Risse unterbrechen Edwards Abenteuer für kurze spielbare Abschnitte, in denen Ego alternative Deutungen seiner Entscheidungen präsentiert. Damit lässt sich Resynced erzählerisch eher als Fortsetzung lesen: Eine neue Person erlebt dieselben Erinnerungen Jahrzehnte nach den Ereignissen des ursprünglichen Spiels. Das Problem liegt in der Präsentation. Der größte Teil dieser spannenden Rahmenhandlung steckt in optionalen Rissen und Textdateien, die mehrere Ebenen tief im Animus-Menü verborgen sind. Viele Spieler werden kaum bemerken, dass diese Geschichte überhaupt existiert.
Eine neu zusammengesetzte Karibik
Die bekannte Welt wurde auf Grundlage der ursprünglichen Karte neu gebaut und an mehreren Stellen erweitert. Städte wie Havanna besitzen zusätzliche Gebäude, Aussichtspunkte und Wege. Neue Innenräume und kleine Umgebungsdetails zeigen deutlicher, wie die Menschen in der Karibik leben. Ubisoft hat außerdem Truhen, Manuskripte und andere Belohnungen neu verteilt. Unterschiedliche Truhentypen enthalten nun passende Vorräte, Munition oder wertvollere Beute. Alte Komplettlösungen führen daher nicht mehr zuverlässig zu jedem Fundstück.
Auch Edwards Kampagne erhält neue Missionen. Drei zusätzliche Offiziere schließen sich der Jackdaw an und bringen kurze persönliche Handlungsstränge sowie kleinere spielerische Vorteile mit. Blackbeards Geschichte wird durch eine weitere Schatzsuche ergänzt, während Stede Bonnet einen neuen Abschluss erhält. Nach der ursprünglichen Handlung wartet außerdem ein zusätzlicher Epilog über die Jagd nach einem Piratenmörder. Die neuen Kapitel erweitern Edwards Reise sinnvoll, auch wenn der Epilog seine Entwicklung stellenweise unnötig verkompliziert.

Auf See bleibt das Grundgefühl des Originals erhalten. Mit der Jackdaw greift ihr Handelsschiffe an, beschießt Forts und nehmt es später mit schweren Kriegsschiffen auf. Das neue Wettersystem beeinflusst nun auch die Navigation. Hohe Wellen, Wind und Stürme machen die Jackdaw schwerer kontrollierbar und verhindern zeitweise die schnellste Reisegeschwindigkeit. Schiffswaffen besitzen zusätzliche Feuermodi und beim Entern stehen verschiedene Ziele zur Wahl, mit denen ihr die Moral der gegnerischen Besatzung brecht. Danach könnt ihr das eroberte Schiff weiterhin zur Reparatur nutzen, in Edwards Flotte aufnehmen oder damit den Fahndungsgrad senken.
An Land fallen die Veränderungen noch deutlicher aus. Edward kann sich nun jederzeit ducken, anstatt erst beim Betreten hoher Pflanzen automatisch in die Hocke zu gehen. Wachen benötigen einen kurzen Moment, bevor sie ihn vollständig entdecken. Verfolgungs- und Beschattungsmissionen enden nicht mehr sofort, sobald das Ziel kurz verloren geht. Das eröffnet mehr Möglichkeiten, Anlagen über Dächer oder durch die Vegetation zu infiltrieren. Gleichzeitig wurden zahlreiche Dachwachen aus neutralen Stadtgebieten entfernt. Dadurch lässt sich freier reisen, die frühere Spannung beim heimlichen Überqueren einer Stadt geht jedoch teilweise verloren.
© UbisoftDas Kampfsystem übernimmt leichte und schwere Angriffe, Ausweichbewegungen und Paraden aus neueren Serienteilen. Erfolgreiche Konter lassen sich zu Kettenangriffen verbinden. Edward kann Gegner treten, zu Boden werfen oder gegen Gegenstände schleudern. Im Gegenzug verschwinden mehrere Möglichkeiten des Originals: Verlorene Musketen, Säbel und schwere Äxte lassen sich nicht mehr vorübergehend aufnehmen, die versteckten Klingen dienen nur noch für Attentate und Abschlussanimationen. Unbewaffnete sowie nicht tödliche Kämpfe wurden ebenfalls gestrichen. Einige Ziele, die früher heimlich ausgeschaltet werden konnten, treten nun in erzwungenen Bosskämpfen an. Das neue System verlangt mehr Aufmerksamkeit, bietet aber weniger spielerische Freiheit.
Schneller, schöner und manchmal leichter
Der Parkour wurde beschleunigt und um zusätzliche Bewegungen erweitert. Edward läuft an niedrigen Wänden hoch, überwindet größere Abstände und kann seine Richtung beinahe sofort ändern. Das macht die Fortbewegung bequemer, nimmt ihr jedoch einen Teil des früheren Gewichts. Manche Sprünge wirken übertrieben weit und einzelne Animationen gehen sichtbar ineinander über. Zusammen mit der weiterhin schwachen Gegner-KI werden Infiltrationen dadurch häufig einfacher. Wachen übersehen Edward teilweise aus kurzer Entfernung oder stellen ihre Suche erstaunlich schnell wieder ein.
Technisch zeigt die Neuauflage ihre größten Fortschritte. Raytracing, dichter bewachsene Inseln, neue Wasserberechnungen und dynamische Tageszeiten lassen die Karibik erheblich lebendiger wirken. Große Städte können ohne separate Ladeunterbrechung betreten werden. Auf der Xbox Series X stehen ein Qualitätsmodus mit 30 Bildern, ein ausgeglichener Modus mit 40 Bildern und ein Performance-Modus mit 60 Bildern pro Sekunde bereit.Neue Shantys, Haustiere auf der Jackdaw und ein Fotomodus ergänzen das Abenteuer. Dafür fehlen der komplette Mehrspielermodus und die gefeierte Adéwalé-Erweiterung Freedom Cry. Auch einzelne Nebenhandlungen des Originals verlieren durch die entfernten Abstergo-Abschnitte ihren ursprünglichen Abschluss. Damit ist Resynced die modernste, jedoch weiterhin nicht die vollständigste Fassung von Black Flag.
Fazit
Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist weit mehr als das gleiche Piratenabenteuer mit schönerem Wasser. Die neu aufgebaute Karibik, veränderte Fundorte, zusätzlichen Missionen und der vollständig ersetzte Handlungsrahmen machen die Rückkehr auch für Kenner interessant. Besonders die im Jahr 2096 angesiedelte Geschichte um Abstergo, die Assassinen und eine Erinnerungen manipulierende KI eröffnet spannende Möglichkeiten für weitere Remakes. Leider versteckt Ubisoft diesen Teil in optionalen Rissen und tief verschachtelten Textdateien. Spielerisch liefern das freie Ducken, tolerantere Verfolgungsmissionen und die erweiterten Schiffskämpfe klare Verbesserungen. Der schnellere Parkour verliert dagegen an Gewicht, während das überarbeitete Kampfsystem trotz neuer Konter mehrere Waffen und Freiheiten streicht. Freedom Cry, der Mehrspielermodus und die alte Gegenwartshandlung fehlen ebenfalls. Edwards Reise und die Seeschlachten der Jackdaw funktionieren trotzdem noch immer hervorragend. Für neue Spieler ist Resynced der angenehmste Einstieg in das Piratenabenteuer; Fans des Originals erhalten eine überraschend veränderte Interpretation statt einer vollständigen Ersatzfassung.
Positiv
- neu aufgebaute und erweiterte Karibik
- hervorragende Seeschlachten mit dynamischem Wetter
- neue Missionen und Handlungsstränge
- spannender neuer Rahmen im Jahr 2096
Negativ
- Rahmenhandlung unnötig stark versteckt
- weniger Waffen und Kampfmöglichkeiten
- Freedom Cry und Mehrspielermodus fehlen
- Parkour und Gegner-KI teilweise zu anspruchslos

Als typisches Kind der 90er begann Viktors Gamingleidenschaft mit der PS1 und dem N64 – die erste eigene „Konsole“ war ein lila-transparenter Gamebody Colour mit Pokémon in der gelben Edition. Von Playstation 1-4 wanderten relativ regelmäßig neue Konsolen und Spiele ins Haus, am Liebsten Titel wie Silent Hill, Haunting Ground, Final Fantasy und Kingdom Hearts, aber auch Gamecube, Wii und Switch zogen über die Jahre ein.
Erst mit dem Release der Xbox Series X wanderte er aus dem Camp Sony ab.
In den 2010ern entdecke er seine Liebe für RPG Maker-Klassiker wie Ib und The Witch’s House – denn dafür reichte der schwache Laptop noch aus. 😉 Vom ersten „großen“ Gehalt gab’s dann den ersten Gaming PC, auch wenn er heute einen entspannten Abend auf der Couch mit dem Controller in der Hand bevorzugt.
Heute faszinieren ihn die verschiedensten Titel, von „Baldur’s Gate 3“ über „Stardew Valley“, „Red Dead Redemption 2“ oder auch „Stray“. Ob Adventure, Horror, Fantasy oder Farming Sim – das Genre ist nicht wichtig, hauptsache der Spielspaß stimmt!
Wenn’s mal ein Gaming-Abend ohne PC sein soll, greift Viktor sowohl auf Pen&Paper Klassiker wie Shadowrun und DSA zurück, aber er probiert auch gerne Systeme aus, die weniger bekannt sind („One in a Million / Discworld“ oder „Wanderhome“).
