Hell Let Loose: Vietnam
50 gegen 50 mitten im Dschungel
Nach knapp 20 Stunden mit Hell Let Loose: Vietnam kann ich eines direkt sagen: Ich bin wirklich überzeugt von diesem Spiel.
Das Grundprinzip erinnert zunächst an Battlefield. Zwei Teams mit jeweils 50 Spielern treten auf riesigen Karten gegeneinander an. Allerdings war mein erster Gedanke dabei weniger „Das kenne ich schon“, sondern eher: Genau diese Größe hätte ich mir bei einem Battlefield Release gewünscht.
Die sechs Karten sind wirklich gewaltig und geben den Gefechten genau den Platz, den sie brauchen. Vietnam eignet sich dafür natürlich hervorragend. Dschungel, offene Flächen und kleine Wege sorgen dafür, dass man nie genau weiß, wo der nächste Gegner steckt.
© Expression Games / Team17Hier geht es nicht um Skins
Was mich von Anfang an besonders überzeugt hat, ist die Atmosphäre.
Das HUD ist sehr klein gehalten und dadurch fühlt sich Hell Let Loose: Vietnam deutlich mehr wie ein echter Shooter an. Es gibt keine überladene Anzeige und auch nicht das Gefühl, dass das Spiel ständig alles für mich markieren muss.
Dazu kommt die Umgebung. Die Natur Vietnams sieht wirklich beeindruckend aus und gleichzeitig weiß man nie, was hinter dem nächsten Busch wartet.
Der Realismus ist dabei aber wahrscheinlich der Punkt, an den man sich am meisten gewöhnen muss.
Man stirbt verdammt schnell. Dabei spielt es kaum eine Rolle, welche Waffe man gerade benutzt. Hier geht es nicht darum, möglichst viele Aufsätze freizuschalten oder mit irgendwelchen Skins herumzulaufen. Man bekommt seine Waffe und zieht damit in den Krieg.
Oft bedeutet das: hinlegen, kriechen, warten, beobachten und versuchen herauszufinden, woher der nächste Schuss kommt.
Und genau das macht den Unterschied.
Hell Let Loose: Vietnam möchte nicht, dass ich wild durch die Gegend renne und alles niederschieße, was sich bewegt. Wer einfach losläuft, liegt meistens wenige Sekunden später irgendwo im Dreck.
Hier gewinnt nicht unbedingt derjenige mit der schnellsten Reaktion, sondern derjenige, der besser beobachtet und mit seinem Team zusammenarbeitet.
© Expression Games / Team17Endlich wieder richtig miteinander reden
Einer meiner persönlichen Höhepunkte ist die Kommunikation.
Ich kann mich in einem Umkreis von ungefähr 30 Metern mit anderen Spielern unterhalten. Dazu kommt die Kommunikation innerhalb des Squads mit ungefähr acht Spielern und zusätzlich die Möglichkeit, mit anderen Teamleadern beziehungsweise dem Offizier zu sprechen.
Das klingt auf dem Papier vielleicht nach einer Kleinigkeit, macht in einem Gefecht aber einen enormen Unterschied.
Ich hatte eine Runde, in der genau das passiert ist, was ich mir von einem taktischen Shooter wünsche. Jeder in meinem Squad hat miteinander gesprochen und auch die Leader waren aktiv. Wir konnten Taktiken entwickeln, Informationen weitergeben und gemeinsam entscheiden, wie wir einen Punkt angreifen oder verteidigen.
Da saß ich tatsächlich vor dem Bildschirm und dachte:
Alter, genau dafür spiele ich dieses Spiel!
Das war für mich einer der besten Momente meiner bisherigen Spielzeit.
© Expression Games / Team1745 Minuten für einen einzigen Punkt
Die Gefechte fühlen sich dabei erstaunlich ausgeglichen an.
Man kann alleine unterwegs sein, sich einem Squad anschließen, versuchen zu flankieren oder gemeinsam einen Angriff auf einen Punkt starten. Gerade beim Flankieren wird das Spiel deutlich ruhiger. Während an einem wichtigen Punkt teilweise die Hölle los ist, kann man sich auf der anderen Seite der Karte langsam durch das Gelände bewegen und versuchen, eine taktische Garnison im feindlichen Gebiet aufzubauen.
Meine längste Runde dauerte knapp zwei Stunden.
Der Grund dafür war ein einziger Punkt, um den beide Teams ungefähr 45 Minuten lang gekämpft haben. Immer wieder wurde angegriffen, zurückgedrängt und neu formiert. Das war nicht langweilig, sondern hat mich tatsächlich beeindruckt.
Solche Gefechte zeigen meiner Meinung nach ziemlich gut, was Hell Let Loose: Vietnam anders macht.
© Expression Games / Team17Ohne Offizier wird es schwierig
Was mich während meines Tests etwas genervt hat, ist die Bedeutung des Offiziers. Ohne einen aktiven Offizier kann ein Team schnell massive Probleme bekommen. Wenn der Spieler die Verbindung verliert oder niemand diese Rolle übernimmt, wird es unmöglich, neue Garnisonen zu bauen und das Team sinnvoll zu koordinieren.
Noch ärgerlicher wird es, wenn man selbst einspringen möchte.
Wer erst wenige Runden gespielt hat und im zweiten oder dritten Match den Offiziersrang übernehmen möchte, bekommt unter Umständen erst einmal die Meldung, dass die Grundausbildung abgeschlossen werden muss.
Grundsätzlich verstehe ich, warum die Entwickler das so handhaben. Niemand möchte einen völlig unerfahrenen Spieler als wichtigen Offizier im Team haben. In einer ohnehin schwierigen Situation kann es aber trotzdem ziemlich frustrierend sein, wenn gerade niemand diese Rolle übernimmt und man selbst nicht einspringen darf.
© Expression Games / Team17Crossplay mit einem kleinen Haken
Auch beim Crossplay gibt es noch Luft nach oben.
PC und PlayStation können zwar auf den selben Servern spielen, allerdings kann man Freunde von der anderen Plattform nicht einfach hinzufügen oder direkt einladen.
Dadurch wird das gemeinsame Spielen unnötig kompliziert. Man muss sich teilweise über Server und Wartezeiten organisieren. Wenn ein Server fast voll ist, kann man dabei schon einmal mehrere Minuten in der Warteschlange hängen.
Gerade für ein Spiel, das so stark auf Teamplay setzt, hätte ich mir hier eine einfachere Lösung gewünscht.
© Expression Games / Team17Wenige Waffen, große Wirkung
Die Auswahl an Waffen ist nicht riesig, was mich persönlich allerdings nicht gestört hat.
Die vorhandenen Waffen passen zum Szenario und fühlen sich ordentlich an. Auch die Fahrzeuge sind meistens eher langsam unterwegs und stehen nicht permanent im Mittelpunkt eines Gefechts.
Das gefällt mir eigentlich ganz gut.
Ein Fahrzeug kann wichtig sein, aber es entscheidet nicht automatisch die komplette Runde. Auch hier bleibt der Fokus auf dem Zusammenspiel der Spieler.
© Expression Games / Team17Die Community ist nicht immer einfach
Eine Sache möchte ich trotzdem erwähnen.
Die Community kann teilweise ziemlich männlich dominiert und auch mal sexistisch sein. Das ist natürlich stark davon abhängig, auf welchen Server und in welches Squad man gerät.
Wenn man allerdings ein gutes Team erwischt, sieht die Sache komplett anders aus.
Dann wird geredet, gelacht, geplant und gemeinsam gespielt. Und genau diese Runden machen für mich einen großen Teil des Reizes aus.
Technisch läuft es erstaunlich gut
Auch bei der Performance kann ich wenig Negatives berichten.
Ich habe das Spiel auf den höchsten Einstellungen gespielt und insgesamt lief es sehr gut. Während meines Tests hatte ich keine größeren Performanceprobleme.
Ein paar Abstürze gab es bei Servern, die abgeschaltet wurden. Abgesehen davon lief das Spiel bei mir allerdings sehr rund.
© Expression Games / Team17Fazit
Hell Let Loose: Vietnam ist definitiv kein Shooter, bei dem ich nach fünf Minuten alles verstanden habe.
Gerade am Anfang war ich teilweise ziemlich frustriert. Ich wurde erschossen und wusste nicht einmal, aus welcher Richtung der Schuss gekommen war. Man stirbt schnell und muss erst lernen, sich vorsichtiger durch die Karten zu bewegen.
Aber genau das hat sich mit der Zeit verändert.
Nach einigen Stunden habe ich angefangen, mehr auf meine Umgebung zu achten. Ich bin häufiger gekrochen, habe länger gewartet und versucht, nicht einfach blind nach vorne zu laufen.
Und irgendwann hat es Klick gemacht.
Wenn ein Squad funktioniert und wirklich miteinander kommuniziert, kann dieses Spiel unglaublich viel Spaß machen. Dann entsteht aus 50 einzelnen Spielern plötzlich ein Team, das gemeinsam Entscheidungen trifft und tatsächlich etwas erreicht.
Für mich ist genau das die größte Stärke von Hell Let Loose: Vietnam.
Es versucht nicht, der nächste schnelle Multiplayer-Shooter zu sein. Es möchte, dass man sich Zeit nimmt, miteinander redet und taktisch spielt.
Und wenn man sich darauf einlässt, bekommt man meiner Meinung nach einen der besten Shooter seit langer Zeit.

Positiv
- starke Atmosphäre
- große und abwechslungsreiche Karten
- Kommunikation und Teamplay 10/10
- sehr gute Performance
- realistisches Spielgefühl
Negativ
- hohe Einstiegshürde
- Offizierssystem kann situativ frustrieren
- Crossplay mit Freunden unnötig kompliziert
- Teilweise problematische Community
- Gelegentliche Serverabstürze

Moin, ich bin Alex.
Viele kennen mich aber eher unter dem Namen Vierzwo.
Videospiele begleiten mich schon seit meiner Kindheit. Angefangen hat alles mit meiner ersten Sega-Konsole, und seitdem hat mich das Gaming-Fieber nie wieder losgelassen.
Ich spiele eigentlich querbeet alles, was Spaß macht. Von Counter-Strike und League of Legends über große AAA-Titel bis hin zu kleinen Indie-Games, die kaum jemand auf dem Radar hat. Gerade diese Vielfalt macht Gaming für mich so spannend. Oft sind es nämlich genau die unbekannten Spiele, die einen positiv überraschen und lange in Erinnerung bleiben.
Deshalb probiere ich gerne neue Titel aus, schreibe Reviews und teile meine Eindrücke mit der Community. Dabei achte ich nicht nur auf Grafik oder Technik. Für mich zählt vor allem, ob ein Spiel etwas Eigenes mitbringt, Emotionen weckt oder einfach ein besonderes Erlebnis bietet. Und wenn ich dabei die eine oder andere Gaming-Perle entdecke, umso besser.
