Sherwood Bandits
Im dichten Grün des Sherwood Forest ist der Duft von Abenteuer allgegenwärtig. Gold funkelt in den Taschen reicher Händler, und in den Schatten lauern waghalsige Banditen – bereit, das Schicksal mit einem einzigen Würfelwurf herauszufordern. Sherwood Bandits von Ludus Magnus Studio, in der deutschen Version 2024 bei Shrimps Games erschienen, entführt uns in die legendäre Heimat Robin Hoods, in der List, Risiko und Timing über Ruhm oder Fall entscheiden. Doch steckt hinter dem verspielten Räuberleben auch ein taktisch cleveres Brettspiel oder nur ein Hauch von Nostalgie in neuer Verpackung?
Hintergrundgeschichte des Spiels
In Sherwood Bandits schlüpft man dieses Mal nicht in die Rollen der allseits bekannten Helden Robin Hood, Little John oder Maid Marian. Man ist vielmehr ein aufstrebender No-Name in der Diebesbranche. Mit der kleinen Banditenbande versucht man sich, das Wohlwollen der gerade genannten Helden zu erarbeiten. Diejenige Banditenbande mit dem größten Profit aus den Diebstählen im Sherwood Forest darf Robin Hoods Mitstreitern beitreten.
© Ludus Magnus StudioAlso überfällt man im Spiel diverse Kutschen, um das meiste Gold zu erbeuten. Wie das grob funktioniert, folgt im nächsten Abschnitt.
Die groben Spielregeln
Die Standardversion von Sherwood Bandits wird mit mindestens zwei bis maximal fünf Spielern gespielt. Grundlegend ist dieses Spiel eine Mischung aus Würfelmechanik, taktischer Figurenplatzierung und dem sogenannten Push-your-Luck-Prinzip. Das bedeutet soviel wie: Je größer das Risiko, desto wertvoller kann die Belohnung ausfallen. Allerdings kann ein einziger unglücklicher Würfelwurf dafür sorgen, dass man mit leeren Händen dasteht. Gespielt wird über insgesamt vier Runden, die jeweils in drei Phasen unterteilt sind: die Auflauer-Phase, die Überfall- und letztlich die Sheriff-Phase.
© Ludus Magnus StudioIn der Auflauer-Phase platzieren die Spieler ihre Banditen abwechselnd auf dem Spielbrett. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder stellt man seine Figur auf die Wege der königlichen Transportwagen oder man schickt sie auf einen Taschendiebstahl, um eine Münze zu ergattern. Die Platzierung auf den Wagen hat dabei eine besondere Mechanik. Es stehen mehrere Felder hintereinander zur Verfügung. Wer seine Figur weit vorne platziert, hat bessere Chancen, sich am Überfall zu beteiligen. Jedoch fällt die Belohnung eher gering aus. Weiter hinten in der Reihe fallen die Belohnung deutlich größer aus, allerdings steigt auch das Risiko, dass der Transport bereits überwältigt wurde.
Wenn dann alle Figuren verteilt wurden, werden die Wagenkarten aufgedeckt. Ab diesem Zeitpunkt erfährt man, wie viele Würfelaugen benötigt werden, um die jeweiligen Transporte erfolgreich zu überfallen.
© Ludus Magnus StudioIn der Überfallphase werden nun die Wagen nacheinander angegriffen. Jeder Spieler würfelt mit einem Würfel, wobei die Ergebnisse addiert werden, bis der Verteidigungswert des Wagens erreicht oder überschritten ist. Hat man dies geschafft, gilt der Überfall als Erfolg. Sollte die Punktzahl bereits erreicht sein, geht ein weiterer wartender Bandit leer aus. Alle erfolgreichen und beteiligten Angreifer erhalten nun Siegpunkte und Beute. An dieser Stelle hat Sherwood Bandits seine größten Stärken. Denn selbst wenn verschiedene Spieler denselben Wagen angreifen, verfolgen sie völlig unterschiedliche Interessen. Diese kleinen taktischen Überlegungen sorgen dafür, dass man die Würfelwürfe der Mitspieler mindestens genauso aufmerksam verfolgt, wie die eigenen.
In der letzten Phase kommt der Sheriff von Nottingham ins Spiel. Die Würfel, welche bei den Überfällen nicht benötigt wurden, werden nach Spielfarben auf die Zugbrücke gelegt. Ihre Augenzahlen entscheiden, ob sich unsere Bande unauffällig bewegt hat oder zu viel Aufmerksamkeit erregte. Ist die Augenzahl höher als zehn, wird der Bandenchef verhaftet und landet im Gefängnis. Dies hat Auswirkungen auf den nächsten Spielzug. Allerdings kann man den Sheriff mit den erbeuteten Gegenständen bestechen. Wer dies macht, darf Würfel von der Zugbrücke nehmen.
Vier legendäre Gefährten für zusätzliche Abwechslung
Ganz ohne die allseits bekannten Helden kommt das Spiel nicht aus. Sie können unsere Raubzüge unterstützen, indem man ihre Fähigkeiten nutzt. So unterstützt Lady Marian die Auflauer-Phase, während Little John nach dem Aufdecken der Wagenkarten zum Einsatz kommt. Robin Hood selbst hilft während der Überfälle und Bruder Tuck kann uns vor dem Sheriff bewahren. Die genauen Effekte hängen von den jeweiligen Gefährtenkarten ab.
Es gibt aber einen Haken. Pro Runde kann jeder Spieler seinen Bandenchef nur für eine der vier Helden einsetzen. Und wenn der Bandenchef im Gefängnis sitzt, kann er logischerweise nicht eingesetzt werden.
© Ludus Magnus StudioDiese zusätzlichen Fähigkeiten sorgen im Spiel für eine gewisse Abwechslung. In unseren Testspielen hatten wir aber das Gefühl, man kommt auch ohne diese Fähigkeiten ganz gut zurecht. Wahrscheinlich ergeben sie mehr Sinn, wenn man das Spiel mehrfach gespielt hat.
Die Schlusswertung
Nach den besagten vier Spielrunden endet die Partie und sämtliche erbeutete Schätze werden ausgewertet. Verschiedene Schmuckstücke und Wertgegenstände können kombiniert werden, um zusätzliche Punkte zu erhalten. Ansonsten zählen die während des Spiels gesammelten Siegpunkte. Wer nach der Auszählung die meisten Siegpunkte besitzt gewinnt das Spiel und darf Robin Hoods Bande beitreten.
Das Spielmaterial
Bereits beim Auspacken wird deutlich, dass sich Ludus Magnus Studio bezüglich der Gestaltung einige Gedanken gemacht hat. Die liebevoll illustrierten Karten, die farbenfrohen Holzfiguren und das ansprechend gestaltete Spielbrett sorgen für einen unverwechselbaren Charme. Vor allem die tollen Zeichnungen passen hervorragend zur lockeren Interpretation von Robin Hood. Ein besonderes Highlight sind die Schatztruhen aus Pappe. Sie sehen nicht nur klasse aus, sondern erfüllen auch ihren spielerischen Zweck. Darin werden nämlich die gesammelten Wertgegenstände aufbewahrt.
© Ludus Magnus StudioSpieldaten im Überblick
Autor: Luca Ricci
Verlag: Ludus Magnus Studio / Shrimp Games (deutsche Ausgabe)
Erscheinungsjahr: 2021; deutsche Ausgabe 2024
Spielerzahl: 2–5
Spieldauer: ca. 45 Minuten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Spielmechanik: Würfeln, Figurenplatzierung, Push-your-Luck-Prinzip
Fazit 7/10
Sherwood Bandits ist ein charmantes und unterhaltsames Brettspiel, dass die bekannte Legende auf eine eigene Art und Weise interpretiert. Die Kombination aus taktischer Figurenplatzierung, dem Würfeln und dem Sammeln von Schätzen funktioniert gut und sorgt für Unterhaltung. Vor allem die Kombination aus Risiko und Belohnung macht Spaß. Inwiefern die Fähigkeiten der Helden eine große Rolle spielt ist fraglich. Außerdem spielt der Glücksfaktor doch eine entsprechende Rolle.

Positiv
- abwechslungsreiche Überfälle und zugängliche Regeln
- liebevoll gestaltetes Spielmaterial
- gelungene Mischung aus Taktik und Risiko
Negativ
- spürbarer Glücksfaktor
- wiederholender Rundenablauf
- begrenzte, strategische Tiefe für Vielspieler

Flo ist ein Spieler durch und durch. Egal, ob Karten-, Brettspiele oder Spiele in der digitalen Welt – alle sind ihm heimisch. Seine Anfänge machte er mit dem damaligen Spiel „Hugo“ oder der blauen Edition auf dem Gameboy Color. Im Jugendalter widmete er sich neben seinem sportlichen Ausgleich dem Strategiegenre, weshalb „Age of Empires 2“ oder die „Total War“-Reihe immer noch zu seinen Lieblingsspielen zählen.
Neben diversen Strategiespielen ist er auch ein großer Freund von sämtlichen kooperativen Games. Aus diesem Grund zählen wohl „7 Days to Die“ und „Dead by Daylight“ zu den am meisten gespielten Spielen überhaupt. In diesem beiden Titeln kann und konnte er auf beste Unterstützung von Maik und Gunter zählen.
Wichtig ist allerdings, dass die Spiele eine Crossplay-Funktion besitzen, da er vorwiegend auf der Playstation unterwegs ist. Der PC und die Nintendo Switch befinden sich aber auch in seinem Repertoire.
