South of Midnight Weaver’s Edition
Seit jeher bin ich begeistert von Märchen, Creepypasta, True Crime und anderen Geschichten, die Spannung erzeugen und einen selbst eintauchen lassen. Genau hieran bedient sich auch der preisgekrönte Titel South of Midnight, denn die Folklore der amerikanischen Südstaaten ist dabei zentraler Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Ob mich das Action-Adventure dabei überzeugte, kläre ich im Test.
Es begann mit einem Sturm
Wir finden uns als Hazel in den Südstaaten Amerikas wieder und ein Sturm zieht auf. Während wir uns gerade um das Wohlbefinden der Nachbarn kümmern, können wir nur zusehen, wie unsere eigene Bleibe mitsamt unserer Mutter davongetragen wird und in den aufkommenden Fluten landet. Hazel versucht noch, ihrer Mutter zu helfen, findet dabei aber mehr als sie erwartet hat.
© Microsoft StudiosKlassisches Gameplay
Zu Beginn fühlt sich South of Midnight an wie ein klassisches 3D-Jump ’n‘ Run und dieses Gefühl zieht sich auch durch das gesamte Abenteuer. Wir springen mit Hazel von Stein zu Stein, überwinden Wassermassen und Schluchten und nehmen durchaus auch die Beine in die Hand, um größere Abgründe zu überwinden. Hinzu kommen ein Doppelsprung und das Heranziehen an entfernte Objekte und schon finden wir uns im Spielgefühl von anderen Hochkarätern wie Super Mario oder Metroid Prime wieder.
Wenn wir plötzlich auch noch Kletterpassagen wie in Assassin’s Creed meistern, bedient sich South of Midnight gleich einer weiteren ikonischen Videospielreihe und erst als Hazel ihre magischen Fähigkeiten als „Weberin“ entdeckt, entwickelt sich das ganz eigene Spielgefühl. South of Midnight schafft es nämlich, sich an bekannten Ideen zu bedienen, ohne dass es abgeschrieben wirkt, da sich der ganz individuelle Charme durch das gesamte Abenteuer zieht.
Die Magie der Weberin
Als Weberin ist Hazel in der Lage, geisterhafte Gestalten zu sehen, welche sie durch die Ländereien führen. Genau hier setzen dann auch die Erzählungen der Südstaaten über geheimnisvolle Ereignisse und riesige Alligatoren an, die so in ihren Bann ziehen. Vor allem die comichaften Erzählungen begeistern dabei, da sich South of Midnight damit klar von anderen Videospielen abhebt.
© Microsoft StudiosAls Weberin hören Hazels Fähigkeiten jedoch nicht beim Entdecken von Geisterwesen auf. Immer wieder stellen sich uns nämlich schattenartige Gegner in den Weg, die in Arenakämpfen bezwungen werden müssen. Das Repertoire reicht dabei von einfachen Angriffen über das kurzzeitige Betäuben von Feinden bis hin zur Kontrolle von eben jenen. Dank schnellen Ausweichmanövern ist das Kampfsystem dabei wirklich spaßig, vor allem da Hazel nach und nach immer neue Verbesserungen für ihre Fähigkeiten erlernt. Lediglich die Auswahl an Feinden könnte spannender gestaltet sein, da sie bei Weitem nicht an die toll inszenierten Bossgegner heranreichen.
Ein Stück weit habt ihr es sogar selbst in der Hand, wie sich Hazel entwickelt. Gewonnene Erfahrungspunkte können nämlich nach Belieben in einem überschaubar großen Skilltree investiert werden. Da ihr fernab der Kämpfe aber auch immer wieder neue Erfahrung außerhalb der Hauptwege aufsammeln könnt, lebt man häufig im Überfluss, sodass alle neuen Talente fast simultan erworben werden können.
Wo Licht ist, fällt auch Schatten
Das Gameplay macht viel Freude und geht nach wenigen Minuten locker von der Hand. Mein größter Kritikpunkt ist, dass sich vieles zu bekannt anfühlt. South of Midnight verpasst es nämlich meiner Meinung nach fernab der Story, seine eigenen Ideen gewinnbringend zu entwickeln. Dafür ist das Kampfsystem beispielsweise zu simpel, repetitiv und vor allem auf zu viele Arenakämpfe beschränkt.
© Microsoft StudiosZudem könnte die Switch 2-Version noch einiges an Polishing vertragen. Der eigentlich tolle Grafikstil kommt durch verwaschene Texturen und aufploppende Objekte leider nicht wirklich zur Geltung, wobei dies vor allem den Handheld-Modus betrifft. Schade ist es vor allem deshalb, da South of Midnight ein tolles Spiel ist und mit einfachen Handgriffen sogar noch besser sein könnte. Story, Gameplay und musikalische Untermalung geben nämlich ein stimmiges Bild ab. Trotz Kritik kann ich aber eine klare Kaufempfehlung aussprechen, da ihr vor allem auf der Ebene des Storytelling verwöhnt werdet, da es viele optionale Erzählungen gibt, die euch mehr und mehr in die Folklore eintauchen lassen.
Fazit: 7/10
South of Midnight ist auch auf der Nintendo Switch 2 ein ganz besonderes Spiel. Der Grafikstil überzeugt, das Storytelling ebenso, jedoch müssen auch Abstriche gemacht werden. Das Gameplay orientiert sich zu stark an anderen Genre-Größen und bietet dabei aber zu wenige eigene Ideen. Zudem verdient die Grafik durchaus etwas Polishing, um die prachtvollen Umgebungen zur Geltung zu bringen.
Dennoch begeistert das Abenteuer, bietet viele Spielstunden Spielspaß und ihr werdet eure Freude mit Hazel haben. Die interessanten Geschichten aus den Südstaaten Amerikas bieten nämlich genug Spannung, um jeden Winkel der Welt zu erkunden. Zudem gibt es optionale Wege, die euch mehr und mehr eintauchen lassen und die musikalische Untermalung mit seinen melancholischen Klängen sorgt für eine angenehme Stimmung. Daher wagt gerne den Blick auf South of Midnight, bereuen werdet ihr es nämlich nicht.

Als Kind der 90er-Jahre ist Maik mit dem NES, SNES und Nintendo 64 groß geworden. Seitdem schlägt sein Herz für das Kyoto-Unternehmen, auch wenn seine Interessen auch weitere Konsolen betreffen. Zu seinen liebsten Titeln aller Zeiten gehören The Legend of Zelda: Ocarina of Time und Final Fantasy X.
